Ägypten 3200 Jahre alter Streichkäse entdeckt

Archäologen sind in einem ägyptischen Grab auf einen der ältesten Käsereste der Welt gestoßen. Am ehesten vergleichbar ist das Milchprodukt demnach mit einem streichzarten Ziegenkäse - es schmeckt nur viel saurer.

Krug mit Käse
University of Catania and Cairo University

Krug mit Käse


Der Hohepriester Ptahmes war offenbar ein Käseliebhaber. Dafür spricht zumindest ein sensationeller Fund aus seinem Grab in der ägyptischen Totenstadt Sakkara nahe Kairo. Archäologen hatten dort bereits vor vier Jahren große Krüge entdeckt, die mit einer mysteriösen weißen Substanz gefüllt waren. Nun zeigte eine Proteinanalyse: Es handelt sich um die Überreste eines etwa 3200 Jahre alten Käses, wie Forscher im Fachblatt "Analytical Chemistry" berichten.

Der Fund sei vermutlich "der älteste archäologische feste Rückstand an Käse, der jemals gefunden wurde", schreiben die Forscher um Enrico Greco von der italienischen Universität von Catania. Zwar waren in China bereits Bröckchen eines 4000 Jahre alten Käses aufgetaucht, doch dieser war einst wohl deutlich dünnflüssiger und erinnerte eher an Kefir.

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Pthames diente im 13. Jahrhundert vor Christus unter den Pharaonen Seti I. und dem berühmten Ramses II. - zeitweise war er sogar das Oberhaupt von Memphis. Sein Grab war bereits 1885 von Grabräubern geplündert worden, Archäologen entdeckten es jedoch im Jahr 2010 erneut. Damals lag es unter Tonnen von Sand begraben. Viel Wertvolles hatten die Grabräuber nicht zurückgelassen - außer den Krügen voll Käse.

Der Uralt-Streichkäse aus Ägypten besteht laut den Forschern aus einem Gemisch aus Kuhmilch und der Milch eines Schafes oder einer Ziege. Eindeutig lasse sich das durch die Proteinanalyse nicht bestimmen. Am ehesten sei der Käse aus dem Reich der Pharaonen mit einem heutigen Weich-Ziegenkäse zu vergleichen - allerdings habe er "viel, viel saurer geschmeckt", sagte der Chemiker Paul Kindstedt der "New York Times".

Bakterien im Käse

Nur mithilfe von modernen chemischen Analyseverfahren konnten die Forscher das weißliche Gemisch eindeutig als Käse identifizieren. Er enthielt demnach viel Wasser und sei besonders streichzart gewesen.

Vom Verzehr raten die Chemiker jedoch ab. Der Streichkäse dürfte leicht verderblich gewesen sein. Sein Haltbarkeitsdatum ist deshalb wohl bereits seit 3200 Jahren überschritten. Außerdem entdeckten die Forscher in dem Gemisch gefährliche Bakterien, die Brucellose übertragen können - eine Infektionskrankheit, die Fieber sowie Kopf- und Muskelschmerzen verursacht.

koe



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