Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Meuchelmördern auf der Spur

Mord aus Angst um den Thron: Der Sohn von Alexander dem Großen wurde vor der Volljährigkeit gemeuchelt. Nun hoffen Archäologen, das Grab des Jungen und seiner Mutter gefunden zu haben. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: eine alte Festung und prähistorisches Graffiti.

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Das muss verdammt schmerzhaft gewesen sein: Forscher haben mit Hilfe eines Computertomografen die qualvollen letzten Tage eines reichen Ägypters rekonstruieren können. Der junge Mann starb vor rund 2100 Jahren in Theben. Zu dem Zeitpunkt waren seine Zähne voller tiefer Löcher - und an mehreren Stellen eiterten Abzesse vor sich hin. Die Entzündungen in seinem Mund waren so gravierend, dass sie wahrscheinlich auf die Nasennebenhöhlen übergriffen und so letztlich zu seinem Tod führten.

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Archäologie: Schmerzen bis zum Tod
Doch die Forscher um Andrew Wade von der University of Western Ontario fanden nicht nur die Wunden, sondern auch die Spuren einer zahnärztlichen Behandlung. Zwischen zwei Backenzähnen steckte ein kleines Leinenbündel, wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des "International Journal of Paleopathology" berichten. In einen der angrenzenden Molaren hatte der Karies ein tiefes Loch gefressen. Das Leinenpäckchen hielt zum einen Speisereste von dem Loch fern, zum anderen war es wohl auch mit schmerzstillenden Substanzen getränkt - wie zum Beispiel Feigensaft oder Zedernöl.

Über das Leben des Mannes ist nur wenig bekannt. Im Jahr 1859 brachte der Geschäftsmann und Politiker James Ferrier die Mumie ohne Sarkophag nach Montreal. Die sorgfältige Einbalsamierung lässt aber noch den Schluss zu, dass der Mann aus einer wohlhabenden Familie stammte. Zahnprobleme waren im alten Ägypten nicht ungewöhnlich. Schuld daran war das nur grob gemahlene Getreide.

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6 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
artusdanielhoerfeld 14.10.2012
Tiananmen 14.10.2012
martinwind 14.10.2012
VPolitologeV 14.10.2012
M.Suckow 14.10.2012
brandmeister 14.10.2012
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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.