Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Anthropologie: Menschen aßen schon früh regelmäßig Fleisch

Vegetarismus gab es wohl auch in der Urzeit kaum: Ein etwa anderthalb Millionen Jahre alter Kinderschädel aus der Wiege der Menschheit scheint regelmäßigen Fleischkonsum zu belegen.

Addis Abeba/Hamburg - Menschen könnten bereits viel länger als bisher angenommen regelmäßig Fleisch gegessen haben. Dies ergaben Untersuchungen an einem Kinderschädel, der in einer 1,5 Millionen Jahre alten Bodenschicht in der Olduvai-Schlucht im ostafrikanischen Tansania gefunden wurde.

Die Region gilt bei Experten als "Wiege der Menschheit". "Frühe Menschen waren Jäger und ihre Körper haben sich vor mindestens 1,5 Millionen Jahren bereits auf den regelmäßigen Verzehr von Fleisch eingestellt", schreiben Forscher um Manuel Domínguez-Rodrigo von der spanischen Complutense-Universität in Madrid in der Fachzeitschrift "PLOS One".

Das Schädelfragment zeige, dass das vermutlich weniger als zwei Jahre alte Kind an Anämie litt und nicht ausreichend ernährt war. Die festgestellten Knochenschäden seien "üblicherweise auf einen Mangel an B-Vitaminen im Speiseplan zurückzuführen".

Offenbar sei das Essen von Fleisch schon so weit verbreitet gewesen, dass der Mangel zu Blutarmut führte, schließen die Forscher. Das Kleinkind starb demnach entweder nach dem Abstillen, weil in der Festnahrung Fleisch fehlte, oder noch während der Stillzeit, weil die Mutter zu wenig Fleisch gegessen hatte und die Muttermilch den Nährstoffbedarf nicht deckte.

Bisher wurde zwar angenommen, dass frühe Hominiden Fleisch aßen, jedoch war unklar, ob sie dies nur gelegentlich taten oder die Tierprodukte bereits zum täglichen Speiseplan gehörten.

boj/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 107 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Guardsman 08.10.2012
Aha! Und ich dachte bisher immer, dass sei eh klar, da erst der Beginn der Zivilisation und des Ackerbaus den Fleischkonsum reduzierte ..
2. hm?
Melatonin 08.10.2012
"Offenbar sei das Essen von Fleisch schon so weit verbreitet gewesen, dass der Mangel zu Blutarmut führte, schließen die Forscher." Na gott sei Dank ist die Notwendigkeit des Fleischessens danach rapide wieder gesunken.
3. unterste schublade
Slamtilt 08.10.2012
Zitat von sysopCorbisVegetarismus gab es wohl auch in der Urzeit kaum: Ein etwa anderthalb Millionen Jahre alter Kinderschädel aus der Wiege der Menschheit scheint regelmäßigen Fleischkonsum zu belegen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/anthropologie-menschen-assen-schon-frueh-regelmaessig-fleisch-a-859965.html
spekulativ manipulativ nichtssagend -danke spon für diesen artikel mich wunderts nur, daß da keine barbusigen höhlenbewohnerinnen im Rahmen einer photostrecke präsentiert werden
4. Lachhafte Meldung
mrdate 08.10.2012
Da wure also *ein* Kinderkörper gefunden. Das ist dann natürlich ein klarer Indiz für die Ernährungsgewohnheiten aller Zeitgenossen. Ist klar. Vitamin B-Mängel können viele Ursachen haben, dass die Schlussfolgerung "Der Mensch hat schon immer *regelmäßig* Fleisch gegessen" heisst, ist eine Beleidigung für jeden denkenden Menschen.
5.
M. Michaelis 08.10.2012
Der Erfolg der Spezies Homo Sapiens beruht massgeblich auf seiner Fähigkeit sich ein breites Nahrungsangebot zu erschliessen. Es gibt daher keinen Grund anzunehmen dass Fleisch irgendwann nicht zum Speiseplan des Menschen gehört haben könnte. Dass man das überhaupt in Zweifel zieht hat idelogische Gründe.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Testen Sie Ihr Wissen!

Fotostrecke
Fossilfunde: Homo erectus' neue Vettern
Homininen und Hominiden
Affen- und Menschenartige
Ein Hominid oder Menschenaffe ist ein Mitglied der taxonomischen Familie, zu der Menschen, Schimpansen, Gorillas und all deren ausgestorbene gemeinsame Vorfahren gehören. Der Begriff Hominine umfasst dagegen alle Mitglieder der Gattung Homo und deren ausgestorbene Verwandten, die dem Menschen näher stehen als den Schimpansen. Dazu zählen also nicht Schimpansen und Gorillas sowie deren Vorfahren.
Sahelanthropus tchadensis (7 bis 8 Millionen Jahre)
Dieses bisher älteste bekannte Mitglied der Menschenfamilie entdeckte ein Forscherteam aus Frankreich und dem Tschad im Juli 2001 in der Sahel-Zone in Zentralafrika. Der Fund namens Toumaï könnte aus der Zeit der Trennung der Affen-: und Menschenartigen stammen.
Orrorin tugenensis (6 Millionen Jahre)
Französische und kenianische Wissenschaftler fanden im Oktober 2000 in der Boringo-Region (Kenia) die Reste des "Millennium-Menschen". Er zeigt deutliche Hinweise auf den aufrechten Gang. In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob er ein direkter Vorfahr des Menschen war.
Ardipithecus ramidus (4,4 Millionen Jahre)
"Ardi" revolutionierte das Bild unserer Urahnen: Der Fund aus Äthiopien zählt zu den Menschenartigen (Homininen) und ist weit mehr von den Affen entfernt als bisher vermutet, wie im Oktober 2009 ein Forscherteam im Fachjournal "Science" berichtete.
Australopithecus afarensis (3,2 - 3,6 Millionen Jahre)
Am 30. November 1974 wird in Äthiopien "Lucy" ausgegraben, ein Teilskelett, das als letzter gemeinsamer Vorfahr mehrerer Abstammungslinien von Homininen gilt. Für Furore sorgte auch der Fund eines Kindes im Jahr 2006, das als "Lucys Baby" bekannt wurde.
Homo rudolfensis (2,5 - 2,3 Millionen Jahre)
Dieser Mensch hat ein größeres Gehirn als die Australopithecinen und nutzte auch schon Werkzeuge. Er gilt als die älteste bisher entdeckte Art der Gattung Homo. Doch wie bei Australopithecus sediba streiten sich Forscher noch um die Zuordnung zu einer Spezies. Manche Wissenschaftler zählen ihn zur Art Homo habilis, andere widerum erkennen in ihm gar einen Australopithecinen oder einen Kenyanothropus.
Australopithecus sediba (2 - 1,8 Millionen Jahre)
Am 15. August 2008 entdecken Paläoanthropologen in der Nähe von Johannesburg die knapp zwei Millionen alten Überreste eines Jungen und einer Frau. Sie könnten ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen den noch affenartigen Vormenschen und den frühen Menschen darstellen, berichtet ein Forscherteam im Fachjournal "Science" im April 2010.
Homo erectus (1,8 Millionen - 300.000 Jahre)
Mit dem Homo erectus begann eine Wanderbewegung aus Afrika nach Europa und Asien. 1891 entdeckt der Holländer Eugène Dubois einen Javamenschen, der vor 500.000 Jahren gelebt hat. In Georgien finden Forscher seit 1999 mehrere 1,75 Millionen Jahre alte menschliche Überreste, die dem Homo erectus zugerechnet werden.
Homo heidelbergensis (780.000/500.000 Jahre)
Im Oktober 1907 wird im Dorf Mauer bei Heidelberg ein rund 500.000 Jahre alter Unterkiefer dieses Menschen ausgegraben. 1995 werden in Gran Dolina (Spanien) 780.000 Jahre alte Überreste von vier Menschen dieser Art und Werkzeuge gefunden. Sie zählen zu den frühesten Menschen Europas, starben wahrscheinlich aber aus.
Homo neanderthalensis (130.000 - 30.000 Jahre)
Morphologische Eigenschaften, die für Neandertaler typisch sind, fand man bereits in etwa 400.000 Jahre alten Fossilien aus Europa. Doch man geht davon aus, dass die ersten Neandertaler vor etwa 130.000 Jahren entstanden sind. Heute gilt der Neandertaler als ausgestorbene Seitenlinie des Menschen. Er verschwand vor etwa 30.000 Jahren von der Bildfläche - warum, ist noch nicht vollständig geklärt.
Homo floresiensis (120.000 - 10.000 Jahre)
Der als "Hobbit" bekanntgewordene, nur ein Meter große indonesische Urmensch war im Jahr 2004 auf der Insel Flores gefunden worden. Seit Jahren streiten Wissenschaftler, ob es sich um eine eigene Menschenart oder nur einen kranken Homo sapiens handelte.
Denisova-Mensch (50.000 Jahre)
In der Denisova-Höhle in Russland wurden Anfang des Jahrtausends ein Fingerknochen, ein Zahn und ein Zehenknochen gefunden, die offenbar zu keiner bislang bekannten Art gehören. Diese lebte zu Zeiten des Homo neanderthalensis und des Homo sapiens. Noch wurde der Art kein eigener Name verliehen.
Homo sapiens (160.000 Jahre bis heute)
Die bisher ältesten Überreste des modernen Menschen findet ein internationales Forscherteam 1997 in Äthiopien. Die 2003 analysierten Schädelknochen erhärten nach Ansicht der Forscher die Vermutung, dass die modernen Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort in die ganze Welt ausgebreitet haben.
Homo naledi (Alter unbekannt)
In der Rising-Star-Höhle in Südafrika entdeckten Forscher über 1500 Fossilien, die sie 15 Individuen zuordneten. Sie gehören zu einer bislang unbekannten Art, dem Homo naledi. Dessen Alter ist noch unbekannt und damit auch seine Einordnung in den Stammbaum der Menschheit. Die Fundstelle bei Johannesburg könnte die älteste Grabstätte der Geschichte sein.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: