Von Carola Kleinschmidt
Aber sind die Bundesbürger wirklich so veränderungsfreudig? Den Wissenschaftlern ist klar, dass das bei den meisten eher nicht der Fall ist. Die Rente mit 67 - oder noch später - stößt allgemein eher auf Ablehnung. Nach Ansicht der Experten sind hier Unternehmen und Politik gefragt. Sie müssten die richtigen Anreize geben:
Schon jetzt gibt es einige Unternehmen, die ältere Mitarbeiter als "normal" betrachten. Aber im Vergleich sind es wenige und das Altersmanagement ist meist nicht umfassend und strategisch entwickelt. Dieses Defizit sehen die Unternehemensvertreter sogar selbst. Jürgen Niemann, Geschäftsführer der Personal DB Dienstleistungen GmbH und damit Personalchef von 25.000 Eisenbahnern sagt: "Das ist ein Strauß von Aufgaben. Und vieles haben wir noch nicht zu Ende phantasiert."
Für das Altern muss Werbung gemacht werden
Wo aber soll man anfangen? Zunächst, so die Experten, müssten die massiven Vorurteile gegenüber älteren Menschen abgebaut werden. Vor allem in Unternehmen gelten Ältere als nicht mehr lernfähig, weniger produktiv und ausgelaugt - Behauptungen, die sich wissenschaftlich widerlegen lassen. Doch auch die Menschen selbst sind in überholten Altersbildern verhaftet, sehen Arbeitstätigkeit jenseits der 65 als unzumutbar.
Für das Arbeiten im Alter muss also Werbung gemacht werden. Hier könne eine deutschlandweite Aufklärungskampagne helfen, am liebsten gemeinsam mit der Bundesregierung. Daneben steht die Lobbyarbeit in Unternehmen ganz oben auf der Agenda der Forschungsgruppe.
Ursula Staudinger hätte gerne ein Bewertungssystem für die Altersfreundlichkeit von Unternehmen: "Wir stellen gerade eine Kriterienliste für entwicklungsfreundliche Unternehmen zusammen, die wir dann mit ersten Versuchsunternehmen in der Praxis umsetzen." Das Ziel: Ein Zertifikat "Entwicklungsfreundliches Unternehmen". Staudinger: "Im Kampf um die besten Köpfe wird so ein Zertifikat ein Qualitätsmerkmal sein, das sich die Mitarbeiter gut ansehen. Und sie werden eher zu Unternehmen gehen, bei denen sie sicher sein können, dass sie nicht verbraucht und zerschlissen, sondern weiterentwickelt werden."
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