Ägyptisches Museum "Sie wollten nur Gold"

Wie sicher sind die Kulturschätze im Ägyptischen Museum in Kairo? Nach den Plünderungen muss sich Zahi Hawass jetzt solchen Fragen stellen. Der Auftritt des Chefs der Altertümerbehörde ist wie gewohnt öffentlichkeitswirksam. Doch als enger Verbündeter von Mubaraks Ex-Regime wächst nun der Druck auf ihn.

Zerstörte Mumie im Ägyptischen Museum (Ende Januar 2011): Kunstwerke wurden zerstört
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Zerstörte Mumie im Ägyptischen Museum (Ende Januar 2011): Kunstwerke wurden zerstört


Stolz steht Zahi Hawass, Ägyptens Minister für Altertümer, am Mittwochvormittag vor der Totenmaske Tutanchamuns. Das aus schwerem Gold gefertigte, mit Halbedelsteinen verzierte Kunstwerk aus dem 14. Jahrhundert vor Christus ist eines der Prunkstücke des Ägyptischen Museums in Kairo, wenn nicht sogar sein Wahrzeichen. "Sehen Sie!", ruft Hawass den zum Lokalaugenschein eingeladenen Journalisten zu. "Sie wurde nicht gestohlen, sie wurde nicht beschädigt. Auch keiner der Mumien wurde etwas angetan."

Drei Wochen nach Beginn der Unruhen, die zum Rücktritt von Präsident Husni Mubarak am vergangenen Freitag geführt hatten, machen die Mitarbeiter des Ägyptischen Museums Inventur: Auf dem Höhepunkt der Zusammenstöße zwischen Regimegegnern und Bereitschaftspolizei waren am 28. Januar Diebe ins Museum eingedrungen. Von acht gestohlen geglaubten Exponaten fehlen noch fünf, darunter eine vergoldete hölzerne Statue Tutanchamuns, eine Kalkstein-Statue des Pharaos Echnaton und eine Figur der Nofretete. Auch eine Gruppe von zehn kleinen Statuetten fehlt noch - die Museumsverwalter zählen sie als ein Exponat.

Der Museumsdirektor Tarek Al-Awadi führt in jenen Raum im Obergeschoss, den die Plünderer als erstes betraten. Das Licht fällt durch eine Rundgalerie von Oberlichten - eines von ihnen ist halb geöffnet. Einige Medienvertreter wundern sich, wie leicht man hier eindringen kann, auch in Friedenszeiten. "Hier haben sie sich mit Seilen herabgelassen", erläutert der Herr über Ägyptens antike Schätze. "Sie waren Amateure, sie wollten nur Gold. Es war Nacht, hier war es stockdunkel. Sie sahen nichts, brachen in die Vitrinen ein und warfen die Exponate weg, wenn sie sahen, dass sie nicht aus Gold waren."

Restauratoren haben viele Schäden bereits gekittet

70 Kunstwerke seien zu Boden geworfen, rund 25 dabei beschädigt worden. Sie seien inzwischen von den Restauratoren des Museums wieder instandgesetzt worden, führt Al-Awadi weiter aus. Repariert und wieder zurück in seiner Vitrine ist das über einen Meter lange Holzboot aus dem Fund von Mehseti, ein 4000 Jahre altes Meisterwerk der Schnitzkunst. Den gesondert ausgestellten vergoldeten Rahmen für die Mumie der altägyptischen Königin Tuja nahmen die Eindringlinge nicht mit. Er fiel zu Boden, den dabei entstandenen Riss haben die Restauratoren gekittet.

Bis zur Totenmaske Tutanchamuns oder anderen Goldschätzen kamen die Diebe nicht. "Die Armee kam gerade zur richtigen Zeit", sagt der Museumsdirektor. Insgesamt neun Einbrecher wurden festgenommen, zwei von ihnen verletzten sich beim Sprung von einer Mauer. Demonstranten und Soldaten schützten daraufhin das Museum, dessen Sammlung von 125.000 Objekten es zu einer der bedeutendsten Altertümersammlungen der Welt macht. Daran gemessen fielen Verluste und Schäden minimal aus. "Wir hatten großes Glück", sagt Al-Awadi.

Gleich neben dem Ägyptischen Museum steht das mehrstöckige Gebäude von Mubaraks Regierungspartei NDP. Es ist eine schwarze Brandruine. Unbekannte hatten es am selben Tag angezündet, als im Museum nebenan eingebrochen wurde. Auch hier war möglicherweise Glück im Spiel, dass kein Funke übersprang. "Das Ägyptische Museum ist sicher", beschwört Zahi Hawass am Mittwoch fast händeringend die Journalisten.

Doch Fragen nach der Sicherheit nicht nur dieses ägyptischen Museums bleiben. Erst im vorigen August war das Van-Gogh-Gemälde "Die Mohnblume" aus dem Chalil-Museum in Kairo gestohlen worden. Von Werk und Täter fehlt bis heute jede Spur.

Hawass, der langjährige Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, war von Mubarak noch kurz vor dessen Abgang zum Minister befördert worden. Er gilt als öffentlichkeitswirksamer Fürsprecher der nationalen ägyptischen Archäologie, aber auch als jemand, der eng mit einem Regime verbunden war, dessen ersten Mann die Ägypter gestürzt haben. Der Druck der Fragen wird nicht von ihm weichen.

Gregor Mayer, dpa

insgesamt 6 Beiträge
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stabkoenigin 16.02.2011
1. Nofretete
Na, unter den gegenwärtigen Umständen ist es wohl besser, die Nofretete erst einmal hier in Berlin zu behalten.
herkurius 16.02.2011
2. Auf Thema antworten
Nun ja, in Kairo war es nur der illiterale Straßenpöbel, der sich an ein paar Artefakten und Mumien vergriffen hat und nebenbei den ägyptischen Staat in der Forderung nach Rückgabe der geklauten Nofretete verdammt kleinlaut werden ließ. In unserer westlichen Demokratie sind's die Leute mit dem richtig dicken Geld und unter dem augenzwinkernden Blicken der geneigten Lokalpolitik, die z.B. die Grube Messel als Müllkippe zuschütten lassen wollten oder die Armierung einer Baugrube so ausdünnten, dass mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchives ein größerer kulturhistorischer Schaden entstand als beim Brand der Bibliothek von Alexandria...
herkurius 16.02.2011
3.
Ich bin kein Historiker, habe nur geglaubt, dass es sich hier um das größte Archiv, was jemals nördlich der Alpen bestanden hat, gehandelt habe, und eines, das um 800 Jahre zurück reicht - z.B. bis vor die Entstehung der Nationalstaaten, wie wir sie heute kennen. (Dass die Karnevalsvereine mal Ausdruck der Auflehnung gegen die Mächtigen waren, geht bzw. ging, glaube ich, auch aus ein paar Zentnern Dokumenten drin hervor). Gerade in der heutigen Zeit, in der die Medien und ihre Manipulierbarkeit die bedeutendste Waffe der Welt geworden sind, fand ich es für unheimlich wichtig, sich mit eigenen Augen von den wahren Abläufen, gerade auch im Kleinen, überzeugen zu können. Dann haben mich halt zwei Tote und sechshundert Millionen Euro Schadenssumme zu sehr beeindruckt.
Ronald Dae 16.02.2011
4. Das ist mediengerecht.
Juhu - eine Karte zum Artikel! Endlich. Kairo ist zwar nicht schwer zu verorten, aber das Prinzip machts. Bravo! :-)
hierro 17.02.2011
5. Zahi Hawass - überforderter Altertumsverwalter
Der mediengeile Chef der Altertumsbehörde Ägyptens, Zahi Hawass, sollte schnellstens zurücktreten. Nicht nur, weil er ein enger Vertrauter des flüchtigen Despoten Mubarak war, sondern auch wegen seiner Unverantwortlichkeit. Von einem zuverlässigen, kompetenten Altertumsverwalter hätte ich erwartet, dass die Schätze des Ägyptischen Museums wenigstens versichert sind, doch leider ist dem nicht so. Ich möchte von diesem überforderten Ägypter nicht mehr erneut hören, dass die Berliner die rechtmässig erworbene Nofretete an Ägypten zurückgeben sollen. Zahi Hawass ist nicht ausreichend qualifiziert, die Kunstschätze seines Landes sicher aufzubewahren und zu verwalten.
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