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Ägyptens Altertumsminister: Zahi Hawass nimmt seinen Hut

Zahi Hawass gilt als einer der einflussreichsten Ägyptologen. Jetzt verkündet der Mann mit Indiana-Jones-Hut, dass er in der neuen Regierung kein Ministeramt mehr bekleiden will. Er warnt, Ägyptens archäologische Schätze seien in "großer Gefahr".

Zahi Hawass: Sein Markenzeichen - der Indiana-Jones-Hut Zur Großansicht
AP

Zahi Hawass: Sein Markenzeichen - der Indiana-Jones-Hut

An Zahi Hawass kommen Archäologen in Ägypten nicht vorbei. Der Generalsekretär der ägyptischen Antikenverwaltung hütet seit vielen Jahren die Schätze des Landes. Er entscheidet über Ausgrabungen und wie neue Funde der Öffentlichkeit präsentiert werden. Immer wieder sorgt er auch in Deutschland für Aufregung, wenn er fordert, dass die Nofretete-Büste, die im Neuen Museum in Berlin steht, an Ägypten zurückgegeben werden soll - zuletzt geschah das am 24. Januar.

Seit Ende Januar war Hawass zudem Altertumsminister im Kabinett von Ahmed Schafik - doch diesen Posten will er nicht weiter ausüben, verkündet der 63-jährige Archäologe in Kairoer Zeitungen. Er werde der Regierung von Essam Scharaf nicht mehr angehören. Der frühere Verkehrsminister Scharaf wurde am Donnerstag vom Militär als neuer Ministerpräsident eingesetzt.

Hawass beklagt, dass er ein Opfer einer Kampagne sei, die langjährige Mitarbeiter des Altertumsministeriums gegen ihn angezettelt hätten. Es sei ihm unmöglich, die Schätze des Landes weiter zu schützen - auch, weil die Polizeipräsenz nicht ausreiche, um archäologische Stätten zu bewachen. Er warnt, die ägyptischen Antiquitäten seien in großer Gefahr, in die Hände Krimineller zu fallen. Auf seiner Internetseite listet er rund zwei Dutzend archäologische Fundstätten auf, die seinen Angaben zufolge seit Mubaraks Rücktritt geplündert wurden.

In den vergangenen Wochen wurden Proteste gegen Hawass laut: Archäologie-Studenten und junge Forscher beschuldigten ihn der Korruption und warfen ihm vor, zu viel Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Außerdem wurde kritisiert, dass er Mubarak und dessen Familie zu nahe stehen würde.

In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE wies Hawass die Proteste gegen ihn scharf zurück: "Diese jungen Leute demonstrieren aus einem einzigen Grund: Weil sie einen Job wollen! Nichts weiter." Allerdings sagte er bereits, er würde den Ministerposten "liebend gern hinschmeißen".

Der Direktor des Metropolitan Museum of Art in New York, Thomas Campbell, pflichtete Hawass bei, dass die archäologischen Funde Ägyptens bedroht sind. "Die Welt kann nicht untätig zuschauen und anarchische Zustände dulden, wenn das kulturelle Erbe einer der ältesten, größten und faszinierendsten Zivilisationen bedroht ist", sagte Thomas Campbell am Donnerstag. Man bitte die neue Regierung, ihre wertvolle Vergangenheit zu schützen.

wbr/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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1. Ein eitler Selbstdarsteller weniger.
si_tacuisses 04.03.2011
Zitat von sysopZahi Hawass*gilt als einer der*einflussreichsten*Ägyptologen. Jetzt verkündet der Mann mit Indiana-Jones Hut, dass er in der neuen Regierung kein Ministeramt mehr bekleiden will.*Er warnt, Ägyptens archäologische Schätze seien*in "großer Gefahr". http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,749091,00.html
2. Endlich
wahrheitsfreund 04.03.2011
Ich hoffe, dass demnächst dann endlich richtige Forschung an den Pyramiden, der Sphinx usw. erlaubt wird. Hawass hat ja alles blockiert, was nicht in sein Weltbild gepasst hat. Macht eure Roboter startklar, liebe Wissenschaftler. Vielleicht werden jetzt endlich mal wirkliche Erkundungen möglich, die die lächerlichen "Events" der Vergangenheit - die vermeintliche Ersterkundung vermeintlich neu entdeckter Schächte etc. - vergessen machen.
3. ...
festuca 04.03.2011
Um Hawass ist es nicht schade. Die Weltgemeinschaft wird schon aufpassen, dass Ägyptens Kulturschätze nicht verloren gehen.
4. Er war eher Medienstar als Wissenschaftler.
polyglotter Kosmopolit 04.03.2011
Ich hatte vor vielen Jahren mal das Vergnügen, Herrn Dr. Zahi Hawass persönlich kennenzulernen. Er war damals noch der Vorsteher des Pyramidengebietes von Gizeh. Er ist eine Autoritätsperson, die von Archäologen und Ägyptologen eher gefürchtet als respektiert wird. Er ist ein brillanter Selbstdarsteller, der gerne die Arbeit seiner vielen, vielen, vielen Mitarbeiter als persönliche Erfolge deklariert. Wenn er redet, hört man nur "ich, ich, ich...". Seine Vorträge in Ägypten, Europa und in den USA waren eher eine Selbstbeweihräucherungsshow. Aber eines muss man ihm lassen: Er hat die ägyptische Jugend für die alte Geschichte ihres Landes begeistert. Früher wussten ägyptische Kinder nicht viel von der Welt der Pharaonen. Heute werden ganze Schulklassen durch die Gräber und Museen geschleußt. Und die Kinder sind nun stolz auf ihr Land. Ach ja, übrigens war Hawass ein Liebling von Mubaraks Frau. Sie fand ihn immer toll. Er durfte sogar US-Präsident Obama über das Gizeh-Pyramiden-Plateau führen. Nun warten die jungen ägyptischen Archäologen auf ihre Chance, selber mal das Ruder in die Hand zu nehmen...
5. Seine Meriten ...
sapperlot 04.03.2011
... hat Zahi Hawass sicher auch. Aber wer sich in Ägyptem in der Vergangenheit mit Mitarbeitern seiner Behörde unterhalten hat, muss zu dem Schluss kommen, dass da fast nichts mit rechten Dingen zugegangen ist. Da bleiben bei den Wächtern der Touristenstätten über mehrere Monate die Gehaltszahlungen aus, da werden promovierte Archäologen und Ägyptologen gefeuert, die eine Ausgrabung anders einschätzen als er, da werden Millionen von Forschungseuros z.B. aus Deutschland, bestimmt für eine bestimmte Ausgrabung, in irgendwelche schwarzen Löcher umgeleitet, kommen also nicht der festgelegten Forschung zu. Die Liste ließe sich sicherlich noch verlängern .... Dann seine von Fernseh-Auftritte: Ich habe dies heraus gefunden, ich habe das ausgegraben, mir ist jenes gelungen ... , eine Selbstüberschätzung, die schon an Größenwahn grenzt. Für die Archäologie und die Verwaltung der Kulturschätze in Ägypten war Hawass aber auch wichtig: er versuchte, Alles zusammen zu halten, zu verhindern, dass Kulturgüter "vesickerten", in privaten Tresoren verschwanden. Er ist das, was man allgemein eine "schillernde Persönlichkeit" nennt.
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