Alte Werkzeuge Europäer benutzen Faustkeile schon seit 900.000 Jahren

Forscher haben zwei der ältesten bekannten Faustkeile Europas neu datiert - und eine Überraschung erlebt: Die Werkzeuge sind viel älter als bisher vermutet. Damit könnte ein altes Rätsel über frühe Kontakte zwischen Afrika und Europa gelöst sein.

Michael Walker

Der Faustkeil wird in Europa schon sehr viel länger benutzt als bisher gedacht. Das zweischneidige Werkzeug seit bereits vor rund 900.000 Jahren auf dem Kontinent aufgetaucht, stellten Wissenschaftler der University of California in Berkeley fest. Die ältesten bekannten Faustkeile Europas, die im Süden Spaniens entdeckt wurden, stammen demnach aus dem Altpleistozän, das vor 1,8 Millionen Jahren begann und vor rund 781.000 Jahren endete.

Bislang hatten Forscher europäische Faustkeile nur auf 500.000 Jahre zurückdatieren können. Es war aber unklar, warum das Werkzeug in Afrika schon seit eineinhalb Millionen Jahren bekannt war und Frühmenschen in Europa es erst viel später einsetzten. Auch im Nahen Osten und Asien waren Faustkeile schon früh verbreitet.

Gary Scott und Luis Gibert haben die Werkzeuge nun mit Hilfe der sogenannten Magnetostratigrafie untersucht. Durch den Vergleich der magnetischen Ausrichtung feiner Strukturen im Material mit Daten aus der Untersuchung bekannter Gesteinsformationen konnten die Forscher die Fundstücke zeitlich einordnen. In die Auswertung flossen zudem Daten aus fossilen Tierknochen ein, die an den beiden Fundstellen entdeckt worden waren. Dabei habe sich bei einer Fundstelle ein Alter von 760.000 Jahren, bei der zweiten sogar eines von 900.000 Jahren ergeben, schreiben die Forscher im Fachblatt schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature".

Dies zeige, dass die Entwicklungsunterschiede zwischen Afrika und Europa in dieser Zeit geringer waren und es wohl durchaus einen Transfer von Afrika nach Europa gegeben haben könnte.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund von Übersetzungsfehlern der Nachrichtenagenturen AFP und ddp war an dieser Stelle zuvor fälschlicherweise von Äxten statt von Faustkeilen die Rede. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

mbe/AFP/ddp

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