Flugzeugabsturz von 1937: Sonarbild soll Rätsel um Amelia Earhart lösen

Amelia Earhart: Verschollen im Pazifik Fotos
TIGHAR

Liefert eine Forscher-Expedition endlich Aufschluss über das Schicksal Amelia Earharts? Die berühmte Fliegerin stürzte 1937 bei ihrer Weltumrundung ab, das Wrack ihrer Maschine wurde nie gefunden. Ein Sonarbild soll nun Hinweise geben - doch für Entdeckerstolz ist es noch zu früh.

"Es ist aufregend. Es ist frustrierend. Es ist zum Verrücktwerden." Die International Group for Historic Aircraft Recovery (Tighar) hat eine Aufnahme veröffentlicht, die aus ihrer Sicht Wrackteile eines versunkenen Flugzeugs zeigen könnte. Und zwar nicht von irgendeinem Wrack, sondern von Amelia Earharts Lockheed "Electra", in der die US-Fliegerin die Welt umrunden wollte. Earhart verschwand jedoch am 2. Juli 1937 beim Flug über den Pazifik. Die Tighar-Forscher vermuten, dass Earhart und ihr Navigator Fred Noonan das Atoll Nikumaroro erreichten. Es ist eine von mehreren Theorien, die sich um das Verschwinden der Flugpionierin ranken. Unter anderem hörte man auch, sie sei als Spionin von Japanern entführt worden oder schlicht untergetaucht, um ein ruhiges Leben als Hausfrau führen zu können.

Auf verschiedenen Expeditionen sammelte Tighar Argumente für die Nikumaroro-These. Doch die Lage ist verflixt: Weder das Aluminumblech, Plexiglas, Knöpfe, ein Taschenmesser oder ein entdeckter Frauenschuh gehen als eindeutige Beweise durch. Einige auf der Insel gefundene menschliche Knochen verschwanden, andere konnten bisher nicht zugeordnet werden. Vielleicht haben die riesigen Krebstiere, die das Eiland bevölkern, die Palmendiebe, die Leichen von Noonan und Earhart verspeist und verschleppt - auch dazu wurde schon geforscht.

Tighar hofft auf Wrackteile, die etwa anhand von Seriennummern zweifelsfrei von Earharts "Electra" stammen müssen. Das wäre der Durchbruch, der trotz langjähriger Bemühungen bisher ausbleibt.

Warum fahnden sie überhaupt bei Nikumaroro? Das Atoll liegt nicht auf Earharts Flugroute, manche bezweifeln sogar, dass Earharts Tankfüllung bis dorthin gereicht hätte. Doch als Hinweis für die Strandung der Luftfahrtlegende auf dem Eiland gilt das "Bevington Objekt": Ein Foto von 1937 zeigte einen dunklen Fleck am Strand des Atolls - handelte es sich etwa um Teile des Flugzeugwracks?

"Richtige Größe, richtige Form, richtige Stelle"

Auf der jüngsten Forschungsfahrt im Sommer 2012 untersuchte das Tighar-Team unter anderem Küstenbereiche per Sonar, in der Hoffnung, versunkene Wrackteile aufzuspüren. Die Sonar-Anomalie hat "die richtige Größe und Form und liegt an der richtigen Stelle", heißt es jetzt. Aber: Während der Expedition fiel die Struktur niemandem auf. Deshalb wurde der Bereich auch nicht mit Unterwasserkameras gefilmt.

Die "richtige Stelle" liegt in knapp 190 Meter Tiefe am Ende eines Abhangs. Nach Angaben von Tighar befindet sie sich auf einer Linie mit dem "Bevington Objekt" und einem küstennaheren Bereich voller Schutt in etwa 60 Meter Tiefe. Bei dem Schutt könnte es sich allerdings auch um Reste anderer Wracks handeln. So war 1929 das Frachtschiff SS "Norwich City" auf das Riff vor Nikumaroro aufgelaufen.

Entdeckt habe die Anomalie ein Mitglied von Tighars Online-Forum, das keine Ausbildung im Auswerten von Sonarbilden habe - "das war wohl sein größter Vorteil", heißt es. Nach Angaben von Tighar ist der auffälligste Teil der Unregelmäßigkeit weniger als zehn Meter lang. Der Rumpf von Earharts Maschine maß knapp zwölf Meter. Das würde also passen.

Doch ob die Anomalie auf dem Sonar nun tatsächlich ein "Electra"-Wrackteil zeigt, ist, freundlich formuliert, ungewiss. Es könnte auch Folgendes sein:

  • eine natürliche Unregelmäßigkeit im Riff,
  • ein Wrackteil eines Bootes,
  • ein Artefakt.

Das verschweigt die Organisation nicht, sie nutzt es vielmehr als Köder: Wissen werden wir es erst nach einer weiteren Forschungstour, so Tighar. Die Earhart-Enthusiasten werben nun um Spenden, um die letzte Expedition noch vollständig bezahlen und die nächste finanzieren zu können. Dabei hilft so eine Anomalie, zumindest das ist sicher.

wbr

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