Afrika Vielen Löwenpopulationen droht die Ausrottung

In großen Teilen Afrikas sind Löwen vom Aussterben bedroht, warnen Naturschützer. In West- und Zentralafrika erreichen die Raubtier-Populationen offenbar nicht mehr die zum Arterhalt nötige Größe.


In Ostafrika lässt sich's noch leben: Löwinnen in Kenia
REUTERS

In Ostafrika lässt sich's noch leben: Löwinnen in Kenia

In Ostafrika gibt es zwar Tausende von Löwen, in anderen Teilen des Kontinents könnten die Raubtiere jedoch bald ganz verschwunden sein, berichtet der "New Scientist". Das Wissenschaftsmagazin beruft sich auf die Einschätzung einer Kommission, die unter der Schirmherrschaft der Welt-Naturschutz-Union IUCN ins Leben gerufen wurde. Demnach existiert in West- und Zentralafrika nicht eine einzige Löwen-Population, die groß genug ist, um auf Dauer zu überleben.

Über die Zahl der Löwen in Ländern wie Kamerun, Mali und Senegal ist nur wenig bekannt - es hat in diesen Regionen so gut wie keine Langzeitstudien gegeben. "Die Zahlen sind Schätzungen, die auf gelegentlichen Besuchen in den Gebieten beruhen", sagte Naturschutz-Experte Hans Bauer von der niederländischen Universität Leiden dem Magazin. Gemeinsam mit Kollegen und der African Lion Working Group organisierte er im Juni ein Treffen von IUCN-Mitgliedern in Kamerun, bei dem die spärlichen Informationen zusammengetragen wurden.

Um die zum Überleben nötige genetische Vielfalt zu bewahren, muss eine Löwen-Population nach Schätzungen von Biologen zwischen 500 und 1000 Tiere umfassen. Wie sich herausstellte, kommt keine der Populationen in der Region dieser Mindestanforderung nahe. Die beiden größten Populationen - die eine lebt im Benoue-Gebiet in Kamerun, die andere an der Grenze zwischen dem Senegal, Mali und Guinea - bestehen aus jeweils rund 200 Löwen. Zu den kleineren Populationen gehören jeweils nur etwa 50 Tiere.

"Es ist eine ernste Situation", so Bauer. "Es gibt keine Population, bei der wir sicher sein können, dass sie bestehen bleibt." Ein Grund für die dramatische Entwicklung ist die Zunahme der Landwirtschaft: Die Löwen-Populationen, die zum Jagen riesige Gebiete zwischen 20 und 200 Quadratkilometer brauchen, werden dadurch in kleine isolierte Reservate gedrängt. Ein weiteres Problem sieht Bauer darin, dass die Raubtiere selbst von manchen Naturschützern nicht als bedroht angesehen werden. "In West- und Zentralafrika ist nichts getan worden", kritisiert der Experte. "Es gibt keine Forschungen und keine speziellen Schutzprogramme."



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