Ägypten Forscher identifizieren Knochen aus Riesensarkophag

Das Geheimnis um einen riesigen schwarzen Sarkophag aus Alexandria ist offenbar gelüftet. Archäologen konnten nun das Geschlecht und das Alter der drei Skelette bestimmen.

AFP PHOTO / Egyptian Ministry of Antiquities

Der Fund war eine Sensation: Im Juli hatten Archäologen bei Bauarbeiten in Alexandria einen 2000 Jahre alten, kolossalen Sarkophag entdeckt. Drei Wochen brauchten sie, um ihn aufzustemmen und fanden schließlich drei Skelette darin. Nun ist klar, die Knochen gehören zu einer Frau, die in einem Alter zwischen 20 und 25 Jahren starb und zu zwei Männern, die zwischen 35 und 45 Jahre alt wurden.

Der Sarkophag aus schwarzem Gestein wiegt 30 Tonnen und misst etwa 2,65 Meter in der Länge sowie 1,85 Meter in der Höhe. Weil in unmittelbarer Nähe auch ein weißer Alabasterkopf freigelegt wurde, vermuteten die Archäologen, dass im Sarkophag die Überreste eines Mannes liegen könnten, der irgendwann zwischen 323 und 30 vor Christus lebte.

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Ägypten: Die Toten aus dem Riesen-Sarg

Wegen der Größe des Sarkophags wurden sogar Spekulationen laut, es könne sich um die Überreste eines Herrschers gehandelt haben, vielleicht sogar um die von Alexander dem Großen.

Das Antiken-Ministerium wies diese Spekulationen bereits vorab zurück. Die neuesten Forschungen bestätigen dies. Zwar stammt der Sarkophag offenbar tatsächlich aus dem Ptolemäerreich und ist mehr als 2000 Jahre alt, aber in ihm wurden keine herausragenden Persönlichkeiten bestattet.

Entsprechende Inschriften fehlten, außerdem fanden sich keine Hinweise auf reiche Grabbeigaben, so die Archäologen. Allerdings stießen sie auf Goldbleche zwischen den Knochen. Welche Bedeutung diese hatten, ist unklar und soll nun weiter untersucht werden.

Im Video: Die Bergung des Riesen-Sarkophags

The Ministry of Antiquities/REUTERS

Bisher gingen die Forscher davon aus, dass es sich bei zumindest einem der Bestatteten um einen Krieger gehandelt haben könnte, da sein Schädel eine eindeutige Verletzung aufwies. Doch nun ist klar: Das Loch im Schädel war offenbar nicht die Todesursache, sondern das Ergebnis einer Operation, bei der der Schädel aufgebohrt wird - eine sogenannte Trepanation.

Der Eingriff gehöre zu den ältesten chirurgischen Operationen und sei bereits seit Jahrtausenden bekannt, sagte Nadia Kheider vom zuständigen ägyptischen Ministerium für Altertümer. "In Ägypten gibt es aber bisher nur wenige Nachweise."

Warum Menschen vor Tausenden Jahren Zentimeter große Löcher in Schädel bohrten, ist heute schwierig zu beantworten. Denkbar ist beispielsweise, dass nach einer schweren Kopfverletzung die Schädeldecke geöffnet wurde, um den Hirndruck zu senken. Außerdem konnten bei dem Eingriff gefährliche Knochensplitter entfernt und die Wundräder geglättet werden, was die Heilungschancen verbessert.

Fest steht: Bereits vor 14.000 Jahren wurden Menschen mit Trepanationen behandelt und erstaunlich viele Patienten überlebten den Eingriff, wie archäologische Funde zeigen. Auch bei dem Mann aus dem schwarzen Riesensarkophag lag die Operation bereits längere Zeit zurück, das beweisen die verheilten Knochenränder.

Die Knochen der Toten sind allerdings in einem eher schlechten Zustand. Der Sarkophag blieb zwar über 2000 Jahre hinweg verschlossen, wie eine Mörtelschicht um den Deckel herum zeigt - eigentlich ein großer Glücksfall. Denn sehr viele Gräber der Antike sind bereits vor Jahrhunderten geplündert worden. Allerdings war Abwasser durch einen Riss in den Sarkophag eingetreten, das die einst mumifizierten Körper nach und nach zersetzte, sodass nur die Knochen übrigblieben.

Weil die Toten übereinander in dem Sarkophag lagen, gehen die Archäologen davon aus, dass sie nacheinander bestattet wurden. Nun wollen sie mithilfe von DNA-Analysen und CT-Scans mehr über die Toten herausfinden, beispielsweise ob sie verwandt waren.

In der Geschichte Ägyptens werden die Ptolemäer nicht zur pharaonischen Zeit gerechnet, sondern zur späteren griechisch-römischen. Die makedonisch-griechische Dynastie gelangte mit Alexander dem Großen im vierten Jahrhundert vor Christus nach Ägypten. Dort war die Planung und der Bau der Hafenstadt Alexandria eines der frühen Werke der Ptolemäer.

koe

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Sissy.Voss 20.08.2018
1. Interessante Vorstellung
Interessante Vorstellung, dass bei aufeinanderfolgenden Bestattungen der schätzungsweise über 10 Tonnen schwere Deckel jeweils abgehoben worden ist. Besonders, wenn der Sarkophag dann schon metertief in einem engen(?) Grab stand. Leider ist bei dem Sensationsgejaule nirgendwo ein Hinweis auf das Grab an sich zu finden. Auf den Bildern scheinen steinerne (Grabein-) Bauten zu sehen sein.
ackermart 20.08.2018
2. Die Fundbefundung ...
wäre an Ignoranz nur zu überbieten, wenn man da unten ein UFO gefunden hätte und sich nur für einen drinnen liegenden Kupfermeißel interessieren täte. Welchen die Aliens mitnehmen wollten, weil sie ihm Wunderkräfte zuschrieben. Schließlich hatten die kaum aus der Steinzeit gekommenen Terrestren damit Granit und sogar Diurit so bearbeiten können, wie sie es mit ihrer Hightech auch nicht besser konnten.
janfred 20.08.2018
3. total falsche Daten
30t = 30000 kg . Wenn der Sarkophag aus Granit wäre und nicht hohl, dann käme bei 2,65m länge und 1,85m höhe eine Breite von 2,18m heraus. Wobei es schonmal unprofessionel ist, nur Länge und Höhe anzugeben, und keine Breite. Wenn ich mir aber das Foto anschaue, dann ist das Verhältnis Länge zu Breite höchstens 1:3. Also mittlere Breite nicht mehr als 90cm. Ich behaupte ganz einfach mal, dass zur Bergung ein 30t Kran verwendet wurde. Was von der größe her ein eher kleinerer mobiler Kranwagen wäre. Irgendeiner der Anwesenden hat dann den Sarkophag mit 30t Gewicht angegeben. Da eine Umrechnung der Angaben mit Hilfe des spezifischen Gewichts z.B. für Granit 2,8 recht einfach ist, Hauptschulniveau, liesst sich der gesamte Bericht mit einem schlechten Beigeschmack.
Freidenker10 20.08.2018
4.
Hatte gehofft das es sich um das Grab von Alexander dem Großen handelt dass wäre der archäologische Oberhammer! Das Grab zu finden ist aus meiner Sicht, vielleicht neben der Bundeslade das größte archäologische Ziel und würde den Finder unsterblich machen!
römer 20.08.2018
5. 30 Tonnen Gewicht?
Nehmen wir mal an, der Sarg wäre etwa 1,5 m breit. Die Höhe wurde mit 1,85 und die Länge mit 2,65 m angegeben. Dann hätten wir ein Voumen von etwa 7,5 Kubikmeter. Wenn wir jetzt mal weiterhin annehmen, dass hier ein Gestein mit hoher Dichte verwendet wurde, beispielsweise Basalt (3,2 g/cm3), dann würde das komplette Teil ohne Berücksichtigung des Hohlraums im Inneren nur ca. 23,5 t wiegen. Auf den Fotos sieht man aber ziemlich viel Hohlraum im Inneren. Daraus schließe ich mal, dass die 30 Tonnen Gewicht nicht so recht recherchiert wurden.
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