Nach der ersten Besiedlung Australiens hing das Schicksal der Urbevölkerung stark vom Klima des Kontinents ab. Widrige Witterung drohte die Australier sogar auszurotten. Eine Studie deutet darauf hin, dass die Population der Aborigines während der Kältephase vor etwa 20.000 Jahren massiv schrumpfte. Mit wärmeren Temperaturen wuchs die Bevölkerung später deutlich an, wie Alan Williams von der Australian National University in Canberra in den "Proceedings of the Royal Society B" berichtet. Demnach schwankte die Bevölkerungszahl stärker als bislang vermutet.
Erst vor wenigen Tagen hatten Forscher die jüngere Klimageschichte fast aller Weltregionen enthüllt. Die Daten erlaubten Einsichten in die Ursachen des Niedergangs von Hochkulturen wie der Römer, Maya oder Inka. Für die Studie in Australien rekonstruierten Experten die Bevölkerungsentwicklung auf Basis von knapp 4600 Funden aus dem ganzen Land, deren Alter bestimmt werden konnte.
Die Studie zeigt, dass Australien vor rund 50.000 Jahren besiedelt wurde, von etwa 1000 bis 3000 Menschen. Frühere Studien hatten bereits belegt, dass mindestens 1000 Ankömmlinge erforderlich waren, um die spätere genetische Vielfalt zu erklären.
Höhepunkt der Eiszeit
Bis vor etwa 20.000 Jahren blieb die Zahl der Bevölkerung trotz steten Anstiegs gering. Vermutlich lebten damals auf dem gesamten Kontinent weniger als 20.000 Menschen, wobei die Bewohner den Osten bevorzugten.
Vor etwa 18.000 Jahren passierte es: Die Bevölkerungszahl fiel über einen längeren Zeitraum drastisch um 61 Prozent, demnach lebten eine Zeit lang nicht mal mehr 10.000 Australier. Dies führt Williams auf den damals herrschenden Höhepunkt der Eiszeit zurück, der Jahrtausende andauerte. Der Klimaschock drohte die Ureinwohner auszurotten.
Erst mit der Erwärmung des Klimas vor etwa 12.000 Jahren, dem Beginn des Holozäns, erholte sich die Bevölkerung flächendeckend. Ein Kälterückfall könnte die Menschen auf der anderen Seite der Erde später zur Entwicklung der ersten Hochkulturen gezwungen haben.
In Australien aber begann vor etwa 4000 Jahren ein deutliches Bevölkerungswachstum. Es erreichte offenbar im späten Mittelalter seinen Höhepunkt. Damals lebten auf dem Kontinent schätzungsweise rund 800.000 bis 1,1 Millionen Menschen. Zur gleichen Zeit dezimierte in Europa die Kleine Eiszeit die Einwohnerzahlen. In Australien aber verlief das Klima im Mittelalter deutlich gleichmäßiger.
Allerdings fiel die Bevölkerungszahl der Aborigines bald durch die Pocken um bis zu 80 Prozent. Laut Williams ist unklar, ob die Krankheit durch die Europäer oder schon früher eingeschleppt wurde.
boj/dpa
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