Alarmierender Bericht: Mangelnde Krankenhaus-Hygiene tötet Tausende

Krank durchs Krankenhaus: Jährlich gibt es rund 800.000 vermeidbare Infektionen in Kliniken, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene. 20.000 Menschen sterben jedes Jahr infolge mangelnder Hygiene. Dabei wäre das Problem einfach zu lösen: durch häufigeres Händewaschen.

Multiresistente Keime sind ein großes Problem in Krankenhäusern geworden. Immer wieder infizieren sich Patienten dort mit den Erregern, die mittlerweile gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind. Ein Grund ist mangelnde Hygiene.

Ärzte: Mangelnde Hygiene führt zu vermeidbaren Infektionen
DPA

Ärzte: Mangelnde Hygiene führt zu vermeidbaren Infektionen

Zur Verbesserung des Patientenschutzes will die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) gemeinsam mit dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen und dem Berufsverband Deutscher Hygieniker die Krankenhausbelegschaften zu häufigerem Händewaschen animieren.

Die Belegschaften würden sich etwa nur zehn Mal pro Tag die Hände desinfizieren, kritisierte DGKH-Vorstandsmitglied Walter Popp. Mindestens dreißig Mal pro Tag wären jedoch notwendig. Auch die Handschuhe müssten kontinuierlich gewechselt werden, forderte er. Damit könnten Infektionen vermieden werden.

Mit Kampagnen wie der " Aktion Saubere Hände" versucht man dem Problem schon seit langem beizukommen - nicht nur auf nationaler Ebene: Auch die WHO hat im Jahr 2005 die weltweite Kampagne " Clean care is safer care" gestartet und die Verbreitung effektiver Maßnahmen zur Händehygiene als eines von fünf vorrangigen Zielen zur Erhöhung der Patientensicherheit genannt. In verschiedenen Ländern wie zum Beispiel den USA, England und Wales, der Schweiz und in Kanada wurden bereits umfangreiche Initiativen zur Verbesserung der Infektionsprävention eingeleitet.

Witzig gestaltete Videospots sollen die Krankenhausmitarbeiter nun zum Händewaschen ermahnen. Außerdem sollten die Belegschaften mit Newslettern, Wissenstests und Erinnerungs-E-Mails ständig informiert und kontinuierlich auf das Problem aufmerksam gemacht werden, sagte Jörg Ansorg vom Berufsverband der Deutschen Chirurgen.

Das Problem würde dadurch verschärft, dass 13 Bundesländer keine verbindliche Regelung für die Krankenhaushygiene geschaffen hätten, erklärte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Hygieniker, Klaus-Dieter Zastrow. 80 Prozent aller deutschen Krankenhäuser verfügten über keine speziell ausgebildeten Hygieniker, die sich ausschließlich um die Sauberkeit kümmerten. Er forderte die Landespolitik auf, verbindliche Verordnungen zu schaffen.

In Berlin, Bremen und Sachsen gebe es bereits eine entsprechende Hygiene-Verordnung, erklärte Zastrow. Dort sei auch die Zahl der Infektionen geringer als in den übrigen Bundesländern. Es gebe zwar bundesweite Hygiene-Richtlinien, die jedoch nicht umgesetzt würden. Sogar die Niederlande und Dänemark hätten die deutschen Richtlinien inzwischen übernommen. Dort würden die Regeln vor allem auch befolgt.

lub/AP

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