Hunsrück: Ältestes Lager für römische Soldaten entdeckt

Die Anlage war 26 Hektar groß und bot bis zu 10.000 Soldaten Platz: Im Hunsrück haben Archäologen das älteste bekannte römische Militärlager auf deutschem Boden entdeckt. Der Nachweis gelang über Schuhnägel und Keramikscherben.

Hunsrück: Das cäsarsche Militärlager Fotos
DPA

Hermeskeil - Wie gut, dass die römischen Legionäre vor mehr als 2000 Jahren immer wieder Schuhnägel von ihren Sandalen verloren. Und wie gut, dass sie ihre alten Amphoren und Tongefäße schön auf einem Haufen entsorgten. Denn anhand dieser Funde gelang es Forschern der Universität Mainz, die bislang älteste Garnison auf deutschem Boden bei Hermeskeil (Rheinland-Pfalz) nachzuweisen.

"Hier wird ein Stück Weltgeschichte archäologisch greifbar", sagte Grabungsleiterin Sabine Hornung vom Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Mainz. Das Militärlager soll am Ende des Gallischen Krieges zwischen 53 und 51 vor Christus von den Truppen Julius Cäsars errichtet worden sein.

Die knapp 26 Hektar große Anlage mit Befestigungswall bot Platz für 5000 bis 10.000 Soldaten, erklärte die Archäologin. Sie sei vermutlich an jenem Ort angelegt worden, um die Kelten am nahe gelegenen Hunnenring zu vertreiben. Das römische Lager war bereits im 19. Jahrhundert auf der Anhöhe bei Hermeskeil vermutet worden. Doch erst die neuesten Funde brachten Klarheit.

Zuvor galt eine Anlage aus den 30er Jahren vor Christus auf dem Trierer Petrisberg als ältestes Militärlager der Römer in Deutschland. 2011 war ein Römerlager im Münsterland entdeckt worden.

"Außergewöhnlicher Glücksfall"

"Was für ein Glück, dass wir die Nägel gefunden haben", sagte Hornung. Mehr als 70 sind es inzwischen, die bei Grabungen an einer Torgasse des Lagers zwischen Pflastersteinen ausgegraben wurden. Die eisernen Nägel sind schirmförmig. "Wie Spikes, damit die Legionäre auf dem Lehmboden nicht ausrutschten", sagt die 41-jährige Forscherin, die seit März 2010 bei Hermeskeil gräbt. Die Nägel waren der erste Nachweis für das Militärlager. Zusammen mit den Funden von Waffen, Scherben und einer Getreidemühle ergab sich dann das Bild eines Lagers, das kein Marschlager, sondern Monate bewohnt war.

Hornung weiß schon ziemlich viel über die Anlage, die heute unter Getreidefeldern liegt. Das Hauptlager hatte die Form eines Trapezes und war umgeben von einem Spitzgraben und Erdwall, von dem in einem Waldstück noch Teile übrig sind. "Solche Reste eines cäsarischen Militärlagers sehen zu können, ist einmalig", sagte Hornung beim meterhohen Wall. Das Stück habe auch nur überlebt, weil es im Wald liege. "Ein außergewöhnlicher Glücksfall." Hornung weiß auch, dass es zum Hauptlager einen Anbau mit Quelle gegeben hat, in dem möglicherweise die Versorgungstrupps lagerten.

Viele Dinge sind aber noch im Unklaren, erklärte die Expertin. Etwa, ob es wirklich Kämpfe mit den fünf Kilometer entfernten Kelten gegeben habe. "Wir würden gerne Schleuderkugeln finden, auch weil darauf der Namen des damaligen Feldherrn stehen könnte." Fünf bis sechs Jahre müssten die Grabungen noch weitergehen. "Das Denkmal ist so bedeutend, dass man hier noch lange graben muss."

Deutschlands Südwesten 500 Jahre besetzt

Roms Herrschaft in Teilen Germaniens begann unter Julius Caesar. In den Jahren 58 bis 51 vor Christus eroberten seine Legionen Gallien einschließlich der Gebiete westlich des Rheins, wo die Römer befreundete germanische Stämme ansiedelten. Der Südwesten des heutigen Deutschlands gehörte daraufhin fast 500 Jahre lang zum Imperium Romanum, war Teile seines Wirtschafts- und Kulturlebens. Viele deutsche Städte mit römischen Ursprüngen hatten in den vergangenen Jahrzehnten ihr zweitausendjähriges Jubiläum, darunter Augsburg, Köln, Bonn und Mainz.

Unter Kaiser Augustus unterwarfen die Römer in mehreren Feldzügen die Germanenstämme bis zur Elbe. Diese Expansion war jedoch nicht von Dauer. In der Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus lockten germanische Kämpfer drei römische Legionen mit 25.000 Soldaten wahrscheinlich bei Kalkriese nahe Osnabrück in einen Hinterhalt. Bei der mehrtägigen Schlacht starben schätzungsweise 20.000 Römer. Die geschlagene Weltmacht begnügte sich fortan mit den linksrheinischen Gebieten und dem heutigen Süddeutschland und drang nur noch für einzelne Feldzüge in die Stammesgebiete ein, ohne sie dauerhaft zu besetzen.

hda/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf...
wolf_xl 10.09.2012
...werden seit 1871 ständig Gallier zu Germanen umdefiniert... Tja, liebe Deutschtümler, links des Rheins war die Kultur eindeutig keltisch - später gallo-romanisch. Und auch rechts des Rheins war zu Cäsars Zeiten die Kultur in weiten Gebieten keltisch geprägt. Die spätere "Zwangsgermanisierung" der linksrheinischen Gebiete diente vor allem dem Zweck, die damaligen Ansprüche Frankreichs auf den Rhein als natürliche Grenze zu widerlegen. Mal ganz vorurteilsfrei betrachtet - so abwegig waren die französischen Ansprüche nicht. Zum einen verbinden die linksrheinischen Gebiete mit Frankreich eine jahrhundertealte gemeinsame Geschichte - und zum anderen ist Paris auch eindeutig näher als Berlin...
2. ... Na ja
sirisee 10.09.2012
die Begründung frz. Ansprüche lag in der militärischen Stärke von Ludwig XIV und seinem Gebietshunger, nicht in vermoderten keltischen Knochen. Die fraglichen Gebiete gehörten zum deutschen Reich; Straßburg war eine Reichsstadt. Mit Berlin hat das nichts zu tun. Berlin war eine Sandwüste. Man darf halt nicht die Vergangenheit mit der Brille von heute ansehen ..
3. --> wolf_xl
Siloy 10.09.2012
Wären alle Kelten das, was die Franzosen unter "Gallier" verstehen, dann hätten Sie recht. Dann wären aber auch große Teile Süddeutschlands, der Schweiz, Spaniens und die Britischen Inseln "französisch" gewesen. Also vergessen Sie das mal lieber wieder ganz schnell. Überhaupt fallen Sie selber wohl auf die Galliertümelei der Franzosen nach 1871 herein, dabei trägt Frankreich den Namen eines niederrheinischen Germanenstammes, der Franken (=die Freien, weil nicht römisch). Die Nachfahren dieser Germanen (und nicht die irgendwelcher Gallier) bilden bis heute den Uradel Frank-reichs. Überhaupt: die Völkerwanderungen. Damals wurde ganz Europa "germanisiert". Und die Burgunder kamen sogar von der Weichsel!
4. @wolf_xl - Genau so isses!
cclxbln 10.09.2012
Linksrheinisch läuft de Schanndahm uffm Trottovah.
5. abwegige Ansprüche
NochNeMeinung 11.09.2012
Zitat von wolf_xl...werden seit 1871 ständig Gallier zu Germanen umdefiniert... Tja, liebe Deutschtümler, links des Rheins war die Kultur eindeutig keltisch - später gallo-romanisch. Und auch rechts des Rheins war zu Cäsars Zeiten die Kultur in weiten Gebieten keltisch geprägt. Die spätere "Zwangsgermanisierung" der linksrheinischen Gebiete diente vor allem dem Zweck, die damaligen Ansprüche Frankreichs auf den Rhein als natürliche Grenze zu widerlegen. Mal ganz vorurteilsfrei betrachtet - so abwegig waren die französischen Ansprüche nicht. Zum einen verbinden die linksrheinischen Gebiete mit Frankreich eine jahrhundertealte gemeinsame Geschichte - und zum anderen ist Paris auch eindeutig näher als Berlin...
Nur sind die Kelten von damals eben nicht die Franzosen von heute. Achja und ihren Namen verdanken unsere Nachbarn nebenbei einem germanischen Stamm. Und Karl der Große war auch kein Vorzeigefranzose. Wer da also mit wem eine Jahrhunderte dauernde gemeinsame Geschichte hat lässt sich sicherlich nicht nur frankophil beantworten.
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Fotostrecke
Militärlager an der Lippe: Spuren der Römer

Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
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Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.
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Gladiatorenschule von Carnuntum: Sensationsfund in Österreich