3700 Jahre alt Archäologen entdecken Skelett einer Schwangeren - samt Fötus

Archäologen haben in Ägypten die Überreste einer Schwangeren entdeckt, das Skelett des ungeborenen Kindes trug sie noch in sich. Gestorben ist die Frau wohl bei Einsetzen der Geburt.

Aswan-Kom Ombo Archaeological Project/ Gerda Henkel Foundation/ Egyptian Ministry of Antiquities

Im Süden von Ägypten liegt am östlichen Ufer des Nils die Fundstätte Kom Ombo. Der Ort unweit von Assuan ist eigentlich für seine Funde aus der Zeit der Ptolemäer bekannt - jener makedonisch-griechischen Dynastie, die nach der Eroberung durch Alexander dem Großen 332 vor Christus in Ägypten das Sagen hatte.

Doch die Region bietet auch deutlich ältere Fundorte: Forscher der Yale University und der Universität Bologna suchen dort schon länger nach Spuren, die Aufschlüsse über das Zusammenleben der alten Ägypter und ihrer südlichen Nachbarn, den Nubiern bieten. Für die Pharaonen war die Region im Süden des Reiches für die Lieferung von Gold oder Elfenbein wichtig.

Dabei machten die Archäologen nun einen bemerkenswerten Fund. Auf einem kleinen Friedhof, der einst von Nomaden genutzt wurde, fanden sie die Hockerbestattung einer Frau. Die Tote war mit angewinkelten Armen und Beinen in Lederfragmente gehüllt. Sie wurde zusammen mit zwei einfachen Keramiktöpfen bestattet, einer davon im typisch nubischen Stil.

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Nach den Angaben der ägyptischen Altertümerverwaltung sei die Frau etwa 25 Jahre alt gewesen. Und offenbar lag sie in den Wehen, als sie starb. Denn im Beckenbereich der Toten fanden die Forscher ein weiteres Skelett - es gehört zu dem ungeborenen Baby der Frau. Das Kind hat sich bereits im Bauch der Mutter mit dem Kopf nach unten gedreht und könnte bereits in den Geburtskanal gerutscht sein. Der Fund lege nahe, dass die Frau bei der Geburt gestorben sein könnte, schreiben die Forscher.

Zudem entdeckten die Archäologen weitere Anzeichen für diese Vermutung: Denn eine erste Analyse des Skeletts ergab eine Fehlstellung des Beckens bei der werdenden Mutter. Höchstwahrscheinlich ist der Defekt das Ergebnis einer Fraktur, die zu Lebzeiten nicht richtig abgeheilt war. Es sei möglich, dass diese Anomalie während der Geburt zum Tod geführt haben könnte, berichtet die ägyptische Zeitung "Al Ahram". Zumindest seine Komplikationen zu befürchten gewesen. Allerdings müssten weitere Untersuchungen diese These erst noch erhärten.

Ganz aufklären können werden die Archäologen den Fall aber wohl nicht. Über die Todesursache von Mutter und Kind können die Experten nach der langen Zeit keine genauen Angaben mehr machen. Die beiden starben vermutlich vor etwa 3700 Jahren, ergaben Datierungen.

In dem Grab befanden sich noch weitere Beigaben. Die Archäologen entdeckten Teile von Straußeneierschalen. Sie waren so bearbeitet, wie es für die Produktion von Perlen typisch war. Möglicherweise war die Frau eine Perlenmacherin, der ihre Angehörigen ihr Handwerkszeug mit auf den Weg ins Jenseits gegeben haben.

Solche Funde wie der in Kom Ombo sind in der Archäologie sehr selten, obwohl die Sterblichkeit bei Geburten damals hoch gewesen sein dürfte. Nur einige wenige Fälle sind bekannt, bei denen Spuren einer Schwangeren und ihres Fötus nachgewiesen werden konnten. Einen solchen Fund machten Forscher etwa im antiken Pompeji. Dort wurden die Reste einer jungen, hochschwangeren Frau in der Villa des Polybius gefunden. Sie starb beim Ausbruch des Vesuv im Jahre 79 nach Christus.

joe



insgesamt 8 Beiträge
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neue Legislaturperiode 20.11.2018
1. Verbundenheit
Diese Skelette in der kleinen Grabkammer berühren auf eine Weise, die bis in die Gegenwart, über alle Jahre hinweg, menschlich verbindend wirkt.
Pixopax 20.11.2018
2. Was ist eigentlich mit Pietät und Totenruhe?
Warum graben sie eigentlich einfach so die Gräber auf und räumen sie aus? Ab wann ist ein Grab denn vogelfrei und zur Plünderung freigegeben? Nach 100 Jahren? 1000?
Rao 20.11.2018
3. Antike Gräber
sind quasi vogelfrei, wenn der jeweilige Staat sie nicht besonders schützt oder schützen kann, und Grabräuberei hat gerade in Ägypten eine sehr lange Tradition. Selbst wenn es nur um ein paar antike Scherben geht, die gewinnbringend an irgendwelche Touristen verhökert werden können, aber der Fundzusammenhang ist damit zerstört, und für die heutige Archäologie ist das Wissen um das Alltagsleben der Menschen früher, was sie aßen, an welchen Krankheiten sie litten, wann und wie sie starben, deutlich wertvoller als Goldschmuck oder Reichtümer, vor allem wenn es sich mit historisch aufgezeichneten Ereignissen oder auch dem Leben der (armen) Ägypter von heute vergleichen läßt, und das einzige Mittel dazu sind die menschlichen Überreste. So böse das klingen mag, in einem Museumsarchiv sind die antiken Toten heutzutage beinahe besser und sicherer aufgehoben als in ihren eigenen Gräbern, die jederzeit bei einem Hausbau, einem Straßenbau oder durch Grabräuber zerstört werden können. Bei manchem Toten, der heute unter Glas zur Besichtigung im Museum liegt, denke ich mir, der hat sich zu Lebzeiten garantiert nicht vorstellen können, daß er mal in einem gläsernen Sarg wie ein König und sorgfältig bewacht und kontrolliert liegen wird, mit zahlreichen Bewunderern jeden Tag um sich herum.
Rao 20.11.2018
4. P.s.
heutige Gräber werden oft schon nach einer Liegezeit von 10 Jahren aufgegeben, wenn die Angehörigen für mehr nicht zahlen wollen (Friedhofsgebühr), also wenn man gerade erst davon ausgehen kann, daß das Fleisch so weit verwest ist. Was man mit den übriggebliebenen Knochen macht hängt vom jeweiligen Friedhof ab, früher gab es eigene "Beinhäuser", in denen die Knochen platzsparend gesammelt wurden (manche kann man sogar besichtigen, mit Ornamenten aus künstlerisch montierten und mit Malereien verzierten Knochen), heute werden sie wohl meistens einfach zerkleinert und wieder in die Erde gegeben, damit der enthaltene Kalk den Friedhofspflanzen als Dünger dienen kann.
neue Legislaturperiode 20.11.2018
5. Was ist eigentlich mit Pietät und Totenruhe?
Ja, ich habe auch Bedauern beim Anblick des Fotos empfunden. Als ob ich etwas sähe, was ich nicht sehen dürfte und damit ein Schutz, vielleicht ein Totem außer Kraft gesetzt und die Ruhe gestört wird.
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