Historische Plombe: Wachsklumpen erweist sich als älteste Zahnfüllung

Schon in der Steinzeit wurden Zahnlöcher gestopft: Forscher haben einen 6500 Jahren alten Zahn mit Bienenwachsfüllung entdeckt. Es handelt sich offenbar um das älteste Beweisstück für Zahnmedizin in Europa.

Steinzeitlicher Eckzahn mit Wachs: Die gelbe gestrichelte Linie markiert die Füllung Zur Großansicht
dapd/ Bernardini/ Tuniz/ Coppa/ Mancini/ Dreossi

Steinzeitlicher Eckzahn mit Wachs: Die gelbe gestrichelte Linie markiert die Füllung

San Francisco/Hamburg - Beim Steinzeitzahnarzt könnten Töpfe voller Bienenwachs wichtige Requisiten gewesen sein: Bereits in der Jungsteinzeit vor 6500 Jahren bekamen Menschen Zahnfüllungen, vermutlich um Schmerzen zu lindern, berichten Wissenschaftler. Das zeigt ein Kieferknochen inklusive einem Zahn mit Bienenwachsfüllung, den Forscher in Slowenien gefunden haben.

"Diese Entdeckung ist vielleicht das älteste Beweisstück für vorgeschichtliche Zahnmedizin in Europa und das früheste bekannte Beispiel für eine therapeutisch-schmerzlindernde Zahnfüllung", sagte Teamleiter Federico Bernardini vom Internationalen Zentrum für Theoretische Physik in Triest. Er präsentiert den Fund im Wissenschaftsjournal "PLoS One".

Das Bienenwachs könne kurz vor oder kurz nach dem Tod des Menschen in den Zahn eingearbeitet worden sein, schreiben die Forscher. Der genaue Zeitpunkt sei nicht zu bestimmen. Sollte der zahnmedizinische Eingriff erfolgt sein, bevor der Patient starb, habe die Füllung wohl einen ganz einfachen Zweck gehabt: Schmerzen lindern und einen empfindlichen Riss im Zahnschmelz schützen.

Steinzeit-Bohrer in Pakistan gefunden

Das Team untersuchte das Fundstück mit verschiedenen analytischen Methoden wie der Mikro-Computertomografie und der Infrarotspektroskopie. Angesichts der wenigen derartigen Nachweise könne die Füllung helfen, eine bessere Vorstellung von urgeschichtlicher Zahnmedizin zu bekommen, heißt es in einer Mitteilung des Journals.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass bereits vor 9000 Jahren Zahnärzte im heutigen Pakistan den Bohrer ansetzten. Im Gräberfeld von Mehrgarh in Belutschistan hatte ein internationales Team um Roberto Macchiarelli von der französischen Universität Poitiers Backenzähne mit eindeutigen Bohrlöchern gefunden, wie sie 2006 im britischen Magazin "Nature" berichtet hatten. Zahnfüllungen hingegen waren dabei aber nicht nachweisbar gewesen.

boj/dpa

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