Ägypten Archäologen entdecken Hafen in der Wüste

Überraschender Fund nahe Gizeh: In Dahschur haben Forscher die Überreste einer Hafenanlage gefunden. Die Gegend um die berühmte Knickpyramide war offenbar über einen Kanal mit dem Nil verbunden.

Knickpyramide des Pharao Snofru: Tempel in Dahschur
DPA

Knickpyramide des Pharao Snofru: Tempel in Dahschur


Bei einer Grabungskampagne des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) wurden offenbar die Überreste eines Hafens gefunden - fernab vom Wasser. In Dahschur, etwa 25 Kilometer südlich von Gizeh, entdeckten die Forscher um Nicole Alexanian eine etwa 90 mal 140 Meter große Einfassung, die an eine Hafenanlage erinnert.

Warum liegt ein Hafen mitten in der Wüste? "Der Nil lag damals viel weiter im Westen als heute", sagt Alexanian. Deshalb sei es denkbar, dass man das Nilwasser über einen Kanal bis zu diesem Ort unterhalb der Pyramide geleitet habe. "Der Boden der Hafenanlage hat ein Niveau, das in der Zeit der Pyramiden durch die Überschwemmung erreicht worden sein könnte," meint die Forscherin. Unter diesen Umständen hätte man den toten König per Schiff zur Beisetzung bringen können.

Das Forscherteam fand in Dahschur zudem einen überdachten Aufweg, die Verbindung zwischen einem Taltempel und einer Pyramide. Er führte vom Tempel der sogenannten Knickpyramide, die in der Zeit von Pharao Snofru zwischen 2670 bis 2620 vor Christus errichtet worden war, hinunter in Richtung Nil. Das gewölbte Dach des Weges, von dem noch Überreste zu erkennen sind, war nach Einschätzung der Grabungsleiterin erst in der 6. Dynastie um 2300 vor Christus hinzugekommen. "Die Umfassungsmauern des Weges sind älter als das Dach, das man wohl später gebaut hatte, um die Anlage gemäß dem Geschmack der neuen Zeit zu modernisieren", sagt Alexanian.

Abriss ohne Respekt vor alten Bauten

Das Archäologenteam, das eigentlich auf der Suche nach einem zweiten Tempel zu Füßen der Knickpyramide war, grub außerdem eine Rampe aus, die im Neuen Reich errichtet worden war, um große Steinquader aus dem Pyramidentempel abzutransportieren. Ohne jeden Respekt vor den Bauwerken ihrer Vorfahren hatten die Ägypter etwa 1300 vor Christus den Tempel abgerissen, um die Steine für neue Bauwerke zu verwenden.

Diese Rampe konstruierten sie aus zerschlagenen Bauteilen und Relieffragmenten aus Kalkstein, die ebenfalls aus dem Tempel stammten. Anschließend zogen sie die großen Steinquader, die zum Teil mit Reliefs geschmückt waren, von der Wüste hinab in Richtung Nil. Vermutlich benutzten sie Ochsenschlitten, um die schweren Steine zu bewegen.

Den Taltempel - den man dort vermutet hatte, wo einst die Grenze zwischen der Wüste und dem fruchtbaren Land lag - haben die Archäologen aber immer noch nicht gefunden. Inzwischen meinen sie, dass es keinen zweiten Tempel zur Knickpyramide gab. "In dieser Phase war man noch nicht so festgelegt, wenn es darum ging, wie ein Pyramidenbezirk genau auszusehen hatte", meint Alexanian.

Als nächstes möchte das DAI-Team deshalb durch weitere Bohrungen und Grabungen feststellen, ob das Wasser früher zu Zeiten der Nilflut in dieses vegetationslose Gebiet gelangte, in dem es heute nur Wüstensand, antike Tonscherben und Knochenreste gibt.

boj/dpa



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