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Immunsystem: Botenstoffe machen Fettspeicher zu Kalorienfressern

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Corbis

Abnehmen: Weißes Fettgewebe macht dick

Nicht nur das Gehirn und Hormone steuern unseren Energiestoffwechsel. Wie zwei Forschergruppen nun berichten, spielt auch das Immunsystem eine wichtige Rolle. Es aktiviert wichtige Botenstoffe - im Tierversuch purzelten so die Fettdepots übergewichtiger Mäuse.

Boston/San Francisco - Das Immunsystem beeinflusst mit, welche Fettdepots ein Körper anlegt. Botenstoffe des Systems stimulieren bei Mäusen den Umbau von weißem zu beigem Fett, berichten zwei Forschergruppen im Fachmagazin "Cell". Zuvor habe als Dogma gegolten, dass Ernährung und Energiestoffwechsel hauptsächlich vom Gehirn und endokrinen System gesteuert werden. Weißes Fettgewebe macht dick, weil darin Energie gespeichert wird. In braunem und beigem Fett hingegen werden Kalorien verbrannt.

Babys haben große Mengen braunen Fettgewebes, das sie vor Kälte schützt: Die Zellen verbrennen Kalorien, Energie in Form von Wärme wird frei. Die Hüftpolster und Bierbäuche Erwachsener hingegen bestehen aus weißem Fett, das überschüssige Energie speichert. Vor einigen Jahren entdeckten Forscher einen dritten Typ: das beige Fettgewebe. Es entwickelt sich aus weißem Fett, verbrennt aber wie braune Fettzellen Kalorien.

Das Immunsystem aktiviert bei Kälte braunes Fettgewebe

Für die Medizin ist es hochinteressant, dass ungeliebte Energiedepots des Körpers in kalorienfressende Heizkraftwerke umgewandelt werden können: In der Folge purzeln die Pfunde. Studien zeigten, dass dies zum Beispiel bei Menschen geschieht, die in 16 bis 17 Grad kühlen Räumen lebten, statt die Heizung auf Wohlfühl-Temperatur zu stellen.

Eine Gruppe um Bruce Spiegelman vom Dana-Farber-Krebsinstitut und der Harvard Medical School in Boston untersuchte nun die Rolle des kürzlich entdeckten Proteins PGC-1alpha4, das beim Muskelwachstum bedeutsam ist. Das Protein stimuliere die Freisetzung eines neu identifizierten Hormons, des Metrnl, schreiben die Forscher. In Muskeln werde es nach körperlicher Anstrengung, in Fettgewebe in kalter Umgebung gebildet.

Metrnl sorge dafür, dass weißes Fett in beiges Fett umgewandelt wird. Damit steige der Energieverbrauch - im Tierversuch schrumpften die Fettdepots übergewichtiger Mäuse. Die Wirkung des Hormons gehe auf Bestandteile des Immunsystems zurück: Es aktiviere die Botenstoffe Interleukin-4 und -13 sowie sogenannte Makrophagen - Fresszellen - im Fettgewebe.

Forscher um Ajay Chawla von der University of California in San Francisco folgten Hinweisen darauf, dass das Immunsystem auf Kälte mit einer Aktivierung des braunen Fettgewebes reagiert. Auch ihre Analyse zeigte die Bedeutung von Interleukin-4 und -13 für diesen Prozess. Mäuse mit gestörten Signalwegen des Immunsystems produzieren demnach weniger beiges Fett, setzen weniger Energie um und können ihre Körpertemperatur schlechter an Kälte anpassen. Wird ihnen Interleukin-4 verabreicht, verringern sich diese Effekte.

Schaltstellen im Immunsystem aktivieren

Die Forscher hoffen, die Umwandlung weißen Fetts zu beigem künftig über Schaltstellen im Immunsystem auch beim Menschen gezielt und ohne Kälteeinfluss in Gang setzen zu können. Das wäre ein neuer Ansatzpunkt gegen Übergewicht und damit verbundene Folgeleiden wie Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Arteriosklerose. Studien weisen darauf hin, dass Übergewichtige kaum braunes Fettgewebe besitzen.

"Wenn man den Energieverbrauch um einige Prozent steigern könnte, würde das über einen Zeitraum von ein oder zwei Jahren schon einen großen Unterschied machen", wird Chawla in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Ein Pluspunkt sei dabei, dass sich das Immunsystem wahrscheinlich leichter manipulieren lasse als das Nervensystem.

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nik/dpa

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Ja, mehrere.
Leeuw 09.06.2014
Interessant. Allerdings induzieren IL-4 und -13 eine Immunreaktion vom Typ Th2 und IgE Antikörper, z.B. Beim allergischen Asthma.
2. aktueller selbstversuch
ijf 09.06.2014
Ich bin auch gerade mal wieder dabei, den in den letzten jahren angefressenen frustpanzer abzubauen. Meine methode ganz simpel - wenigerkalorien zufuehren als verbrauchen, mein "sportstudio": ein verwilderter garten... Die methode bringt pro woche ein halbes bis ein kilo weniger auf der waage bei stetig besser werdender kondition...Richtig "toll" funktionierte die methode in der kalten maiwoche (eisheilige): mein "sportprogramm" - buddelln, straeucher roden, rindenmulch schleppen und verteilen, etc - einfach warm angezogen weitergetrieben.... Brachte glatt 2 kilo, also mehr als doppelt so viel wie sonst weniger auf der waage. Habe es mir auch schon vor diesem artikel mit der "kaelte" erklaert: der koerper musste nicht nur die uebliche arbeitsenergiemenge aufbringen, sondern auch noch die heizung hochdrehen - das verbrennt zusaetzlich... Was auch funktioniert, auch ohne niedrige temperaturen: bei staerkerem wind arbeiten oder sich sonstwie draussen bewegen...
3. nachsatz
ijf 09.06.2014
Habe anfang april angefangen und bis stand heute 13 kg frustfett verloren ;)
4. Klassische Symptombehandlung
TICKundTOOF 09.06.2014
Anstatt den Menschen beizubringen wie man richtig isst wird hier wieder das Symptom behandelt, also das Fett schneller abgebaut. Behält man aber die schlechte Ernährung bei, dann grüßt Diabetes Typ 2 & Co auch wenn man nicht mehr fetter wird. Und man braucht natürlich nicht einfach mehr Bewegung um abzunehmen,... Das Immunsystem reduziert sich doch nicht auf Interleukin und Makrophagen, das fängt nämlich schon im Hals an mit den Mandeln. Kommt hier was falsches rein geht es normal direkt wieder rückwärts raus. Die Milliarden Bakterien im Verdauungstrakt sollte man auch nicht ganz vergessen - liegt hier doch der Hund begraben warum manche Menschen (bzw. deren Darmbakterien) dazu neigen, die Nahrung in Fett zu speichern.
5. Seit ich mehr Sport treibe, esse ich auch mehr ...
penie 09.06.2014
... und genau so wird es mit der Umwandlung von weißem in beiges Fettgewebe laufen. Höherer Energieumsatz -> mehr Hunger.
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