Aachener Dom Grab von Karl dem Großen bleibt verschollen

Ein Jahrhundert-Geheimnis bleibt bis auf Weiteres ungelöst: Archäologen haben drei Jahre lang im Aachener Dom nach dem Grab Karls des Großen gesucht - ohne Erfolg. Nun verfolgen die Ausgräber eine neue Spur.

DPA

Aachen - Es ist schon seltsam: Sogar Hunde bekommen manchmal Gedenksteine, wenn sie unter die Erde kommen. Nicht so Karl der Große, der im Jahr 747 oder 748 zur Welt kam und 814 starb. Er gilt als einer der bedeutendsten Herrscher des Abendlandes, sein Dom in Aachen als die Wiege Europas - und doch soll er nach seinem Tod einfach nur verscharrt worden sein?

Das kann man in seiner Heimatstadt Aachen nicht glauben. Drei Jahre lang haben Archäologen noch einmal im Aachener Dom gesucht. Doch jetzt haben sie aufgegeben: kein Grab, keine Sensation.

"Sicher ist Karl der Große in Aachen bestattet worden, und sicher im Bereich der Kirche", meint der Stadtarchäologe Andreas Schaub in Übereinstimmung mit vielen Experten in den Jahrhunderten vor ihm. Und immer wieder war diese eine Frage das große Faszinosum: Wo wurde Karl Stunden nach seinem Tod begraben? Das ist ein guter Stoff für Mythenbildung.

Georg Minkenberg, Leiter der Aachener Domschatzkammer, hält sich an die Fakten: Der Kaiser starb am Morgen des 28. Januar 814 und war schon am Abend bestattet. "Das ist außerordentlich merkwürdig", sagt er. Der Wunsch des karolingischen Herrschers sei es gewesen, nicht in Aachen, sondern in einem Vorort von Paris die letzte Ruhe zu finden.

Das aber passte seinen Zeitgenossen nicht. "Der Hof wollte ihn in Aachen bestatten", sagt Minkenberg. Möglicherweise hat man den Kaiser schnell und formlos unter die Erde gebracht, um Fakten zu schaffen. Vielleicht wurde das Grab auch aus Angst vor den Normannen unkenntlich gemacht, damit die Feinde es bei einem Überfall nicht verwüsten konnten.

Die Gebeine liegen im Karlsschrein

Die Totengräber gingen dabei so gründlich vor, dass schon Otto III. 200 Jahre später Probleme hatte, Karls Grab zu finden. Nur wenige Jahre später musste auch Kaiser Friedrich Barbarossa suchen, ehe er die Gebeine Karls des Großen in den Dom bringen konnte. Bis auf zwei Zähne liegen sie heute dort im kostbaren Karlsschrein.

Im extremsten Fall suchen die Archäologen nach einem damals ausgehobenen Loch. Und das wäre selbst mit den modernsten Techniken eine Herausforderung. "Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir es erkennen würden", sagt Schaub.

Es gibt acht Theorien, wo sich die Grabstätte des Herrschers befand. "Fünf haben wir mit der jüngsten Grabung definitiv ausgeschlossen", sagt Dombaumeister Helmut Maintz. Ein bisschen enttäuscht ist er schon. "Aber es gibt ja zum Glück noch ein paar Theorien. Deshalb bin ich nicht hoffnungslos."

Zuletzt hatte der Aachener Dombaumeister Leo Hugot in den achtziger Jahren sein Glück versucht. Seitdem hielten sich hartnäckig die Gerüchte, das ursprüngliche Grab habe in der Vorhalle des Doms gelegen. Auch diese Vorhalle nahmen die Archäologen noch einmal ins Visier. Doch die ältesten Funde dort stammen aus dem 13. Jahrhundert. 1910 hatten Archäologen schon einmal den ganzen Domboden umgegraben und gründlich dokumentiert. Bleibt noch der Domhof. Eine neue These - die untersucht werden soll.

Elke Silberer, dpa

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