Abgelehnte Millionenprämie: Ausnahme-Mathematiker erklärt sein "Njet!"

Eine Million Dollar? Nein Danke! Der Mathematiker Grigorij Perelman hat erstmals erklärt, warum er das Preisgeld einer US-Mathematikstiftung nicht annehmen möchte. Der Russe glaubt, dass es bei der Ehrung für die Lösung der Poincaré-Vermutung ungerecht zugegangen ist.

Grigorij Perelman (Archivbild): Der Forscher hält die Clay-Entscheidung für "ungerecht"Zur Großansicht
dpa

Grigorij Perelman (Archivbild): Der Forscher hält die Clay-Entscheidung für "ungerecht"

Moskau - Grigorij Perelman gilt als Jahrhundert-Genie. Und wenn er nur gewollt hätte, dann hätte der russische Mathematiker für seine Arbeit nicht weniger als eine Million Dollar erhalten. Weil er eines der größten Mathe-Rätsel der Menschheit, die sogenannte Poincaré-Vermutung (siehe Kasten links) gelöst hat, sollte Perelman das Geld vom Clay Mathematics Institute bekommen. Doch der Forscher lehnte ab. Nun hat er erklärt, warum.

Er habe lange das Für und Wider der Auszeichnung abgewogen, sagte Perelman nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax. "Der Hauptgrund ist, kurz gesagt, meine Unzufriedenheit mit der Organisation der mathematischen Gesellschaft. Mir gefallen deren Entscheidungen nicht, ich halte sie für ungerecht", erklärte der 44-Jährige. So sei der Beitrag des US-Amerikaners Richard Hamilton zur Klärung der Poincaré-Vermutung "um kein bisschen geringer als meiner".

Das Clay Institute erklärte, es wolle bis zum Herbst darüber entscheiden, wie das ausgeschlagene Geld am besten der Entwicklung der Mathematik zugute kommen könne.

Veröffentlichung im Internet

Perelman, der in St. Petersburg lebt, hatte seinen Lösungsansatz nicht in einer Fachzeitung, sondern im Internet publiziert. Im November 2002 erschien der erste Artikel auf arxiv.org, einem Portal, das Wissenschaftler nutzen, um ihre Arbeiten schon vor dem Erscheinen in Fachmagazinen publik zu machen. Im März und Juli 2003 folgten zwei weitere Veröffentlichungen.

Mittlerweile hat Perelman seine Karriere aufgegeben. Nach Medienberichten lebt er allein mit seiner Mutter am Rande von St. Petersburg. Schon seit Jahren will der Mann mit den zotteligen Haaren und dem Rauschebart von Ruhm, Ehre und Geld nichts wissen. Im Jahr 2006 sollte Perelman in Spanien mit der Fields-Medaille ausgezeichnet werden, einer Art Nobelpreis für Mathematik. Doch auch diese Auszeichnung lehnte er ab.

Sein Beweis der Poincaré-Vermutung, sagen Mathematiker, sei im Moment kaum auf praktische Anwendungen zu beziehen. Bei dem mathematischen Problem geht es um die Eigenschaften dreidimensionaler Räume. Stark vereinfacht gesagt lautet Poincarés These, alle dreidimensionalen Körper, die kein Loch haben, unterscheiden sich nicht grundsätzlich von einer Kugel - sie lassen sich also stets irgendwie zu einer Kugel umformen, ohne sie auseinanderzureißen.

Für die zweidimensionalen Oberflächen einer Kugel, eines Würfels und anderer geschlossener Körper war dies längst bewiesen. Perelman hat als erster gezeigt, dass dies auch für hypothetische dreidimensionale Flächen in einem vierdimensionalen Raum gilt. Er erklärt damit etwas, woran sich Generationen von Mathematikern die Zähne ausgebissen haben - und Laien kaum verstehen dürften.

chs/dpa

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  • Donnerstag, 01.07.2010 – 16:42 Uhr
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Die Poincaré-Vermutung
Der Mathematiker Henri Poincaré stellte 1904 die These auf, dass sich jede einfach zusammenhängende Oberfläche in eine Kugel verwandeln lässt - durch Verzerren, Zusammendrücken, jedoch ohne die Fläche zu zerreißen oder mit Löchern zu versehen. Als einfach zusammenhängend gilt dabei eine Fläche, wenn sich jedes um die Oberfläche gespannte Gummiband auf einen Punkt zusammenziehen lässt. Ein Torus, ein Donut-förmiges Gebilde also, stellt beispielsweise keine solche einfach zusammenhängende Fläche dar, weil er ein Loch in seiner Mitte hat und das Gummiband nicht darüber gezogen werden kann.

Poincaré wusste, dass seine Aussage für zwei Dimensionen richtig ist. Aber auch bei drei Dimensionen? Kurioserweise konnten Mathematiker die Poincaré-Vermutung für Dimensionen ab vier leichter beweisen als für die dritte Dimension. Es blieb dem Russen Gregori Perelman vorbehalten, den Beweis dafür zu führen.


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