23andMe: Gentest-Firma vertauscht DNA-Ergebnisse ihrer Kunden
Ooops - doch nicht der Vater? Ein Kunde der Gentest-Firma 23andMe fürchtete, man hätte sein Kind im Krankenhaus verwechselt. Doch dann entschuldigte sich 23andMe bei ihm: Die Proben seien vertauscht worden. Von den falschen DNA-Analysen waren 96 Personen betroffen.
Im Internet bestellt es sich leicht. Klamotten, Bücher, Haushaltgeräte - es gibt kaum ein Produkt, das es online nicht zu haben gibt. Auch zu haben gibt es - und das schon seit einigen Jahren - kommerzielle Gentests. Schnell eine Speichelprobe abgeschickt, und schon kann man wenige Wochen später das Ergebnis im Internet einsehen.
23andMe ist eine jener Firmen, die solche Tests anbieten. Für derzeit 500 US-Dollar erhält man dort ein umfangreiches Paket: Man erfährt etwas über seinen genetischen Ursprung, ob man möglicherweise ein defektes Gen in sich trägt, und ob man ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten hat. Nach wie vor bestehen Zweifel an der Aussagekraft solcher Tests, trotz zahlreicher Fortschritte in der Genomforschung. Zwar liefern solche Tests eine Vielzahl von Informationen über das eigene Erbgut, doch welche Schlüsse sie tatsächlich auf die reale Lebenssituation zulassen, ist umstritten.
Vor zwei Jahren wagte SPIEGEL-Redakteur Marco Evers einen Selbstversuch und schickte seine Spucke an 23andMe. Das Ergebnis: eher verwirrend. Noch verwirrter angesichts ihrer DNA-Ergebnisse dürften jetzt eine Reihe von Kunden der Start-up-Firma gewesen sein: Offenbar hatte das Unternehmen eine Reihe von DNA-Proben vertauscht. Als Folge, das berichtet der Wissenschafts-Blog "Genetic Future", hätten bis zu 96 Personen die Ergebnisse Anderer erhalten.
Dem Bericht zufolge sei in einem der Vertragslabors des Unternehmens eine Verwechslung passiert und die Ergebnisse seien ohne weitere Kontrolle an die Kunden geschickt worden. Die Firma habe inzwischen alle Betroffenen über die Panne informiert.
Doch für so manchen Kunden kam der Schock prompt - und die Erklärung spät. Im Blog von 23andMe, der nur registrierten Kunden zur Verfügung steht, sei ein Beitrag eines verstörten Kunden zu lesen, den "Genetic Future" in Auszügen zitiert. Demnach habe der Kunde die DNA seines Sohnes testen lassen und erfahren, dass dieser einen Gendefekt habe, der zur sogenannten Hemochromatosis führt, einer Eisen-Stoffwechselstörung.
Das verwunderte den Kunden, schließlich leidet keines der Elternteile unter dieser Störung. Die Panik wurde aber besonders groß, als der Kunde feststellte, dass sein vermeintlicher Sohn genetisch nichts mit ihm oder mit seiner Mutter gemein hatte. Hatte man den Säugling im Krankenhaus möglicherweise vertauscht?
Obwohl 23andMe die notwendige Transparenz zeigte und für rasche Aufklärung sorgte, demonstriert dieser Vorfall die Fehlbarkeit solcher Gentests. Auch der Blog "The Great Beyond" der Fachzeitschrift "Nature" hatte den Fall aufgegriffen - und fordert einen strikteren Umgang mit DNA-Daten und zitiert die Geschäftsführerin der Non-Profit-Organisation Genetic Alliance, Sharon Terry: Sie glaube, dass es eine Reihe von Kontrollinstanzen geben müsse, um "das Chaos im System" zu verringern.
23andMe will nun die Analyseprozesse verbessern, um derartige Vorfälle in Zukunft zu verhindern.
cib
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