Ägyptens Altertumsminister Gericht verurteilt Zahi Hawass zu einem Jahr Haft

Die Karriere von Zahi Hawass scheint beendet: Ein Gericht in Kairo hat den schillernden Archäologen zu einem Jahr Haft verurteilt. Damit verliert der 63-Jährige auch seinen Posten als Ägyptens Minister für Altertümer. Hawass will das Urteil anfechten.

Archäologe Hawass: Erneut entmachtet
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Archäologe Hawass: Erneut entmachtet


Kairo - Schon einmal war er nach dem Aufstand in Ägypten seinen Job los, um bald darauf als Chef-Archäologe und Minister für Altertümer wieder ins Amt zu kommen. Doch jetzt dürfte die Karriere von Zahi Hawass endgültig zu Ende sein. Das Strafgericht im Kairoer Stadtteil Giza verurteilte den 63-Jährigen wegen Missachtung eines früheren Gerichtsurteils in einem Landstreit zu einem Jahr Haft und Zwangsarbeit. Zudem muss Hawass 10.000 ägyptische Pfund (etwa 1600 Dollar) zahlen.

Das Urteil bedeutet auch, dass der medienwirksame Herr über Ägyptens antikes Erbe seiner Verpflichtungen als Minister enthoben wird, berichtete das Nachrichtenportal "almasryalyoum.com" am Sonntagabend. Hawass sagte unmittelbar nach dem Prozess, er werde den Schuldspruch anfechten. Bis zum Berufungsprozess wird das Urteil nicht vollstreckt.

Der Landstreit, um den es in dem Verfahren ging, reicht in die Zeit zurück, in der Hawass unter dem gestürzten Präsidenten Husni Mubarak Chef der ägyptischen Altertümer-Verwaltung gewesen war.

Hawass war im Zuge der Revolution in Ägypten Anfang März entmachtet worden. Bei dem Umsturz waren auch Proteste gegen ihn laut geworden. So kostete Hawass' Nähe zum alten Regime ihn seinen Job - aber nicht für lange: Alte Freunde aus der Altertümerverwaltung, die Hawass von 2002 an geleitet hatte, lagen der neuen Regierung so lange in den Ohren, bis sie nachgab. Bereits Ende März ernannte der ägyptische Ministerpräsident Essam Scharaf Hawass erneut zum Minister für Altertümer. Das Ministerium war inzwischen vom Kultusressort abgetrennt worden.

Hawass gilt als einer der einflussreichsten Ägyptologen der Welt - und auch als schillernder Selbstdarsteller, der sich gerne in Entdeckerpose in alten Gräbern und Tunneln ablichten lässt. Mit seiner regelmäßig wiederholten Forderung nach Rückgabe der weltberühmten Nofretete-Büste aus dem Neuen Museum in Berlin hat Hawass auch in Deutschland Schlagzeilen gemacht. Während der wochenlangen Unruhen in Ägypten waren hunderte antike Objekte bei Plünderungen gestohlen oder beschädigt worden.

ulz/dpa/AFP



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insgesamt 12 Beiträge
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Ursprung 17.04.2011
1. Nicht viel anders
Sehr eigenartig, dieses Drama um den Mann. Das riecht irgendwie nach Seilschaften-Auseinandersetzung aus pro- und kontra Politlagern. Man kann also nichts finden, wo dieser Mann dem aegyptischen Volk geschadet haben koennte. Also muss ein Vorwand her. Wer weiss, vielleicht ist die neue Administration am Ende gleichen geistigen Kindes wie vor der Wende. Letzteres ist mittlerweile in D ja auch nicht viel anders.
Jackie Treehorn 18.04.2011
2. Gut für Deutschland
Aus deutscher Sicht ist es bestimmt nicht schlecht wenn Hawass entmachtet wird. Könnte mir vorstellen, dass die weicheiige, rückgratlose Bundesregierung die Nofrete tatsächlich zurückgegeben hätte.
Mirko D. Walter 18.04.2011
3. re
Ein Sympath ist der Herr nun wirklich nicht, ich habe ihn schon mehrfach in Dokumentationen auf Discovery Channel erleben dürfen. Aber was hier passiert klingt für mich eher nach "Nachtreten".
Peter Sonntag 18.04.2011
4. Ein kleiner Vorgriff auf das" neue Ägypten"
Zitat von UrsprungSehr eigenartig, dieses Drama um den Mann. Das riecht irgendwie nach Seilschaften-Auseinandersetzung aus pro- und kontra Politlagern. Man kann also nichts finden, wo dieser Mann dem aegyptischen Volk geschadet haben koennte. Also muss ein Vorwand her. Wer weiss, vielleicht ist die neue Administration am Ende gleichen geistigen Kindes wie vor der Wende. Letzteres ist mittlerweile in D ja auch nicht viel anders.
Dieser Mann ist besessen von seiner Arbeit. Ein Land wie Ägypten braucht konsequente Macher (und wird sie auch in Zukunft brauchen). Wenn man ihm nun "Nähe zum alten Regime" vorwirft, ist das ein Armutszeugnis für das neue Regime.
spiegel-hai 18.04.2011
5. .
Zitat von sysopDie Karriere von Zahi Hawass scheint beendet: Ein Gericht in Kairo hat den schillernden Archäologen zu einem Jahr Haft verurteilt. Damit verliert der 63-Jährige auch seinen Posten als Ägyptens Minister für Altertümer. Hawass will das Urteil anfechten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,757599,00.html
was auch immer er "verbrochen" haben soll, es ist jedenfalls eine Chance auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Ägypten, die ägyptische Archäologie von einer Privatpfründe es Geltungssüchtigen mit eingebauter Interpretatonshoheit in die übliche Breite wissenschaftlichen Diskurses zu heben. Übrigens fand ich, daß es in der letzten Zeit sonderbar still um ihn geworden war. Letzthin eine Sendung über große Pharaonen und deren Bautätigkeit gesehen, ohne daß Hawass auch nur am Rande erwähnt worden wäre.
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