Kunstprojekt Schreiben wie Albert Einstein

Tausende Seiten Text hat Albert Einstein der Nachwelt hinterlassen - viele davon handschriftlich. Ein Künstler aus Frankfurt will aus den elegant geschwungenen Buchstaben eine Schrift für den Computer machen.

Used with permission of the Albert Einstein Archive, the Hebrew University of Jerusalem

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Wer schreibt heute noch mit der Hand? In der Regel tippen wir auf einer Tastatur oder gar auf einem Touchscreen herum. Vor hundert Jahren war das noch ganz anders. Getippt wurde allerhöchstens auf Schreibmaschinen - aber noch viel häufiger verfasste man Texte mit Feder oder Bleistift auf Papier. Auf den heutigen Betrachter wirkt eine geübte Handschrift aus der damaligen Zeit beinahe wie ein Kunstwerk.

Harald Geisler, ein Typografie-Experte aus Frankfurt, will nun die Handschrift Albert Einsteins als Font auf den Computer bringen. Damit ließen sich Texte verfassen, deren Schriftbild so aussieht, als hätte der Begründer der Relativitätstheorie sie selbst zu Papier gebracht. Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat Geisler bereits die 15.000 Dollar eingesammelt, die er für den Start des Projekts benötigt.

Erst Freud, nun Einstein

"Die Idee dazu entstand vor vier, fünf Jahren", sagt Geisler. Das Projekt bewege sich zwischen Kunst und Typografie. "Einstein hat eine ordentliche, sehr klare Schrift." Die Abstände zwischen den Zeilen seien sehr gleichmäßig - auch in seinen Notizbüchern. "Die Schrift ist sehr rund und sehr flüssig."

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Einstein im Original: "Ordentliche, sehr klare Schrift"
Einen Prototypen des Einstein-Fonts gibt es bereits. Geisler will ihn aber noch erweitern und sich das Geld dafür nun durch Crowdfunding beschaffen. Ein ähnliches Projekt mit der Handschrift Sigmund Freuds hat er bereits abgeschlossen.

Acht Varianten eines "a"

Eine Schreibschrift in eine Computerschrift umzuwandeln, soll nach Auskunft des Frankfurter Künstlers sogar noch einfacher sein als eine herkömmliche Druckschrift bestehend aus separaten Buchstaben neu zu entwickeln. "Das detaillierte Einstellen der Abstände zwischen den Buchstaben entfällt komplett", meint Geisler.

Von jedem Buchstaben des Alphabets möchte Geisler acht verschiedene Varianten in seinen Font aufnehmen - jeweils vier Großbuchstaben und vier Kleinbuchstaben. Dies soll ein besonders natürliches Schriftbild ermöglichen, weil beispielsweise nahe beieinander stehende "a" stets unterschiedlich aussehen - so wie bei einer echten Handschrift.

Lizenz für 50 Dollar

Handschriftliche Dokumente Einsteins gibt es zuhauf. Das Einstein Archiv hat Tausende Seiten digitalisiert, die von dem größten Physikgenie des 20. Jahrhunderts stammen.

Für das Projekt hat Geisler bei der Hebrew University Jerusalem die Rechte zur Nutzung der Handschrift erworben. Der Font soll dann kommerziell angeboten werden. Wer sich am Kickstarter-Projekt beteiligt, bekommt eine private Lizenz für 15 Dollar und eine kommerzielle ab 50 Dollar.

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