Alkoholische Union So betrinkt sich Europa

Besäufnisse gehören in Europa zur Alltagskultur, zeigt eine neue EU-Umfrage unter 25.000 Menschen: Jeder Zehnte, der trinkt, sucht den Vollrausch. Bei Jugendlichen sind es sogar doppelt soviel. SPIEGEL ONLINE zeigt den europäischen Suff-Atlas.


Brüssel - Niemand trinkt mehr. "Europa ist der Kontinent mit dem höchsten Pro-Kopf-Alkoholkonsum in der Welt", stellen die EU-Experten fest. Und es sieht auch nicht so aus, als ob sich das in Zukunft ändern würde. Jedenfalls zeigt eine EU-weite Umfrage, dass Teenager und junge Erwachsene von Zypern bis Lappland, von Irland bis Rumänien und von Portugal bis Lettland in einer Kultur aufwachsen, in der Alkoholkonsum zum Alltag gehört - oft auch der übermäßige.

Jeder fünfte junge Europäer trinkt sich demnach häufig gleich in den Rausch: 19 Prozent der 15- bis 24-jährigen EU-Bürger trinken mindestens fünf Gläser Bier, Wein oder Spirituosen, wenn sie Alkohol konsumieren. Er sei darüber "sehr besorgt", sagte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou. In Europa ist jeder vierte Todesfall bei jungen Männern zwischen 15 und 29 Jahren auf Alkohol zurückzuführen, insgesamt sterben nach Kommissionangaben in der EU alljährlich 195.000 Menschen an den Folgen des Alkoholmissbrauchs.

Die EU-Kommission spricht davon, dass bei acht bis zehn Prozent aller Erkrankungen und Verletzungen bei europäischen Bürgern Alkohol eine Rolle spiele. Von Oktober bis November 2006 hatten Mitarbeiter der Meinungsforschungsfirma TNS deswegen über 25.000 Europäer nach ihren Trinksitten und ihren Vorstellungen zur Alkoholpolitik befragt. Über 1500 der Befragten waren Deutsche. Die Ergebnisse zeichnen ein detailliertes Bild der Konsumgewohnheiten in den einzelnen Ländern (siehe Grafiken).

Und auch die kleine Gruppe der jugendlichen Kampftrinker, die in Deutschland für aufgeregte Debatten sorgt, seit sich ein Berliner Gymnasiast ins Koma getrunken hat, taucht in den Ergebnissen auf: Laut Eurobarometer trinken sechs Prozent der lediglich Fünfzehnjährigen bei Alkoholkonsum mit fünf oder mehr Gläsern bis zum Exzess, immerhin 15 Prozent von ihnen trinken drei bis vier Gläser, wenn sie trinken. Im Durchschnitt jeder fünfte Alkohol-Konsument zwischen 15 und 24 Jahren gab an, sich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken.

Preiserhöhungen würden vor allem Jugendliche abhalten

Im Durchschnitt aller Altersgruppen trinken vor allem die Iren besonders viel auf einmal - rund ein Drittel trinkt für gewöhnlich mindestens fünf Gläser. In Deutschland gaben dies nur fünf Prozent der Befragten an. 60 Prozent der Deutschen dagegen beschränken sich auf ein bis zwei Gläser, aber auch hier trinken 15 Prozent drei bis vier Gläser. Damit landete Deutschland unter den alten 25 EU-Mitgliedstaaten auf dem 19. Platz. Die wenigsten Rauschtrinker gibt es demnach in Italien.

Im europaweiten Durchschnitt ist jeder Zehnte ein Rauschtrinker, so die EU-Kommission. Sortiert nach Berufsgruppen konsumieren Rentner und Hausfrauen beziehungsweise -männer am wenigsten Alkohol auf einmal - Arbeitslose, Studenten und Arbeiter dagegen am meisten.

Auch die Haltung der EU-Bürger zu Verboten und Warnhinweisen erfragten die Meinungsforscher: Höhere Alkoholsteuern könnten der Umfrage zufolge wohl nur bei Jüngeren den Konsum wesentlich senken. Knapp die Hälfte von ihnen gab an, bei einer Preiserhöhung von 25 Prozent weniger Alkohol zu trinken. In der Gesamtbevölkerung waren dies nur 33 Prozent.

Mehr als drei Viertel der Befragten befürworteten die Einführung von Warnhinweisen auf Alkoholflaschen und in der Werbung, um Jugendliche, Schwangere und Autofahrer auf die Gefahren des Alkoholkonsums hinzuweisen. Im vergangenen Herbst hatten Pläne der EU-Kommission für Warnhinweise und eine Einschränkung der Alkoholwerbung bei der Alkohol- und Werbewirtschaft für wütende Proteste. Daraufhin tauchten diese Ideen in dem letztlich vorgelegten EU-Strategiepapier nicht mehr als ausdrückliche Forderung auf.

stx/AFP/rtr

Forum - Alkoholverbot für Jugendliche?
insgesamt 1595 Beiträge
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Seite 1
inci 10.03.2007
1.
---Zitat von sysop--- Saufen bis der Arzt kommt - der Trend nimmt unter Jugendlichen in ganz Deutschland zu. Hilft nur ein Alkoholverbot? ---Zitatende--- das ist eher ein ganz "alter" trend, auch ich und meine freunde haben in teeniezeiten dem alkohol gelegentlich recht heftig zugesprochen, und das nicht nur während des karnevals. die in den letzten tagen und wochen hochgekochte dringlichkeit ist lediglich phase I in der strategie von herrn kyprianou, europas bürger dank gesundheitskontrolle unsterblich zu machen. und wie man sieht, haben wir schon die diskussion zu dem thema.
Roller, 10.03.2007
2.
---Zitat von sysop--- Saufen bis der Arzt kommt - der Trend nimmt unter Jugendlichen in ganz Deutschland zu. Hilft nur ein Alkoholverbot? ---Zitatende--- Wie man aus der Vergangenheit weiss, sind Verbote nicht sehr effektiv. Warum stellt man nicht erstmal die Alkohol Werbung ein und verhindert gesetzlich, dass Jugendliche ab 16 sich legal mit Bier besaufen koennen? Es kann doch auch nicht sein, dass nachmittags das Kinderprogramm mit Alkoholwerbung zugepflastert wird. An Hand der Gesetze kann man doch schon sehen, wer in Deutschland das Sagen hat: Autoindustrie,Pharmaindustrie und Jägermeister + Co. Gruss Roller
GeneralPatton, 10.03.2007
3.
Sowas gabs doch schonmal in den 30ern. Da hatte es auch nicht geholfen, ja sogar einige ziemlich üble Nebeneffekte. Verbote helfen da gar nichts. Ich trink ja selber auch hin und wieder gerne einen über den Durst, aber dann gehts mir am nächsten Tag beschissen und ich halt mich für die nächste Zeit davon fern. Scheint fast so als sei manchen Menschen in dieser Hinsicht der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen.
vaikl 10.03.2007
4.
Es gibt 2 Alternativen zum Alkoholverbot: 1.) Man überlässt diese vollhorstigen Komasäufer sich selbst, leistet weder Erste Hilfe noch Therapie und bittet die Eltern/Angehörigen wg. der Sekundärschäden zur Kasse oder 2.) Man bürdet *alle* primären und sekundären Kosten, die der Gesellschaft aufgrund von ärtzlicher Notfallversorgung, Blockierung von Notfallaufnahmeplätzen, Krankenhausbetten und Therapieplätzen, Unfallschäden, Versorgung von Verkehrsopfern, polizeilichen Ermittlungen und Gerichtskosten entstehen, den Komasäufern *allein* auf, weil man in solchen Fällen nicht mehr auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren darf.
JoergB, 10.03.2007
5.
Ja genau, sofort alles verbieten was einem irgendwie Kopfzerbrechen bereitet. Das ist am einfachsten...
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