Alterseffekt Kinder älterer Väter haben erhöhtes Sterblichkeitsrisiko

Je älter die Frau bei der Geburt ist, desto wahrscheinlicher sind gesundheitliche Beeinträchtigungen beim Kind. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass auch Kinder von älteren Vätern über 45 Jahren ein deutlich erhöhtes Gesundheits- und Sterblichkeitsrisiko haben.

Von Dennis Meyer


Bislang dachte man, dass die biologische Uhr in Sachen Kinderkriegen für Frauen schneller tickt als für Männer. Eine neue Studie zeigt nun: Auch Männer sollten sich mit dem Zeugen von Nachwuchs nicht allzu lange Zeit lassen. Einer Studie der dänischen Universität Aarhus zufolge ist das Sterblichkeitsrisiko bei Kindern, deren Väter älter als 45 Jahre sind, doppelt so hoch wie bei jenen, die Väter zwischen 25 und 30 Jahren haben.

Vater mit neugeborenem Sohn: Gesundheit des Kindes hängt vom Alter des Vaters ab
DPA

Vater mit neugeborenem Sohn: Gesundheit des Kindes hängt vom Alter des Vaters ab

Die Wissenschaftler vermuten, dass die nachlassende Qualität der Spermien für den Effekt verantwortlich ist. Mit forschreitendem Alter würden in den männlichen Keimzellen verstärkt Mutationen auftreten.

Nach Aussage der Forscher sterben Kinder älterer Väter etwa doppelt so häufig an Komplikationen während der Geburt und an Erbkrankheiten wie Herzfehlern und deformierten Wirbelsäulen. Aber auch Verletzungen und Vergiftungen traten doppelt so häufig auf.

Jin Liang Zhu, einer der Verfasser der Studie, führt dies auf mögliche psychomotorische Defizite zurück. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE führte Zhu vor allem Epilepsie und Autismus als Gründe für die erhöhte Mortalität an: "Ich erkläre mir das so, dass Kinder mit diesen Syndromen stärker gefährdet sind, sich selbst zu verletzen oder zu vergiften." Die Risiken der späten Fortpflanzung seien offenbar sehr viel komplizierter zu erklären als bisher angenommen.

Für die Studie, die im Fachmagazin "European Journal of Epidemiology" erschien, untersuchten die Wissenschaftler 102.879 Paare und deren Erstgeborene. Dabei deckten sie eine Zeitspanne von 16 Jahren (1980 bis 1996) ab. Während die Sterblichkeitsrate bei Kindern junger Väter (25 bis 30 Jahre) bei 0,68 Prozent lag, stellten die Forscher in der Gruppe der Nachkommen von über 45-jährigen Vätern eine Sterblichkeit von 1,2 Prozent fest. Von den 831 registrierten Todesfällen ereigneten sich 601 bei Kindern, die noch nicht das erste Lebensjahr vollendet hatten.

Die Forscher berücksichtigten in der Studie auch das Alter der Mutter sowie soziale und ökonomische Unterschiede. In der Gruppe der unter 25-jährigen Väter war ebenfalls eine leicht gesteigerte Kindersterblichkeit festzustellen, hier spielten jedoch soziale Verhältnisse und die Risiken von Teenager-Schwangerschaften eine beträchtliche Rolle. Bei Kindern älterer Väter ließen sich hingegen keinerlei Faktoren ausmachen, die den Zusammenhang begründeten.

Die dänischen Forscher weisen in ihrer Studie auch auf ältere Forschungsergebnisse hin, die bereits Zusammenhänge zwischen fortgeschrittenem Alter der Väter und Früh-, Fehl- und Totgeburten aufdeckten. Für eine Studie eher ungewöhnlich schließen die Wissenschaftler ihren Forschungsbericht mit der Forderung, mögliche ökonomische Vorteile einer späten Vaterschaft gegen die Risiken für das Kind abzuwägen.



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