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12. September 2018, 19:02 Uhr

Südafrika

Älteste Zeichnung der Menschheit entdeckt

In Südafrika haben Forscher eine mehr als 70.000 Jahre alte Zeichnung gefunden. Das älteste bekannte Kunstwerk des Homo sapiens erinnert verblüffenderweise an ein modernes Schriftzeichen.

Einem nicht geschulten Auge könnte das Kunstwerk glatt entgehen - Forscher sehen in den roten, sich überkreuzenden Linien die älteste bisher bekannte menschliche Zeichnung. Demnach malten Steinzeitmenschen vor etwa 73.000 Jahren das Hashtag-ähnliche Muster mit Ockerfarbe auf einen Stein.

Das in einer Höhle im heutigen Südafrika gefundene Stück sei mindestens 30.000 Jahre älter als die älteste bisher gefundene Zeichenkunst des modernen Menschen, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature". Sie vermuten, dass der Homo sapiens womöglich sogar noch früher mit künstlerischen Ambitionen zum Ockerstift griff.

Werk aus sich kreuzenden Linien

Das Team um Christopher Henshilwood von der Universität Bergen (Norwegen) hatte den bemalten Stein in der Blombos-Höhle entdeckt. Sie liegt in Südafrika, etwa 300 Kilometer östlich von Kapstadt in der Nähe der Küste, und stellt eine wahre Fundgrube für Archäologen dar. Bereits seit 1991 wird sie wissenschaftlich erkundet.

Die Höhle wurde 1961 von Henshilwoods Großvater gekauft. Der Forscher selbst verbrachte in Südafrika wiederholt seine Ferien und sammelte bei der Gelegenheit Steinwerkzeuge und andere Artefakte, was seine spätere Entscheidung für ein Archäologie-Studium angeblich mitbegründet hat.

Die verschiedenen Schichten in der Höhle teilen Wissenschaftler in drei Zeitabschnitte (M1 bis M3) ein, die insgesamt einen Zeitraum von vor 140.000 Jahren bis heute umfassen. Aus den unterschiedlichen Lagen bargen Fachleute bereits zahlreiche Zeugnisse der Kultur früher Menschen, etwa eingeritzte Steine oder durchbohrte Muschelschalen.

Das nun untersuchte Fundstück "L13" stammt aus der M1-Schicht und wurde auf ein Alter von etwa 73.000 Jahre datiert. Es handelt sich um ein knapp vier Zentimeter langes Stück Stein, auf dem insgesamt neun sich teils durchkreuzende Linien zu sehen sind.

Um herauszufinden, wie die Linien auf den Stein gekommen sind, probierten die Forscher verschiedene Techniken aus. Aus den Experimenten folgern sie, dass sie mit einer Art gespitztem Ockerstift gezielt aufgebracht worden waren und es sich folglich bei dem Kunstwerk um eine Zeichnung handelt. Vermutlich war das Bruchstück Teil eines größeren Steins, vermuten die Forscher aufgrund der an den Rändern abrupt abbrechenden Linien.

Die Forscher vermuten, dass die Zeichentechnik sogar noch älter sein könnte als 73.000 Jahre. Aus der Blombos-Höhle seien aus älteren Schichten etwa Gravierungen mit ähnlichen Mustern bekannt. Auch ein mit Farbresten gefülltes Schneckenhaus deute darauf hin, dass Zeichnungen oder Malereien schon viel früher angefertigt wurden, möglicherweise bereits vor 100.000 Jahren.

Die bisher ältesten Zeichnungen von Homo sapiens - etwa aus der französischen Höhle Chauvet oder der spanischen Höhle El Castillo - haben ein Alter von weniger als 42.000 Jahren und stammen somit aus deutlich jüngerer Zeit, schreiben die Forscher.

Die Studie zeige recht solide, dass die damaligen Homo-sapiens-Vertreter in irgendeiner Form mit Ocker gearbeitet hätten, sagt Dirk Hoffmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. "Ob das eine beabsichtigte Zeichnung war oder das Nebenprodukt einer anderen Nutzung - das lässt sich wohl nicht mit letzter Eindeutigkeit zeigen, da wäre ich etwas zurückhaltender in der Bewertung."

Hoffmann hatte mit einem internationalen Forscherteam Anfang dieses Jahres ähnlich alte Höhlenkunst im Fachblatt "Science" vorgestellt. Sie wurde allerdings von Neandertalern angefertigt. In drei spanischen Höhlen hatten die Wissenschaftler mindestens 64.000 Jahre alte bildliche Darstellungen wie den Umriss einer Hand und geometrische Formen gefunden. Sie waren somit gut 20.000 Jahre vor Ankunft des Homo sapiens in Europa entstanden. Daraus schloss das Team, dass der Neandertaler dem modernen Menschen geistig ebenbürtig gewesen sei.

Dass nun in Südafrika vermeintliche Zeichenkunstwerke vom Homo sapiens gefunden wurden, sei zu erwarten gewesen. Die Fähigkeiten zum Zeichnen habe auch der moderne Mensch gehabt. "Das ist von daher grundsätzlich keine Überraschung", sagt Hoffmann. "Aber es ist gut, nun einen direkten Nachweis davon zu haben."

Von Anja Garms, dpa/hda

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