3500 Jahre alter Duft Forscher wollen Pharaonen-Parfum wiedererschaffen

Herrscher im alten Ägypten liebten wohlriechende Substanzen. Deutsche Forscher arbeiten nun daran, einem Flakon aus der Pharaonenzeit sein Geheimnis zu entlocken - und einen Duft wiederzubeleben, der schon untergegangen war.


Burschikoses Auftreten, angeklebter Kinnbart, zumindest in späten Jahren auch Übergewicht und Osteoporose - die ägyptische Pharaonin Hatschepsut war wohl keine besonders anmutige Schönheit. Nach ägyptischer Chronologie regierte sie zwischen 1479 bis 1458 vor Christus und ließ sich auf vielen Statuen als Mann abbilden. Ihr Regierungsstil war zupackend; sie ließ den berühmten Totentempel in Deir-el-Bahari bauen und unternahm mehrere Feldzüge und Expeditionen.

Eine der Reisen führte Hatschepsut in das benachbarte Goldland Punt, das heutige Eritrea, von wo sie große Mengen Weihrauch und Myrrhe importierte.

Bisher wusste die Wissenschaft naturgemäß so gut wie nichts über die längst verflogenen Düfte der Pharaonen. Die Frage, wie eine ägyptische Herrscherin wohl gerochen haben mag, war rein hypothetisch - Wissenschaftler aus Bonn behaupten nun allerdings, auf dem Weg zu einer Antwort zu sein.

Ausgangspunkt ist ein kleines Fläschchen. Es ist sehr gut erhalten und mit dem Namen der Pharaonin beschriftet, deren Mumie im Sommer 2007 identifiziert werden konnte. Nach Ansicht der Forscher stellt das unscheinbare Fundstück einen Flakon dar. "Der dünne Hals diente zum sparsamen Dosieren", sagt der Kurator des Ägyptischen Museums der Universität Bonn, Michael Höveler-Müller, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Das obere Drittel des Flaschenhalses ist mit einem Pfropfen aus Lehm verschlossen.

Bei einer Untersuchung des Gefäßes in einem Computertomografen (siehe Fotostrecke) fanden die Forscher Reste einer eingetrockneten Substanz. Daraus, so glauben sie, ließe sich der Duftstoff rekonstruieren. "Die Annahme ist sehr realistisch", sagt Höveler-Müller. Um die Aufgabe kümmern sollen sich Helmut Wiedenfeld vom Pharmazeutischen Institut der Universität und ein Doktorand.

"Man kann die Substanz sicher nicht mit heutigen Parfums vergleichen", sagt Wiedenfeld im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Harz- oder ölartig" sei das Duftmittel der Pharaonen wohl gewesen. Woraus es bestand, dass wollen die Wissenschaftler nun mit Hilfe der Kernspinresonanzspektroskopie und der Chromatografie klären. Fünf Gramm der Substanz brauchen die Chemiker für ihre Analysen. So viel, so glauben sie, sollte dem Flakon allemal zu entlocken sein.

Ein Jahr lang sollen die chemischen Analysen dauern. Bei ihnen wird es vor allem darum gehen, aus den Rückständen in der Flasche auf die leicht flüchtigen Duftstoffe zu schließen: Welche Verbindungen hinterlassen welche charakteristische Spuren? "Man kennt die Pflanzen der damaligen Zeit, und man kennt die Zersetzungsspektren ihrer Wirkstoffe", sagt Wiedenfeld.

Außerdem sei die Auswahl der möglichen Duftstoffe begrenzt: Weihrauch, der "Duft der Götter" dürfte eine wichtige Rolle im Parfum-Mix gespielt haben - außerdem Myrrhe und limonenartige Pflanzen der Region. "Ich glaube nicht, dass wir einen komplett neuen Duftstoff finden", sagt Wiedenfeld.

Ein entscheidendes Problem gebe es allerdings: Die Pflanzen in der früheren Heimat der Pharaonen hätten sich im Laufe der Jahrtausende verändert. Durch wechselnde Umweltbedingungen hätten sich dabei auch die Duftstoffe gewandelt. Deswegen könne man nie genau wissen, wie nah man dem Originalduft wirklich kommen könne, sagt Wiedenfeld. "Uns fehlt ja der Vergleich."

chs



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.