Aids-Forscher an Bord von MH17 "Ein riesiger Schlag"

Der renommierte Aids-Forscher Joep Lange ist tot. Er starb beim Absturz des Unglücksfluges MH17. Insgesamt könnten etwa hundert Aids-Forscher und -Aktivisten in der Maschine gewesen sein.

Joep Lange im Jahr 2003: Trug entscheidend zur Entwicklung der antiretroviralen Therapie bei
AFP

Joep Lange im Jahr 2003: Trug entscheidend zur Entwicklung der antiretroviralen Therapie bei


"Das Heilmittel für Aids könnte an Bord des Fluges gewesen sein (The Cure for AIDS coud've been on the plane)", schreibt ein Twitter-User. Gemeint ist der Flug MH17 der Malaysia Airline. Denn unter den 298 Passagieren an Bord der Maschine, die am Donnerstag über der Ukraine abgestürzt ist, waren Berichten zufolge etwa hundert Wissenschaftler und Aktivisten. Sie waren auf dem Weg zur Welt-Aids-Konferenz, die am Sonntag im australischen Melbourne beginnt.

Die Zahlenangabe deckt sich mit einem Tweet der Deutschen Aids-Hilfe. "Wir sind traurig", twitterte die Organisation. Das bisher bekannteste Unglücksopfer ist der niederländische Wissenschaftler Joep Lange, der an Therapien gegen HIV geforscht hat und entscheidend zur Entwicklung der antiretroviralen Therapie beigetragen hat. Von 2002 bis 2004 war er Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft, die die Welt-Aids-Konferenz ausrichtet.

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Absturz von Malaysia Airlines MH17: Trümmer, Opfer, Folgen
Bekannt wurde die Nachricht zunächst über Posts von Freunden des Forschers auf Facebook. Nun bestätigte eine Sprecherin der Stiftung PharmAccess, die Lange gegründet hatte, den Vorfall. Langes Tod sei ein "großer Verlust", erklärte der Leiter der Stiftung, Onno Schellekens. Ein Sprecher des Universitätskrankenhauses Amsterdam, an dem Lange zuletzt gearbeitete hatte, sagte am Freitag, alles deute darauf hin, dass Lange mit seiner Partnerin Jacqueline van Tongeren in dem Flugzeug gesessen hatte.

WHO hat einen Mitarbeiter verloren

Van Tongeren war ebenfalls im Kampf gegen Aids aktiv. In der ArtAids Foundation setzte sie sich dafür ein, das Thema über Kunstwerke, die sich mit HIV und Aids beschäftigen, in den Mittelpunkt zu rücken.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) trauert um einen ihrer Mitarbeiter. Glenn Thomas habe an Bord der Maschine gesessen, bestätigte die Organisation über Twitter. Der Brite arbeitete in der Pressestelle der Organisation in Genf. Ein niederländischer Wissenschaftler, der bereits in Melbourne ist, berichtete zudem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Niederlande, dass zwei von drei Konferenzteilnehmern des niederländischen Aidsfonds an Bord gewesen seien.

Außerdem saßen in dem Flugzeug Medienberichten zufolge die Aids-Forscher Lucie van Mens, Martine de Schutter von der Non-Profit-Organisation AIDS Action Europe und der niederländische Aidsaktivist Pim de Kuijer.

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Absturz von Malaysia Airlines MH17: "Gebete für die Familien"
Konferenz findet statt

Norbert Brockmeyer, einer der führenden deutschen Aids-Experten, sprach von einem "riesigen Schlag" für die Aids-Community. Es sei ein "großer Verlust" für die Unterstützung von Menschen mit HIV, so der Bochumer Forscher. Das Unglück werde den internationalen Kongress in Melbourne "dramatisch überschatten". Die Auswirkungen des Unglücks seien noch nicht zu ermessen. Der Verlust der Aids-Aktivisten werde in den betroffenen Ländern "Spuren hinterlassen".

Die detaillierte Passagierliste will Malaysia Airlines erst bekannt geben, wenn die Angehörigen aller Opfer ausfindig gemacht und informiert wurden. Die Welt-Aids-Konferenz teilte mit, sie sei noch dabei zu klären, wer unter den Verunglückten in Zusammenhang mit der Konferenz steht.

Stattfinden soll das Treffen dennoch. Im Gedenken an die Hingabe der verunglückten Kollegen im Kampf gegen Aids habe man beschlossen, die Konferenz abzuhalten, so die Veranstalter. 12.000 Teilnehmer werden dann die jüngsten Forschungsergebnisse und Entwicklungen um den tödlichen HI-Virus diskutieren.

Nach Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines waren insgesamt 298 Insassen an Bord des Flugs MH17. Neben 189 Niederländern sollen vier Deutsche, 27 Australier, 44 Malaysier, 12 Indonesier, neun Briten, vier Belgier, drei Philippiner, ein Kanadier und ein Neuseeländer zu den Opfern gehören. Die Nationalität vier weiterer Passagiere war noch unklar. Das belgische Außenministerium teilte mit, dass nicht vier, sondern fünf Belgier an Bord der Maschine gewesen seien.

jme/dpa/afp

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insgesamt 15 Beiträge
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hschmitter 18.07.2014
1. Reicht
Die Katastrophe bzw. der Abschuß sind schlimm genug. Nun muß man nicht quotengeil zwischen dramatisch und besonders dramatisch unterscheiden.
der.tommy 18.07.2014
2. @hschmitter
Das macht auch gar keiner. Der Verlust von so vielen Spezialisten auf dem Gebiet ist ungeachtet des Zusammenhangs eine wichtige Meldung. Der Artikel zeigt zur, wie insgesamt sinnlos dieser Konflikt ist und welche weitreichenden Konsequenzen er hat.
zzyzzx 18.07.2014
3. Warum
Zitat von hschmitterDie Katastrophe bzw. der Abschuß sind schlimm genug. Nun muß man nicht quotengeil zwischen dramatisch und besonders dramatisch unterscheiden.
ist die Berichterstattung über einen schweren Schlag für die AIDS Forschung quotengeil?
kussst 18.07.2014
4. Aids?
es gibt einen Filmproduzenten, der sich mit dem Thema 6 Jahre lang beschäftigte und was kam heraus? http://www.youtube.com/watch?v=3H8kmwK2UrI Deshalb glaube ich nicht, daß hier irgendwas abhanden gekommen ist. Ein "Heilmittel" gegen AIDS - haha.
der.tommy 18.07.2014
5. @kussst
Oh wenn sich ein Filmproduzent damit beschäftigt, dann muss das ja alles ausgesprochen wissenschaftlich fundiert sein. Haben sie über dessen Meinung reflektiert? Quergelesen? Wissen sie wie ein retrovirus funktioniert und wie schwierig es deshalb ist ihn aus dem Körper zu bekommen?
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