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Ägyptische Mumifizierungstechnik: Konserviert für die Ewigkeit

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Wer schön sein wollte, kam unters Messer - auch nach dem Tod: Um die Verstorbenen für die Reise ins Jenseits zu präparieren, scheuten die altägyptischen Einbalsamierer vor keinem noch so drastischen Eingriff zurück. Ihre Arbeiten halten bis heute.

In den Grabkammern im Tal der Könige nahe der ägyptischen Stadt Theben wurde so einiges in Krügen aufbewahrt. Die Organe der Toten zum Beispiel. Oder wertvolle Beigaben für das Leben im Jenseits: Parfum, Wein, Gewürze. Womit die Ausgräber von Grab KV 63 in unmittelbarer Nachbarschaft zu Grab KV 62 - der Ruhestätte des legendären Pharao Tutanchamun - aber nicht gerechnet hatten, war der Inhalt des Kruges Nummer 13. Darin fanden sie eine Ansammlung von Holzlatten.

Die Restauratoren haben das Puzzle inzwischen gelöst. Zusammengebaut ergab der Holzhaufen ein Bett. Doch es war keine gewöhnliche Schlafstätte. Ein Körper, der auf dieser 1,70 Meter langen Konstruktion zu liegen kam, wurde nur von vier dünnen Querbalken getragen. Bequem kann das nicht gewesen sein.

Der Zweck des mysteriösen Möbelstücks erklärt sich allerdings bei einem Blick auf die übrige Ausstattung von KV 63. Insgesamt lagen in der Kammer sieben Sarkophage. In ihnen ruhten jedoch keine Leichen - sondern allerlei Dinge, die ein ägyptischer Einbalsamierer für sein Handwerk benötigte.

Das gilt auch für die übrigen Krüge. Sie waren voll von Natron, Getreidesamen, Kohle oder kleinen Tierknochen. Damit liegt nahe: Wer auf diesem Bett lag, störte sich nicht an den harten Holzbalken - er war tot. Es diente nicht der Ruhe, sondern der Einbalsamierung.

Nichts für schwache Nerven

Die Liege ist das einzige bekannte Stück ihrer Art. Und gewährt damit einen wertvollen Einblick in das Handwerk der ägyptischen Mumifizierer. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass auf diesem Gestell zu verschiedenen Phasen des Einbalsamierungsprozesses der Körper oder der Sarkophag ruhte", sagt Ausgräber Otto Schaden SPIEGEL ONLINE und bestätigt damit, was die ägyptische Antikenverwaltung erst kürzlich über den Fund vermeldet hatte.

Der griechische Geschichtsschreiber Herodot beschrieb im 5. Jahrhundert vor Christus, was mit den Verstorbenen passiert, nachdem die Verwandten sie beim Einbalsamierer abgegeben und diesen entsprechend entlohnt haben. Seine Darstellung gilt jedoch nicht als besonders authentisch. "Herodot kam erst nach Ägypten, als das Land schon im kulturellen Abstieg begriffen war", sagt Schaden über Griechen. Viele seiner Informationen über die Einbalsamierung habe er nur von den Gelehrten des Landes bekommen. Sie seien ihm aus zweiter Hand aufgetischt worden.

Für wie glaubwürdig man ihn auch hält, Herodots Bericht ist nichts für schwache Nerven. Denn das Erste, was den Leichnamen entfernt wurde, war demnach das Gehirn - mit einem Eisenhaken durch die Nasenlöcher. Als nächstes waren die inneren Organe dran. Die leere Bauchhöhle wurde dann mit Palmwein und Kräutern ausgewaschen, mit Gewürzen gefüllt und zugenäht. Der so präparierte Körper kam für 70 Tage in Natron, um ihm alle Feuchtigkeit zu entziehen. Dann erst, wenn kein Tropfen Flüssigkeit mehr übrig war, wickelten die Einbalsamierer ihn in Leinentücher, versiegelten das Paket mit Harz und gaben den fertigpräparierten Leichnam den Angehörigen zurück.

Die Mumienforschung hat zudem weitere Erkenntnisse gebracht, zum Beispiel über die zunehmende Perfektionierung der Technik im Laufe der Jahrhunderte. In den Gräbern aus prädynastischer Zeit (bis circa 2707 vor Christus) sind die Toten noch gar nicht bandagiert. Lediglich die trockene Wüstenluft und ein Salzbad konservierten sie für die Ewigkeit.

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