Einbalsamierungtechnik Wie ein Mumienfund Ägyptologen überraschte

Damit eine Leiche im alten Ägypten zur Mumie werden konnte, war ein aufwendiges Präparationsverfahren notwendig. Forscher fanden nun heraus: Die Technik ist älter als gedacht.

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Wenn im alten Ägypten ein Pharao oder ein anderer Würdenträger verstarb, präparierten ihn Spezialisten für die Ewigkeit. Dank der Aufzeichnungen des griechischen Geschichtsschreibers Herodot, der im 5. Jahrhundert vor Christus die Mumifizierungsprozesse mehr oder weniger glaubwürdig beschrieb, und durch die Altertumsforschung, ist heute ziemlich gut belegt, wie die ägyptischen Bestatter einst vorgingen.

Ägyptologen hatten bisher angenommen, dass die ausgefeilte Technik zur Präparierung des Körpers erst ab etwa 2200 vor Christus zu einer breiteren Anwendung kam. Bis dahin bestatteten die Menschen ihre Toten in der Wüste - dort sorgten Trockenheit und der Salzgehalt des Sandes für eine natürliche Konservierung der Körper.

Nun fand ein Forscherteam Spuren, die nahelegen: Die Ägypter haben ihre Tote schon etwa 1500 Jahre früher als bisher gedacht einbalsamiert. Demnach wurden sehr ähnliche Techniken schon mehr als 3500 Jahren vor Christus praktiziert, schrieben Forscher um Stephen Buckley von der britischen University of York im "Journal of Archaeological Science". Auch geografisch sei das Einbalsamieren verbreiteter gewesen, als man bisher glaubte.

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Archäologie-Rätsel: Kopf ohne Körper

Das Präparationsverfahren war aufwendig und blutig. Und es war kein Job für Zartbesaitete:

Es begann damit, dass dem Toten ein Haken durch die Nasenlöcher ins Innere des Schädels gestoßen wurde. Um das Gehirn durch die kleine Öffnung zu bekommen - der Kopf durfte nach den Vorstellungen äußerlich nicht beschädigt werden - wurde mit dem Werkzeug die Gehirnmasse verquirlt, bis sie dickflüssig war. Durch die Verwesung entstand mehr Flüssigkeit - schließlich konnte die Masse durch die Nase abfließen. Den Hohlraum füllte man mit Öl, dem Harze und Wachse zugesetzt waren.

Dann entnahmen die Totenhandwerker die Organe. Dazu schnitten sie den Körper seitlich auf und entfernten Gedärme, Leber und Magen sowie die Lunge, nicht aber das Herz und die Nieren. Anschließend wurden entnommenen Organe in Salz eingelegt und separat bestattet. Dafür standen kleine Gefäße, sogenannte Kanopen bereit - sie stehen heute zuhauf in Museen.

Der Köperhohlraum wurde mit Duftessenzen gereinigt, mit Natron gefüllt und zugenäht. Dann legten die Balsamierer die gesamte Leiche in Natron ein, um ihr die Flüssigkeit zu entziehen. Dieser Vorgang dauerte mehrere Wochen. Anschließend bekam die schrumpelige Haut etwas Öl ab, um wieder geschmeidig zu werden. Nun wurde der Hohlraum mit Leinen oder ähnlichem Material verfüllt, dem erneut duftende Harze, Gewürze und Bienenwachs beigemischt wurde. Zuletzt wickelten sie die Leiche in Leinentücher ein. Als Kleber verwendeten die Spezialisten Harz.

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Grand Egyptian Museum: Die neuen Hallen des Pharaos

Archäologen wissen heute aufgrund der zahlreichen Funde, dass sich zu späterer Zeit auch Menschen aus dem gemeinen Volk mumifizieren lassen konnten, wenn sie einen entsprechenden Obolus zahlen konnten. Zudem hat sich die Balsamiertechnik im Laufe der Jahre immer weiter verbessert.

Für die neue Studie hatten Stephen Buckley und seine Forscherkollegen eine Mumie aus dem Ägyptischen Museum in Turin untersucht. Der Körper des Toten, der wohl irgendwann im Zeitraum zwischen 3700 bis 3500 vor Christus lebte, war unter Wüstensand gefunden worden. Deshalb sei der Mann, der nur zwischen 20 und 30 Jahren alt wurde, auf natürliche Weise konserviert worden, dachte man.

Aber chemische Analysen, Untersuchungen mit dem Mikroskop und Radiokarbondatierungen ergaben nun: Schon bei dem jungen Mann hatten Balsamierer manipuliert - und das durchaus gekonnt. Der Körper samt Bandagen, in die er eingewickelt war, war nach dem Tod mit Pflanzenöl, erwärmtem Nadelbaumharz und aus pflanzlichen, gummiähnlich klebenden Zucker einbalsamiert worden.

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Ägyptische Mumie: 3500 Jahre in Leinen gehüllt

Die Rezepturen für die verwendeten Substanzen hätten ähnlich gute antibakterielle Wirkungen gehabt wie jene, die erst etwa 2500 Jahre später eingesetzt wurden, schreibt Buckley. Zu dieser Zeit hatte die Kunst der Mumifizierung in Ägypten ihren Höhepunkt erreicht.

Bei der Untersuchung fanden die Wissenschaftler zudem heraus: Offenbar war die Anwendung der Einbalsamierungstechnik damals nicht nur auf bestimmte Regionen im nördlichen Ägypten beschränkt. Denn die Mumie stammt aus Oberägypten, dem südlichen Landesteil.

Bereits 2014 waren die Forscher in einer anderen Studie auf erste Hinweise für eine frühere Anwendung von artifizieller Mumifizierung gestoßen. Damals hatte das Team Leinenbinden von Mumien aus Mostagedda im Süden von Ägypten untersucht - sie waren in der Zeit von 4500 bis 3350 vor Christus in der Wüste bestattet worden. Auch hier entdeckten sie Spuren von harzähnlichen Substanzen.

joe



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BettyB. 17.08.2018
1. Und man stelle sich vor...
Erst 4500 Jahre nach der Verwendung harzähnlicher Substanzen entschied sich Gott, Maria zu schwängern und einige Jahre später seinen Sohn am Kreuz sterben zu lassen. Hätte er nicht vorher jemanden und zwar nachhaltig von seiner wahren Existenz informieren können?
viwaldi 17.08.2018
2. Und man stelle sich vor....
... sie hätten nur ein wenig theologisches Halbwissen, dann müssten sie nicht so einen Unfug schreiben. Tatsächlich sind alle ihre Aussagen falsch. Macht nichts, ich finde es gut das sie überhaupt über Gott nachdenken und schon mal von ihm gehört haben. Darauf kann man doch aufbauen.
mimas101 17.08.2018
3. tststs
Däniken hatte doch recht und das Jesus-Video ist eine authentische Realdoku: Die ollen Ägypter hatten bereits Kopfhörer und Walkmänner mit eingebauten Flachobjektiv gehabt. Gilt natürlich so lange bis SPON schreibt was es mit dem Zeuchs auf sich hat das offensichtlich nicht mumifiziert wurde und eher der So-Nie Epoche (ca. 1970 A.D.) zuzurechnen ist. Trotzdem, ich fand den Artikel außerordentlich interessant.
mngvstkr 17.08.2018
4. Hui, offensichtlich ins Schwarze getroffen!
Zitat von viwaldi... sie hätten nur ein wenig theologisches Halbwissen, dann müssten sie nicht so einen Unfug schreiben. Tatsächlich sind alle ihre Aussagen falsch. Macht nichts, ich finde es gut das sie überhaupt über Gott nachdenken und schon mal von ihm gehört haben. Darauf kann man doch aufbauen.
Ach, viwaldi-Schatz, nicht jeder teilt die absurden Phantasien eines Anhängers unserer drei, vier Mainstream-Sekten. Unter denkenden Menschan wird der Unterschied, ob ein Gott oder ein heiliger Geist eine Menschenfrau geschwängert haben möge, als relativ gleichwertig betrachtet. Die historisch belegten Gegebenheiten aus dem Artikel machen demütig, nachdenklich und stellen nebenbei auch diese Religionsmärchen vor eine Erklärungsherausforderung. Lediglich das wollte Ihnen BettyB. mitteilen. Zu Recht, übrigens.
C.Rainers 17.08.2018
5. Stimmt
Zitat von viwaldi... sie hätten nur ein wenig theologisches Halbwissen, dann müssten sie nicht so einen Unfug schreiben. Tatsächlich sind alle ihre Aussagen falsch. Macht nichts, ich finde es gut das sie überhaupt über Gott nachdenken und schon mal von ihm gehört haben. Darauf kann man doch aufbauen.
das theologische Vollwissen haben Sie aber? Also mit Erderschaffung 6000 v.C. u.s.w.?? Und genau wie Sie hier auf den Vorkommentator losgehen, könnten Sie ja auch Ihren Glauben im Heiligen Land verteidigen
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