Absolutes Gehör Das Gis ist der schwierigste Ton

Vom absoluten Gehör spricht man bei Menschen, die einen Ton ohne Hilfsmittel ganz genau bestimmen können. Doch ganz perfekt können auch sie nicht hören. Auch das absolute Gehör lässt mit dem Alter nach - und am schwierigsten zu identifizieren ist ein G mit einem Kreuz.


Ein Normalhörender ist meist schon froh, wenn er im Laden das im Radio gehörte Lied so summen kann, dass der Plattenverkäufer es wiedererkennt. Es gibt jedoch Menschen, die Töne so gut erkennen, wie andere Leute Automarken. Sie können die Höhe eines Tones genau identifizieren, ohne dafür zum Vergleich einen Eichton von einer Stimmgabel hören zu müssen.

Gehör: Nichts ist so schwer zu erkennen wie das Gis
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Gehör: Nichts ist so schwer zu erkennen wie das Gis

Aber auch diese Menschen hören nicht ganz perfekt. Zum einen nimmt mit dem Alter ihre Fähigkeit ab, Töne richtig zu identifizieren - und zum anderen bestimmen sie am häufigsten den Ton Gis falsch. Dies berichten Alexandra Athos und ihre Kollegen von der University of California im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Online-Vorabveröffentlichung).

Für ihre Studie untersuchten die amerikanischen Forscher das Hörvermögen von 981 Menschen mit absolutem Gehör. Sie spielten ihnen 36 Töne vor und stellten dabei fest, dass die Probanden je häufiger einen Ton falsch zuordneten, desto älter sie waren. Dabei tendierten sie dazu, den Ton eher zu hoch als zu niedrig einzustufen. Athos und ihre Kollegen machen dafür Veränderungen in einem bestimmten Teil des Innenohrs, der Hörschnecke, verantwortlich. Die Forscher vermuten, dass diese Innenohrveränderung bei fast jedem Menschen vorkommt, aber nur von Menschen bemerkt wird, die absolut hören können.

Probleme mit dem Gis

Das Gis konnten nur 52 Prozent der absolut Hörenden richtig erkennen. 26 Prozent bezeichnete es fälschlicherweise als das einen Halbton höhere A. Die Forscher machen dafür die besondere Präsenz des Tones A in der westlich geprägten Musik verantwortlich. So seien Konzertgänger daran gewöhnt, dass Musiker ihre Instrumente immer nach dem Ton A stimmen. Die Frequenz des A variiert jedoch von Orchester zu Orchester und reicht von 415 Hertz bei alter Musik bis hin zu 446 Hertz bei den Berliner Philharmonikern.

Da das Gis eine Frequenz von 415 Hertz hat, fällt es in das breite Frequenzspektrum des A und werde daher häufig falsch interpretiert. "Menschen mit absolutem Gehör haben gelernt, diesen breiten Frequenzbereich als A zu akzeptieren", schreiben die Forscher. Um ihre Theorie zu überprüfen, wollen die Wissenschaftler nun Menschen untersuchen, die aus einer anderen Musikkultur als der westlichen stammen.

Ein absolutes Gehör lässt sich leider nicht erlernen. Es sei zwar hilfreich, sich früh mit Musik zu beschäftigen, so die Forscher, dies reiche jedoch nicht aus. Vielmehr müsse es ein oder mehrere Gene geben, die für diese besondere Fähigkeit verantwortlich sind.

khü/ddp



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