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Alarmierende Zahlen: US-Ärzte melden starken Anstieg junger Schlaganfall-Opfer

US-amerikanische Mediziner müssen immer häufiger junge Menschen mit Schlaganfall behandeln: Die Ärzte berichten von einem alarmierenden Anstieg der Fälle bei unter 35-Jährigen. Die Ursache für den Trend scheint eindeutig.

Krankenwagen in New York (Oktober 2008): "Es ist auf jeden Fall alarmierend." Zur Großansicht
AP

Krankenwagen in New York (Oktober 2008): "Es ist auf jeden Fall alarmierend."

Die Zahl der Schlaganfälle junger Amerikaner ist in den vergangenen Jahren akut angestiegen. Das haben Mediziner auf einem Kongress der American Heart Association in Los Angeles erklärt. Sie beziehen sich dabei auf die erste Studie, die Schlaganfallzahlen landesweit nach dem Alter der Patienten aufschlüsselt. Experten gehen davon aus, dass die Zunahme der Erkrankungen eine Folge der grassierenden Fettsuchtepidemie sein könnte.

Forscher der U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hatten Krankenhausstatistiken aus den Jahren 1994/1995 mit denen der Jahre 2006/2007 verglichen. Die Daten stammten aus 41 Bundesstaaten und umfassten etwa acht Millionen Fälle pro Jahr. Absolute Angaben, die den Anstieg der Schlaganfälle belegen, liefern die Forscher allerdings nicht. Sie arbeiten stattdessen mit relativen Fallzahlen. Im konkreten Fall ist das die Zahl der Schlaganfallpatienten bezogen auf 10.000 Krankenhauseinweisungen.

Dabei zeigte sich, dass vor allem in der Gruppe der Männer zwischen 15 und 34 die Zahl der Schlaganfälle relativ gesehen gestiegen war - und zwar um 51 Prozent. Auch bei Frauen dieser Altersgruppe haben es einen Anstieg gegeben, berichteten die Forscher. Er fiel mit 47 Prozent etwas geringer aus.

"Es ist auf jeden Fall alarmierend", sagt Ralph Sacco von der University of Miami (US-Bundesstaat Florida). Der Neurologe leitet die American Heart Association. Mediziner hätten bereits seit einiger Zeit befürchtet, dass die zunehmende Fettsucht bei Kindern und jungen Erwachsenen für mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle sorgen könnte. Das sei nun möglicherweise tatsächlich der Fall.

Nach wie vor ist der Schlaganfall allerdings vor allem ein Leiden der Alten. In der Gruppe der mehr als 65-Jährigen entfielen auf 10.000 Krankenhauseinweisungen beinahe 300 Schlaganfälle. Zum Vergleich: Bei den jungen Männern zwischen 15 und 34 Jahren, also in der Gruppe mit den massiv steigenden Fallzahlen, waren es 15. Und bei den jungen Frauen waren nur vier von 10.000 Neuankömmlingen im Krankenhaus Opfer eines Schlaganfalls geworden.

Positive Signale bei Älteren

Interessant ist aber der Trend: Während die relativen Fallzahlen bei den jüngeren steigen, nehmen sie bei älteren Amerikanern ab. Bei den Männern über 65 gab es einen Rückgang um 25 Prozent, bei den Frauen um 28 Prozent. Die Mediziner gehen davon aus, dass sich hier bessere Prävention und die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck positiv auswirken.

Jeffrey Saver von der University of California at Los Angeles erklärte, dass der Schlaganfall US-weit auf der Liste der wichtigsten Todesursachen wohl von Platz drei auf Platz vier abgerutscht sei. Er hatte Totenscheine des Jahres 2007 ausgewertet. Doch der Anstieg der Fälle um die Lebensmitte sei beunruhigend, sagte Saver. Man habe auch in seinem Krankenhaus immer öfter mit Schlaganfällen bei jüngeren Menschen zu tun. Schuld seien hoher Blutdruck und verstopfte Arterien.

Neben den klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Blutdruckproblemen diskutierten die Forscher auf dem Kongress auch über eine mögliche weitere Gefahr: Eine vorläufige Studie an 2500 Probanden in und um New York lässt Forscher um Hannah Gardener von der University of Miami (US-Bundesstaat Florida) vermuten, dass zuckerfreie Getränke möglicherweise für ein höheres Schlaganfallrisiko sorgen könnten.

Tägliche Konsumenten solcher kalorienreduzierter Getränke hätten innerhalb eines zehnjährigen Betrachtungszeitraums ein 48 Prozent höheres Schlaganfallrisiko gehabt als Menschen, die überhaupt keine Softdrinks zu sich nahmen. Dabei berücksichtigten die Forscher Unterschiede bei den übrigen Risikofaktoren. Erklären können sie sich den Effekt einstweilen nicht.

chs/AP

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