AKW Brunsbüttel Prüfer entdecken zu große Dübel-Bohrungen

Neues Problem im Kernkraftwerk Brunsbüttel: Bei einer Inspektion der Sicherheitssysteme fanden Prüfer der Atomaufsicht zu große Dübelbohrungen. Sie werden genutzt, um Rohrleitungen zu befestigen. Erst wenn der Mangel beseitigt ist, darf der Reaktor wieder ans Netz.


Kiel - Die Meldungen über Probleme im schleswig-holsteinischen Kernkraftwerk Brunsbüttel reißen nicht ab. Bei einer Überprüfung im Sicherheitssystem wurden Abweichungen an Dübelplatten festgestellt, wie das zuständige Sozialministerium am heutigen Donnerstag in Kiel mitteilte. Bei Dübelplatten, mit denen Rohrleitungen am Bauwerk befestigt werden, seien zu große Bohrungen entdeckt worden. Der Betreiber habe mit Arbeiten an den mangelhaften Platten begonnen und überprüfe weitere Platten. Der Reaktor bleibe solange vom Netz getrennt, hieß es aus Kiel.

Die fehlerhaften Bohrungen wurden nach Angaben des Ministeriums bei einer von der Atomaufsicht veranlassten Überprüfung von Dübeln im Sicherheitssystem gefunden. Eine derartige Überprüfung der Dübelverbindungen sei Teil eines Programms, das im Zusammenhang mit Ereignissen in den Kernkraftwerken im hessischen Biblis aufgelegt worden sei und seit Oktober 2006 laufe.

Brunsbüttel war am Mittwochmorgen zum dritten Mal innerhalb von drei Wochen unplanmäßig heruntergefahren worden, weil Auffälligkeiten in Ölleitungen mit einem Ölwechsel behoben werden mussten.

Ebenfalls am Mittwoch hatte das Kieler Sozialministerium eine Mängelliste des AKW Brunsbüttel veröffentlicht, deren Publikation der Kraftwerksbetreiber Vattenfall mit einer Klage verhindert hatte. Nach Zählweise der schleswig-holsteinischen Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) waren es 707 offene Punkte, die Ende Juni 2006 noch auf der Mängelliste des alternden Atommeilers standen. Die Liste ist Ergebnis der sogenannten Periodischen Sicherheitsanalyse (PSÜ) des Kraftwerks aus dem Jahr 2001. Ein Ministeriumssprecher sagte SPIEGEL ONLINE, bis zum jetzigen Zeitpunkt seien nicht alle aufgelisteten Mängel abgearbeitet.

185 Defizite der Liste zählten zur Kategorie 2 ("Nachweisdefizit: Kurzfristig zu beseitigen"), teilte das Ministerium mit. Zu jedem einzelnen Punkt hätte der Betreiber Unterlagen eingereicht, um zu zeigen, dass der Mangel behoben sei, sagte Christian Kohl vom Kieler Sozialministerium zu SPIEGEL ONLINE. Oft genügte dies der Aufsicht aber nicht. Immerhin hätten die Gutachter mittlerweile mehr als 100 Punkte der insgesamt 185 abschließen können. Alle übrigen sollten bis zum 30. September geregelt werden, die Defizite der niedrigeren Kategorien 3 und 4 bis Ende des Jahres.

Dem Kieler Sozialausschuss legte Trauernicht am heutigen Donnerstag einen Zwischenbericht über die Störfälle und Pannen in den AKW Krümmel und Brunsbüttel vor. Darin wirft sie dem Betreiber erneut vor, er habe Informationen zunächst nur auf Druck des Ministeriums veröffentlicht. Auch hätten die Pressemitteilungen von Vattenfall Darstellungen enthalten, "die dem Betreiber zu dem Zeitpunkt als falsch bekannt gewesen sein müssen".

Die Ministerin hatte sich heute vormittag mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel getroffen, um über die Sicherheitsprobleme der Kraftwerke zu sprechen. Trauernicht habe Ton- oder Videoaufnahmen im Leitstand vorgeschlagen, um nach künftigen Störfällen mit deren Hilfe den Ablauf analysieren zu können. Bei der Aufklärung der Schnellabschaltung des AKW Krümmel nach einem Trafo-Brand hatte Vattenfall zunächst verweigert, dass die beteiligten Mitarbeiter durch die Atomaufsicht befragt werden.

hda/AP



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