70 Jahre ohne Nahrung: Ärzte knöpfen sich angeblichen Wunder-Yogi vor

Ist er ein Wunder oder doch bloß ein Scharlatan? Der 83-jährige Yogi Prahlad Jani aus Indien behauptet, seit über 70 Jahren nichts mehr gegessen und getrunken zu haben - dank Meditation und göttlichem Segen. Indische Ärzte wollen den rätselhaften Yogi nun untersuchen. Es ist nicht das erste Mal.

Ahmedabad - Ein extrem asketisch lebender Hindu ist aufgrund seiner Fähigkeiten nun zum wiederholten Male Studienobjekt indischer Ärzte geworden. Der 83-jährige Yogi Prahlad Jani behauptet, seit mehr als 70 Jahren weder Nahrung noch Wasser zu sich genommen zu haben. Jetzt liegt Jani in einem Krankenhaus im westindischen Ahmedabad.

Der Yogi ist aber nicht etwa krank, er unterzieht sich dort lediglich einer Reihe von medizinischen Tests. Offenbar wollen Experten nun endlich die Wahrheit über das biologische Wunder ans Licht bringen. Dabei werde der Yogi rund um die Uhr beobachtet, sagte der Direktor des Defence Institute of Physiology & Allied Sciences des nationalen Verteidigungsinstituts, Govindasamy Ilavazhagan, am Mittwoch.

Zudem erhofften sich die Forscher von der Untersuchung des Asketen, Hilfe bei der Ausarbeitung von "Überlebensstrategien bei Naturkatastrophen, unter extremen Stressbedingungen oder bei Raumfahrtmissionen auf den Mond oder den Mars", sagte Ilavazhagan. Unter anderem planen die Mediziner, Janis Körper durch einen Scanner zu schieben, sein Gehirn und seine Herztätigkeit zu untersuchen und sein Blut zu testen. Der bärtige Hindu wurde den Angaben zufolge bereits vergangenen Donnerstag eingeliefert. Seitdem habe er keinen Tropfen Wasser getrunken, nichts gegessen und sei nicht zur Toilette gegangen, sagte Ilavazhagan.

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Angeblicher Wunder-Yogi: 70 Jahre Nulldiät?
Interessant sei unter anderem die Frage, woher Jani seine Energie gewinne. Der Yogi selbst habe angegeben, aus Meditation Kraft zu schöpfen. Zudem habe ihn eine Gottheit gesegnet, als er acht Jahre alt gewesen sei. Seitdem brauche er nichts mehr zu essen. Die Ergebnisse der umfangreichen Untersuchungen werden in zwei Monaten erwartet.

Bereits 2003 medizinisch untersucht

Bereits im Jahr 2003 sorgte der Yogi für Aufsehen und Berichte in der Presse. Damals schon verbrachte er zehn Tage lang in einem indischen Krankenhaus, unter ständiger Videobeobachtung nahm er weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich. Wie die BBC berichtete, durfte Jani lediglich 100 Milliliter Wasser zum Ausspülen seines Mundes benutzen, welches er anschließend wieder ausspuckte. Die Ärzte konnten anschließend keine Verschlechterung seines Zustands feststellen. Seine medizinischen Testergebnisse waren normal. Jani hatte jedoch damals während des Versuchs leicht an Gewicht verloren.

Damals hieß es, Jani ernähre sich seit seinem achten Lebensjahr von aus einem Loch im Gaumen strömender Flüssigkeit, die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme ersetze. Die Ärzte hätten den Austritt von Flüssigkeit aus einem Gaumenloch bestätigt, diese aber nicht analysieren können, hieß es. Die genauen Ergebnisse des Versuchs von 2003 wurden offenbar nicht bekannt, wie Esowatch berichtet. Die Vereinigung Indian Rationalist International bezeichnet Jani als "Dorfscharlatan".

Während normalgewichtige Menschen nach Expertenschätzungen im Extremfall bis zu rund 60 Tage ohne Nahrung überleben können - Flüssigkeitsaufnahme vorausgesetzt -, führt Flüssigkeitsentzug - abhängig von den Umweltbedingungen - schon nach wenigen Tagen zum Tod.

lub/AFP

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insgesamt 215 Beiträge
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1. Hier wird man verkohlt
sukowsky 28.04.2010
hier wird man verkohlt. Von nichts kommt nichts!
2. Kein Mensch kann von Luft und Liebe leben
A. Schmidt 28.04.2010
Wers glaubt.
3. Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde.....
haltetdendieb 28.04.2010
"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt" liebster sukowsky. Erst mal das Ergebnis abwarten und dann urteilen!
4. nee, noch müssen die Gesetze der Physik nicht neu geschrieben werden
black wolf 28.04.2010
Im im Artikel verlinkten Artikel der rationalist international wird schön geschildert, mit welchen von langer Hand vorbereiteten Tricks Eso-Betrüger arbeiten. Versteckte Toiletten, getarnte Löcher in Wänden um Nahrung zu erhalten, verborgene Rohrleitungen, unterirdische Räume. Solche Behauptungen kommen seit Jahrhunderten immer und immer wieder, aber erst in der jüngeren Neuzeit hat die Skepsis die intellektuelle, technische und moralisch-gesellschaftliche Grundlage, diese Betrüger zu entlarven. Dass dabei unweigerlich erfolgende Aufheulen der Gläubigen war früher Anlass zu Ketzerprozessen und Kriegen, heute sollte man dafür ein mildes Lächeln und an angemessener Stelle Betrugsstrafen übrig haben. Besonders amüsant finde ich Diejenigen, die überlegen kommentieren, "diese Scharlatane, aber meine Heiligen sind echt".
5. Hartz4-kompatibel
Meta 28.04.2010
Das wirft ja ein völlig neues Licht auf unsere Hartz4-Debatten. Hoffentlich werden die Regelsätze bald entsprechend angepaßt.
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