Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Altägypten: Mumien-Zehe soll älteste Prothese der Welt sein

Archäologen in Ägypten haben eine Zehe aus Leder und Holz gefunden - als künstliches Körperteil an einer Mumie. Sie ist womöglich die älteste von Menschen angefertigte Prothese. Nun wollen britische Forscher einen Nachbau mit Freiwilligen testen, denen eine Zehe fehlt.

Das Artefakt ist im Ägyptischen Museum von Kairo zu sehen: Es steckt am Fuß einer mumifizierten Frau, die im Alter von 50 bis 60 Jahren gestorben ist. Forscher datieren das Alter der Ersatzzehe aus Leder und Holz auf 2600 bis 3000 Jahre.

Kairo-Zehe: Noch ist unklar, ob es sich um eine Prothese handelt
AFP / University of Manchester

Kairo-Zehe: Noch ist unklar, ob es sich um eine Prothese handelt

Die älteste bis dato bekannte Prothese ist erst 300 vor Christus gebaut worden. Womöglich handelt es sich bei der großen Zehe im Ägyptischen Museum also um einen noch älteren Gliedersatz, der das Laufen erleichterte. Forscher der University of Manchester wollen dies nun in einem Test mit Freiwilligen untersuchen, denen früher eine Zehe amputiert werden musste.

Zudem gibt es noch eine zweite aus Ägypten stammende große Zehe, die im British Museum in London ausgestellt wird. Obwohl hier die Mumie des einstigen Trägers fehlt, soll auch sie genauer untersucht werden. Forscher wollen von beiden Zehen Nachbauten anfertigen.

"Am ehesten hat wohl die Kairo-Zehe funktioniert", sagte die Ägyptologin Jacky Finch. Sie sei gut geformt, habe Tragespuren und sei immer noch am Fuß einer Mumie befestigt gewesen. "Die Amputation ist zudem gut abgeheilt."

Die im British Museum ausgestellte Zehe trägt den Namen Greville Grester Great Toe - nach dem Namen des Mannes, der sie 1881 für das Museum erworben hatte. Sie besteht aus Papier, Leinen und Leim. Auch sie zeigt Gebrauchsspuren. Beide Zehen wurden also offensichtlich nicht nur aus rituellen Gründen nach dem Tod am Fuß befestigt.

Allerdings lässt sich die Londoner Zehe im Unterschied zu der aus Kairo nicht knicken. Sie könnte deshalb eher kosmetischen Zwecken gedient haben, vermuten die Forscher. Tests am Human Performance Laboratory der University of Salford sollen nun klären, ob die Zehen tatsächlich als Prothese zu gebrauchen waren - ob also ihre Träger damit hätten laufen können.

hda

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: