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Amerikas Luftfahrt-Legende: Überlebte Amelia Earhart auf einem einsamen Atoll im Pazifik?

Von Joachim Hoelzgen

Sie wollte als erste Frau die Welt umfliegen - und stürzte in den Pazifik: Dass die Flugpionierin Amelia Earhart so starb, bezweifeln Experten inzwischen. Sie glauben, Knochen, Schuhe und Trümmer auf einem Atoll stammen von der Fliegerin - und hoffen auf eine DNA-Analyse.

Amerika hat wegen des Kriegs im Irak seine Illusionen verloren. Es gibt zur Zeit keine Helden, mit denen sich die nationale Seele identifiziert. Die alltägliche Beklemmung und Zerrüttung der Nation lassen das einfach nicht zu.

Bald aber wird sich das ändern, weil demnächst der 70. Todestag einer allamerikanischen Heldin bevorsteht – und neue, verblüffende Einzelheiten über ihr Verschwinden im Zentralpazifik bekannt geworden sind. Es geht um die Fliegerin Amelia Earhart, Champion der Gleichberechtigung und famose Pilotin, die als erster Mensch nach Charles Lindbergh den Atlantik überquert hatte.

Amelia Earhart war mit dem Verleger George Putnam verheiratet, dem sie einen Ehevertrag vorlegte – damals eine Sensation. Sie trug Hosenanzüge, die sie selbst entwarf. Sie hatte den berühmten Flieger-Overall mit Reißverschluss erfunden und war mit Eleanor und Franklin D. Roosevelt befreundet, dem Präsidentenehepaar.

Am 2. Juli 1937 kam Amelia Earhart bei dem Versuch, als erste Frau die Welt zu umfliegen, nicht an ihrem Zielort Howland Island an - einer nur 1,87 Quadratkilometer großen Insel knapp östlich der Internationalen Datumslinie im Stillen Ozean. Sie war mit ihrer formschönen, zweimotorigen Lockheed Electra tags zuvor auf der Stoppelpiste von Lae im heutigen Papua Neuguinea gestartet – wegen der vollen Tanks langsam und träge, so dass am Ende des Startstreifens das Wasser der Salomonensee aufschäumte.

Verhängnisvoller Defekt beim Start

Beim Start gab es ein verhängnisvolles Missgeschick: Die Antenne des Kurzwellensenders der Electra brach ab. Fortan konnte Amelia Earhart zwar Funksprüche absetzen, selber aber keine mehr empfangen. Weder die Fliegerin noch ihr Begleiter, der Navigator Fred Noonan, bemerkten das Fehlen der Antenne – und genauso wenig das vor Howland Island wartende Schiff "Itasca", ein Kutter der US-Küstenwache.

Was sich dann über den Weiten des Pazifik abspielte, ist nun aber bekannt geworden – dank Ebay. Dort entdeckte ein amerikanischer Earhart-Fan, Arthur Rypinski, einen Notizblock, den er für 26 Dollar ersteigerte.

Ursprünglich gehörte der Block einem 23-jährigen Studenten der Universität Hawaii namens James Carey, den die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) 1937 auf den Kutter entsandt hatte, um über die Zwischenlandung Earharts auf Howland Island zu berichten.

Rypinski hatte gut aufgepasst. Er gehört der International Group of Historic Aircraft Recovery (Tighar) an, die sich der Suche nach dem Wrack der Earhart-Maschine verschrieben hat. Acht Expeditionen hat Tighar bisher unternommen, um das Rätsel zu lösen.

Notlandung statt Absturz?

Tighars Direktor Ric Gillespie ist ein alter Fahrensmann im Metier der Suche nach der Electra und Earhart. Gillespie widerspricht der offiziellen Lesart, wonach die Maschine in den Pazifik gestürzt und versunken ist. Er und seine Mitstreiter sind vielmehr der Ansicht, dass Earhart eine Notlandung gelungen sei und sie überlebt habe – und zwar auf der unbewohnten Insel Gardner Island, einem Atoll der Phoenix-Inseln.

Dort hat eine der Tighar-Expeditionen Aluminiumblech, das von der Electra stammen könnte, Plexiglas und einen Frauenschuh mit einer Sohle der Marke "Cat's Paw" gefunden, die in den dreißiger Jahren populär war. Amelia Earhart trug gern solche Schuhe.

Als Beweise taugen die Überreste aber trotzdem nicht, da auf dem Plexiglas und Blech Seriennummern fehlen, die man auf die Electra zurückführen könnte. Die Notizen des Jung-Reporters Carey aber erhärten bei Gillespie den Verdacht, dass ein verzweifelter Flug nach Gardner Island möglich war.

Letzte Funksprüche im Äther

In der Funkbude der "Itasca" schrieb Carey am Morgen des 2. Juli Stichworte wie immer: "Die ganze Nacht wach, um Meldungen zu hören. Alle sehr knapp. Earharts Stimme zum ersten Mal um 2.48 Uhr: 'Himmel bedeckt.' Das war alles."

Nach Sonnenaufgang meldete Earhart "200 miles out" – "200 Meilen entfernt". Offenbar flog sie ein Suchmuster. Sie folgte einer Positionslinie, die Navigator Noonan abgesteckt hatte und auf der sie Howland Island hätten finden müssen – immer vorausgesetzt, dass die Fehlerwahrscheinlichkeit nicht zu groß war und zum Beispiel Wolkenschatten das Mini-Eiland nicht verdeckten.

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