Auszeichnung Abelpreis geht an kanadischen Mathematiker

Robert Langlands bekommt den renommierten Abelpreis aus Norwegen. Dem Kanadier war im Alter von 30 Jahren gelungen, was kaum jemand für möglich hielt: zwei entfernte mathematische Gebiete zu verknüpfen.

Mathematiker Robert Langlands
Institute for Advanced Study/ Dan Komoda

Mathematiker Robert Langlands

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Er hat die Zahlentheorie und die sogenannte harmonische Analyse miteinander verbunden - dafür bekommt der Mathematiker Robert Langlands den mit mehr als 600.000 Euro dotierten Abelpreis. Das von dem Kanadier entwickelte Programm sei "visionär", urteilte die norwegische Akademie der Wissenschaften. Seit dem Jahr 2003 vergibt die Akademie den Preis für außergewöhnliche Arbeiten auf dem Gebiet der Mathematik.

Der Abelpreis gilt als eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Auszeichnungen weltweit. Vergleichbar ist er am ehesten mit dem Nobelpreis, der in den Kategorien Physik, Chemie, Medizin, Wirtschaft und Literaturverliehen wird. Die ebenfalls sehr renommierte Fields-Medaille wird nur alle vier Jahre an Mathematiker verliehen, die im Jahr vor der Auszeichnung jünger als 40 waren. Bei Nobelpreisen und dem Abelpreis besteht eine solche Altersbeschränkung nicht.

Es begann mit einem Brief

Robert Langlands wurde 1936 in New Westminster nahe Vancouver in Kanada geboren. Seine akademische Laufbahn führte ihn schließlich an die Yale University und die Princeton University in den USA. Die Arbeiten, für die Langlands nun ausgezeichnet wird, reichen zurück bis in den Januar 1967. Damals schrieb er als 30-Jähriger einen 17-seitigen Brief mit seinen neuen Ideen an den französischen Top-Mathematiker André Weil, damals 60 Jahre alt.

"Wenn Sie das hier als reine Spekulation lesen würden, wäre ich sehr zufrieden", hieß es darin. "Falls nicht, bin ich mir sicher, dass Sie einen passenden Papierkorb haben."

Das Schreiben endete zum Glück nicht im Papierkorb. Der Brief begründete vielmehr eine neuartige Mathematik: Langlands postulierte darin enge Verbindungen zwischen zwei mathematischen Gebieten, die man damals kaum für möglich hielt: Auf der einen Seite steht die Zahlentheorie, die sich mit den ganzen Zahlen beschäftigt. Auf der anderen Seite die sogenannte harmonische Analyse, die man sich stark vereinfacht als Untersuchung periodischer Wellen vorstellen kann.

Nachruf auf iranisches Genie

Die Ideen Langlands seien so "radikal und reichhaltig" gewesen, dass sie ein eigenes Forschungsprogramm begründeten, das Langlands-Programm, schreibt die norwegische Akademie der Wissenschaften. Hunderte der weltbesten Mathematiker hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten damit befasst. "Kein anderes Projekt der modernen Mathematik ist so breit angelegt und hat so viele tiefgründige Ergebnisse hervorgebracht." Deshalb werde es inzwischen auch oft als "Große vereinheitlichte Theorie der Mathematik" bezeichnet.

Jahrhundertproblem gelöst

Ein Beispiel dafür, wie das Langlands-Programm die Zahlentheorie und die harmonische Analyse miteinander verbindet, sind die sogenannten elliptischen Kurven. Dahinter stehen Gleichungen wie beispielsweise y2 = x3 + ax + b, wobei die reellen Zahlen a und b noch zusätzliche Bedingungen erfüllen müssen.

Mithilfe elliptischer Kurven gelang dem Mathematiker Andrew Wiles in den Neunzigerjahren der Beweis des Großen Satzes von Fermat. Diesen hatte der französische Gelehrte Pierre de Fermat bereits im 17. Jahrhundert formuliert. Er besagt, dass die Gleichung

an + bn = cn

keine positiven ganzzahligen Lösungen a, b, c, n besitzt, sofern n größer als zwei ist. Viele Mathematiker vor Wiles hatten sich daran versucht, aber das Problem erwies sich als so verzwickt, dass sie sämtlich daran scheiterten.

Die Verleihung des Abelpreises findet am 22. Mai in Oslo statt. Langlands wird ihn aus den Händen des norwegischen Königs Harald V. entgegennehmen. Im Jahr 2017 war die Auszeichnung an den Franzosen Yves Meyer gegangen - für die Entwicklung der mathematischen Theorie sogenannter Wavelets. Frühere Preisträger waren unter anderem Andrew Wiles (2016), John Forbes Nash (2015) und Pierre Deligne (2013).

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