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Alzheimer: Ginkgo schützt nicht vor Demenz

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Ein Kraut gegen das Vergessen? Weit gefehlt. Obwohl Ärzte und Patienten bislang von der Wirkung von Ginkgo überzeugt waren, wissen US-Forscher es jetzt besser: Die getrockneten Blätter helfen nicht besser als Placebos.

Es war der Strohhalm, an den sich viele Alte klammerten: Ginkgo in Kapseln, Tees oder Säften sollte sie vor dem Vergessen bewahren. Die Blätter des Fächerblattbaums galten als eines der wenigen Mittel, die eine Demenzerkrankung hinauszögern konnten - bis jetzt. Nun haben US-Wissenschaftler herausgefunden, dass die Heilungskräfte von Ginkgo nicht größer sind als die von Placebo-Pillen.

Ginkgo-Blatt: Hilft nicht gegen Alzheimer
Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel

Ginkgo-Blatt: Hilft nicht gegen Alzheimer

Zwar gab es bereits einige Untersuchungen, die einen positiven Effekt von Ginkgo auf die Gedächtnisfunktion nahegelegt hatten. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO gehörten die Blätter daher auch zu der Gruppe der wirksamen Antidementiva und auch das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG)sprach Ginkgo einen zumindest kleinen Nutzen bei der Behandlung von Demenzen zu.

Doch die nun im Fachblatt "Journal of the Medical Association" publizierte Arbeit hat die Effektivität von Ginkgo mit strengem Studiendesign - randomisiert, doppelblind und Placebo-kontrolliert - untersucht. Mehr als 3000 Menschen im Alter von 75 Jahren und älter nahmen von 2000 bis 2008 an der Studie teil. Bei Studienbeginn waren knapp 2600 Probanden gesund, fast 500 Studienteilnehmer hatten jedoch bereits erste Anzeichen einer Gedächtnisstörung, die sie allerdings im Alltag nicht einschränkte.

Das Team um Steven DeKosky von der University of Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) teilte die Probanden in zwei Gruppen ein: Die eine Hälfte erhielt zweimal täglich 120 Milligramm Ginkgo-biloba-Extrakt, die andere schluckte Placebos. Nach durchschnittlich sechs Jahren hatten über 500 Teilnehmer eine Demenz entwickelt. Der Placebo-Gruppe gehörten 16 Prozent an, der Ginkgo-Gruppe 17 Prozent. Rund 90 Prozent aller Demenzfälle ordneten die Ärzte der Alzheimer-Erkrankung zu.

Das Ginkgo-Extrakt konnte den Ergebnissen zufolge die Entwicklung einer Demenz nicht verzögern oder gar verhindern - das Mittel half nicht besser als Placebo. Auch bei den Teilnehmern, die bereits leichte Gedächtnisstörungen hatten, halfen die Blätter nicht. Daraus schließen die Autoren: "Ginkgo biloba sollte nicht mehr mit dem Ziel verschrieben werden, eine Demenz zu verhindern."

In Deutschland leiden derzeit rund eine Million Menschen an Alzheimer - Tendenz steigend. Schon 2030 soll die Zahl auf zwei Millionen zugenommen haben werden, prophezeien deutsche Wissenschaftler. Eine wirksame Arznei, die sicher vor dem Vergessen schützt, gibt es bislang nicht - alle Medikamente, die auf dem Markt sind, können den Ausbruch und das Voranschreiten der Krankheit lediglich verzögern.

hei

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