Action und Romantik Warum Männer Männerfilme lieben

Was jeder Kinofan schon immer ahnte, haben Psychologen nun wissenschaftlich bewiesen: Wird auf der Leinwand geballert und gestorben, schießen männliche Hormone in die Blutbahn. Ein Liebesfilm dagegen bringt selbst den härtesten Kerl in Schmuselaune.


Arnold Schwarzenegger als "Terminator": Tod und Zerstörung bringen Testosteron in Schwung
Columbia TriStar

Arnold Schwarzenegger als "Terminator": Tod und Zerstörung bringen Testosteron in Schwung

Über die Filmauswahl lässt sich möglicherweise streiten, über das Ergebnis wohl kaum. Drei Gruppen von Testpersonen bekamen jeweils 30 Minuten des Schmachtstreifens "Die Brücken am Fluss", des Mafiadramas "Der Pate II" und eines Dokumentarfilm über den Regenwald am Amazonas zu sehen.

Die Dokumentarfilm-Gruppe hatte eine recht langweilige halbe Stunde: Die Hormonspiegel waren vor und nach der Vorstellung fast völlig identisch. Dafür ging es in den Körpern der anderen Zuschauer ordentlich zur Sache, wie das Forscherteam um Oliver Schultheiss von der University of Michigan in Ann Arbour herausfand. Während des Liebesfilms stieg sowohl bei Frauen als auch bei Männern die Menge des weiblichen Hormons Progesteron deutlich an. Gleichzeitig nahm bei den Probanden das Bedürfnis nach Anlehnung und Zärtlichkeit zu. Bei den Männern sank außerdem der Testosteronspiegel und damit ihre Bereitschaft zu aggressivem Verhalten.

Auf den Actionfilm reagierten Männer und Frauen völlig unterschiedlich, wie die Forscher in einer kommenden Ausgabe der Fachzeitschrift "Hormones and Behavior" schreiben. Selbst bei Männern, deren Testosteronspiegel schon vor dem Film relativ hoch gewesen war, stieg die Menge des Hormons im Blut noch einmal um bis zu 30 Prozent an. Diese Probanden fühlten sich in ihrem dominanten Verhalten bestätigt, während gleichzeitig ihr Bedürfnis nach Zärtlichkeit sank. Bei Frauen sanken die Testosteronwerte dagegen während der Filmsequenz ab. Probanden, deren Naturell eher zurückhaltend war, fühlten sich nach der Sequenz insgesamt unbehaglich.

Demnach bestimmten nicht nur der Verstand, sondern auch die Hormone, warum Menschen unterschiedliche Arten von Filmen bevorzugten, kommentiert Studienleiter Schultheiss: "Menschen mit einem starken Anlehnungsbedürfnis mögen romantische Filme. Sehr energische Menschen bevorzugen dagegen Filme mit mehr Action und Gewalt."



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