Allergien: Landkinder sind gesünder

Von Doris Marszk

Kinder, die auf dem Lande mit Kühen, Schweinen und Federvieh aufgewachsen sind, haben größere Chancen, von Allergien verschont zu bleiben, als Stadtkinder.

DPA

Eine Studie, die Josef Riedler vom Kinder-Hospital Salzburg am Montag auf der 9. Tagung der European Respiratory Society (ERS) in Madrid vorgestellt hat, untersucht die Unterschiede in der Allergieanfälligkeit zwischen Stadt- und Landkindern. Riedler und seine Kollegen befragten die Eltern von 2283 österreichischen Kindern im Alter zwischen 8 und 10 Jahren über die Lebensumstände und über eventuelle allergische Erkrankungen der Kinder. An 1137 dieser Kinder wurden überdies Hauttests vorgenommen, die die Überempfindlichkeit gegenüber bis zu sieben Stoffen zeigen konnten.

Kinder, die auf Bauernhöfen lebten, waren dreimal weniger anfällig für Heuschnupfen als Kinder aus der Stadt, stellten die Wissenschaftler nach Durchsicht der Daten fest (3,1 Prozent Bauernkinder mit Heuschnupfen gegenüber 10,3 Prozent Stadtkindern mit Heuschnupfen). Noch deutlicher fiel das Ergebnis bei Asthmatikern aus: Nur 1,1 Prozent der Kinder, die im Viehstall aus und ein gingen, litt an Asthma, dagegen 3,9 Prozent der Stadtkinder. Riedler wollte jedoch noch wissen, ob ein Kind wirklich auf einem Bauernhof leben musste, um von Allergien verschont zu bleiben, oder ob nicht vielleicht ein regelmäßiger Urlaub auf dem Bauernhof die gleiche Wirkung hätte. Tatsächlich zeigten die Daten, dass Kinder sich nur häufig im Stall bei Kühen, Schweinen und Hühnern herumtreiben müssen, um ihre Allergieanfälligkeit zu senken.

Warum das so ist, kann auch Riedler noch nicht endgültig erklären. Seine Vermutung ist, dass eine Immuntoleranz entwickelt wird oder die Stimulation von Zellen, die für die Immunabwehr zuständig sind, hervorgerufen wird, wenn der Organismus intensiver bakteriellen Antigenen in Ställen ausgesetzt ist.

Der norwegische Professor Kai-Håkon Carlsen, Direktor der ERS Pediatric Assembly, will jedoch noch nicht über die neuen Ergebnisse frohlocken: "Frühere Studien haben gezeigt, dass ein früher Allergen-Kontakt (während des ersten Lebensjahres) für eine Allergie im späteren Leben anfällig macht. Das ist sowohl für Pollen als auch für Tierschuppen berichtet worden. Im Licht der aktuellen Studie gilt es jetzt herauszufinden, ob es bakterielle Produkte oder Antigene in den Ställen gibt, die bei Kindern, die auf dem Lande aufgewachsen sind, eine Schutzwirkung gegen eine spätere Überempfindlichkeit entfalten. Es sollte aber auch nicht vergessen werden, dass Kinder, die eine Allergie gegen Katzen oder Hunde entwickelt haben, von diesen Tieren möglichst fern gehalten werden müssen, um eine ernstere Erkrankung zu verhindern."

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