Aids-Studie Billig-Arznei halbiert Todesrate unter HIV-Kindern

Eine Aids-Studie in Afrika ist wegen eines sensationellen Ergebnisses vorzeitig beendet worden. Ein einfaches und billiges Antibiotikum senkt die Sterberate unter HIV-positiven Kindern fast um die Hälfte.


Aidskrankes Kind: Einfaches Antibiotikum kann das Leben deutlich verlängern
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Aidskrankes Kind: Einfaches Antibiotikum kann das Leben deutlich verlängern

London - Jeden Tag sterben weltweit bis zu 1300 Kinder an den Folgen ihrer Aids-Erkrankung, die meisten von ihnen in Afrika. Ein Team des Londoner Medical Research Council hat jetzt ein einfaches Antibiotikum an HIV-infizierten Kindern in Sambia getestet. Das Ergebnis, sollte es sich bestätigen, wäre sensationell: Das Medikament Cotrimoxazol hat die Sterblichkeit unter den infizierten Kindern nahezu halbiert, heißt es in einem Artikel im renommierten Fachblatt "The Lancet" (Ausg. 364, S. 1865).

Die Weltgesundheitsorganisation hat bereits angekündigt, auf Basis der neuen Erkenntnisse generell zum Einsatz des Antibiotikums zu raten. Die britische Regierung sprach von einem medizinischen Durchbruch.

Sterberate drastisch reduziert

Diana Gibb und ihre Kollegen hatten ihre Untersuchung an 541 Kindern durchgeführt, die zwischen einem und 14 Jahre alt waren und HIV-Symptome zeigten. Eine Hälfte der Kinder hatte täglich Cotrimoxazol bekommen, die andere ein Placebo. Als die Mediziner nach etwa 19 Monaten die Kinder erneut untersuchten, stellten sie Erstaunliches fest: 42 Prozent der Placebo-Empfänger, aber nur etwa ein Viertel der mit Cotrimoxazol behandelten Kinder waren gestorben. Die Studie wurde daraufhin vorzeitig beendet, um die Ergebnisse so schnell wie möglich zu veröffentlichen.

Aids zerstört das Immunsystem des Körpers und nimmt ihm so den Schutz vor einer Reihe lebensbedrohlicher Krankheiten wie Tuberkulose oder Lungenentzündung. Cotrimoxazol kann in einer Umgebung, in der zahlreiche Krankheitserreger lauern, offenbar eine stark schützende Wirkung haben. Die Bedeutung der Studie erhöht sich noch aufgrund der Tatsache, dass in Sambia Resistenzen gegenüber vielen gängigen Antibiotika verbreitet sind.

WHO ändert Empfehlungen

Gibb und ihre Kollegen sind überzeugt, dass Cotrimoxazol auf breiter Front bei Kindern mit HIV-Verdacht eingesetzt werden sollte, zumal die Behandlung pro Kind nur zehn US-Dollar jährlich koste. "Wir glauben, dass sich unsere Ergebnisse verallgemeinern lassen", sagte Gibb. "Demnach lässt sich für sämtliche Kinder mit klinischen Symptomen einer HIV-Infektion in Afrika eine Schlussfolgerung ziehen: Sie alle sollten eine Cotrimoxazol-Prophylaxe erhalten." Dies solle unabhängig vom Alter der Kinder und ihrer CD4-Zahl geschehen, die Auskunft über eine mögliche HIV-Infektion gibt.

Die Weltgesundheitsorganisation hat sich dieser Meinung bereits angeschlossen. "Das sind tolle Neuigkeiten für HIV-infizierte Kinder", sagte Siobhan Crowley von der Aids- und HIV-Abteilung der WHO. "Im Licht dieser Erkenntnisse werden wir unsere derzeitigen Empfehlungen ändern und die Verwendung von Cotrimoxazol dringend empfehlen."

Bessere Therapien zu teuer für afrikanische Länder

Die britische Entwicklungshilfe-Ministerin Hilary Benn äußerte sich gegenüber der BBC begeistert über die Studie. "Das ist ein Durchbruch in der medizinischen Forschung, der Kindern in aller Welt das Leben retten könnte."

Das Antibiotikum dürfe allerdings nicht als Ersatz für antiretrovirale Therapien angesehen werden, warnt Crowley. "Es kann nicht entweder oder heißen." Antiretrovirale Therapien können die Todesrate unter HIV-Infizierten um bis zu 80 Prozent senken. Sie sind aber mit Kosten von mehreren hundert Dollar jährlich pro Person für viele afrikanische Länder zu teuer und werden deshalb auch bei Kindern nicht auf breiter Basis eingesetzt.

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