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3D-Modell der Antike: Rundflug durch das römische Köln

Vor 2000 Jahren war Köln eine prächtige Stadt: Mächtige Festungsmauern, großzügige Plätze und prunkvolle Tempel kündeten von der Macht der Römer am Rhein. Jetzt wurde das antike Köln in einer dreidimensionalen Computersimulation wieder aufgebaut.

"Zum ersten Mal ist jetzt sichtbar, was für eine großartige Stadt Köln schon in der Antike war", sagte Hansgerd Hellenkemper, Direktor des Römisch Germanischen Museums bei der Vorstellung des 3D-Modells der antiken Stadt. Drei Jahre lang hatten Wissenschaftler und Software-Experten an dem Projekt gearbeitet - nun können Nutzer der Visualisierung zumindest virtuell durchs Römische Köln flanieren, das einst Colonia Claudia Ara Agrippinensium hieß.

Erstmals erhalte man einen Eindruck von der Größe und monumentalen Architektur Colonias vor 2000 Jahren, teilten die Universität Köln, die Fachhochschule Köln und das Römisch-Germanische Museum der Stadt mit. Höhepunkte der Simulation sind die mächtige Stadtmauer, der Kapitolstempel, das Forum mit einer halbrunden Säulenhalle und der Statthalterpalast.

"Die geleistete Arbeit kann als Vorbild für andere Modelle dieser Art dienen", sagte Henner von Hesberg von der Universität Köln, der auch Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts Rom ist. Vom wissenschaftlichen Wert des Modells könnten Forscher anderer Städte wie Rom profitieren.

Insgesamt besteche die Anlage durch ihre geometrische Strenge und klare Gliederung, erklärten die Experten. Die auffallend großzügige Gestaltung sei ungewöhnlich für eine Stadt am Rande des römischen Imperiums. Federführend bei der technischen Umsetzung war der Computergrafikprofessor Jürgen Döllner vom Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam.

Was noch fehlt, ist eine Version des dreidimensionalen Stadtmodells im Internet. Hamburg oder Berlin existieren bereits als 3D-Version in Google Earth, wenn auch nicht als antike, sondern moderne Ausgabe. Surfer weltweit können sich so einen Eindruck vom Hamburger Rathausmarkt oder dem Potsdamer Platz in Berlin verschaffen - auch wenn die Performance längst nicht so ist, wie man sich das wünscht.

Wohl um solche Enttäuschungen zu vermeiden, verzichten die Macher der virtuellen Römerstadt ihrer der Webseite colonia3d.de auf eine Echtzeitumsetzung: Diese sei "im Internet leider nicht lauffähig", heißt es in dem Pressetext.

Virtuelle Modelle historischer Orte gibt es, seit entsprechende Software existiert. "Allerdings waren dies eher Animationen, die gerechnet wurden, nicht aber interaktiv begehbare großflächige Modelle", betont der Computergrafikexperte Döllner. Das römische Köln als virtuelles 3D-Modell sei deshalb bislang einzigartig. Im nächsten Schritt wollen die Projektbeteiligten dafür sorgen, dass das Stadtmodell von heute mit dem vor 2000 Jahren verglichen werden kann.

Völlig neuartig ist das virtuelle Colonia Claudia Ara Agrippinensium freilich nicht. So hatten Wissenschaftler der Universität Tübingen gemeinsam mit Experten der Firma Art+Com bereits 2003 ein 3D-Modell der Stadt Troja entwickelt. Und britische Archäologen nutzten die Spielesoftware eines Egoshooters, um das sogenannte Doggerland wieder auferstehen zu lassen, eine Landschaft zwischen England und Dänemark, die längst in der Nordsee versunken ist.

hda/dpa

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3D-Modell: Colonia Claudia Ara Agrippinensium

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