AKW Brunsbüttel Bergung löchriger Atommüllfässer hat begonnen

Der Energiekonzern Vattenfall hat die ersten zwei beschädigten Atommüllfässer aus dem Atomkraftwerk Brunsbüttel geholt. Die Bergung der verbliebenen Behälter wird Jahre dauern.

Atommüllfass im Atomkraftwerk Brunsbüttel
DPA

Atommüllfass im Atomkraftwerk Brunsbüttel


Im abgeschalteten Atomkraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein hat am Montag die Bergung von teils stark verrosteten Fässern mit schwach- bis mittelradioaktivem Abfall begonnen. Der erste Behälter sei am späten Vormittag mit einem dafür entwickelten Spezialgreifer per Fernbedienung aus einem unterirdischen Lagerraum herausgeholt worden, sagte eine Sprecherin des Betreibers Vattenfall. Weitere sollten im Laufe des Tages folgen. Letztlich blieb es am Montag einer Sprecherin zufolge bei zwei Fässern.

Von insgesamt 632 Fässern, die zum Teil seit vielen Jahren in sechs mit Betondeckeln abgeschirmten Kavernen lagerten, sind mindestens 150 zum Teil schwer beschädigt. Vor vier Jahren wurde das erste Rostfass entdeckt. Die Bergungsaktion im Kontrollbereich des Kraftwerks soll etwa drei Jahre dauern. Die Fässer werden mit ferngesteuerten Kränen geborgen. Bis zu einem späteren Abtransport in ein Endlager sollen die Behälter in Brunsbüttel oberirdisch sicher verwahrt werden.

Eine Gefahr für Menschen oder Umwelt besteht nach Angaben des schleswig-holsteinischen Energiewendeministeriums nicht. Die Kavernen schließen die radioaktive Strahlung im Inneren grundsätzlich sicher ein, während der Bergung der Fässer gelten weitere besondere Sicherheitsvorkehrungen.

Bei der Öffnung der Kavernen 2 und 4 wurden laut Vattenfall keine erhöhten Feuchtigkeitswerte festgestellt. Auch die Strahlenmessung habe keinen erhöhten Wert gezeigt. Die Leerung beider Kavernen mit zusammen 188 Fässern soll Ende Oktober abgeschlossen werden.

"Mit der heute begonnen Bergung der Fässer wird das letzte Kapitel einer unrühmlichen Geschichte geschrieben", kommentierte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne). "Die Fehler der Vergangenheit sind jetzt korrigiert. Wir haben für den Umgang mit schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen stärkere Sicherungsmechanismen eingezogen." Es sei gut, wenn die Kavernen schließlich geleert und die Fassinhalte sicher verpackt sein werden. "Das muss so schnell wie möglich gehen, der Strahlenschutz für die Mitarbeiter geht aber immer vor", so Habeck.

Endlager in Schacht Konrad noch nicht in Betrieb

Die Fässer enthalten vor allem Abfälle aus der Abwasseraufbereitung und aus den Prozesskreisläufen des Kraftwerks, das seit 2007 nach diversen technischen Pannen keinen Strom mehr liefert. Den Grund für die Schäden an den Fässern sieht das für die Atomaufsicht zuständige Ministerium in einer zu hohen Restfeuchtigkeit der gelagerten Stoffe. Bei den Abfällen handelt es sich um Filterharze, mit denen das Wasser in den Kreisläufen so rein wie möglich gehalten wurden, und um Verdampferkonzentrate, getrocknete Rückstände aus der Abwasseraufbereitung.

Die Fässer mit Filterkonzentrat werden über einen in einem speziellen Schutzraum stehenden Portalkran zu einer Pulverharz-Umsauganlage gebracht, wo der Inhalt aus den Fässern in endlagerfähige Container umgesaugt wird. Die Fässer mit Verdampferkonzentrat werden in einer Trocknungsanlage nachgetrocknet und samt Fass in endlagerfähige Container gestellt. Gut zwei Millionen Euro kostet die Fässerbergung laut Geschäftsführer Pieter Wasmuth den Betreiber Vattenfall zusätzlich.

Die Kavernen und Fässer waren ursprünglich nicht für eine längerfristige Aufbewahrung vorgesehen. Sie sollten eigentlich längst nach Schacht Konrad (Niedersachsen) in ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden, dessen Inbetriebnahme bis Ende der 90er Jahre vorgesehen war. Dieses Lager steht immer noch nicht zur Verfügung: Derzeit rechnet das Bundesumweltministerium mit einem Start zwischen 2021 und 2025.

jme/dpa/AFP

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