Anti-Aging-Wirkstoff Osterinsel-Medizin lässt Mäuse älter werden

Ein Naturstoff von der Osterinsel verspricht ein längeres Leben - zumindest gilt das für Mäuse. Ältere Nager lebten mit Hilfe von Rapamycin rund zehn Prozent länger. Der Wirkstoff dämpft das Immunsystem und verhindert nach Organtransplantationen Abstoßungsreaktionen.


London - Der Traum von der Pille für ein langes Leben scheint der Realität ein kleines Stück näher gekommen zu sein: In Laborversuchen haben Mäuse dank des Wirkstoffs Rapamycin rund zehn Prozent länger gelebt.

Mäuse (Archivbild): Längeres Leben mit Rapamycin
DPA

Mäuse (Archivbild): Längeres Leben mit Rapamycin

Die Substanz wurde ursprünglich aus einem Bakterienstamm isoliert, den man erstmals auf der Osterinsel - genannt Rapa Nui - gefunden hatte. Rapamycin beeinflusst ein Enzym namens mTOR, das an Stoffwechselvorgängen, am Wachstum von Zellen und bei den Zyklen der Zellteilung beteiligt ist. Bisher wird Rapamycin nach Organtransplantationen zur Unterdrückung von Immunreaktionen eingesetzt, um die Abstoßung fremden Zellgewebes zu verhindern.

Das Team um David Harrison vom Jackson Laboratory in Bar Harbor (US-Bundesstaat Maine) schreibt nun im Fachmagazin "Nature", das man bei Tests mit Rapamycin versetztes Futter an Mäuse verfüttert habe. Die Substanz hatten die Forscher in eigens entwickelte Kapseln eingeschlossen, die den Wirkstoff langsam in den Darm abgeben. Die Mäuse waren in den ersten Versuchen etwa 600 Tage alt, was beim Menschen einem Alter von etwa 60 Jahren entsprechen würde.

Die regelmäßigen Gaben von Rapamycin verlängerten das Leben der Tiere um 8 bis 14 Prozent, ergab die Auswertung. Bei jüngeren, etwa 270 Tage alten Mäusen zeigte die Substanz ebenfalls eine Auswirkung auf die Lebenserwartung. Bei ihnen waren die Ergebnisse jedoch nicht ganz eindeutig. Weitere Studien seien erforderlich, erklären die Wissenschaftler.

Eine der möglichen Erklärungen für den Effekt: Die Substanz könnte auf den Organismus ähnlich wirken wie eine Diät, die verfügbare Menge an Nährstoffen wird stets gering gehalten. Dies hatte in Experimenten mit verschiedenen Tierarten bereits eine lebensverlängernde Wirkung gezeigt.

Die positive Wirkung von Rapamycin auf die Lebenserwartung hatten Forscher schon bei Versuchen mit Hefen, Fadenwürmern und Taufliegen nachgewiesen. Mit ihren Experimenten konnten die Wissenschaftler den Effekt nun erstmals bei einem Säugetier zeigen - was Hoffnung auf ein Medikament beim Menschen macht.

"Ich habe niemals damit gerechnet, dass im Lauf meines Lebens noch eine Anti-Aging-Pille für den Menschen gefunden wird. Aber Rapamycin ist wirklich vielversprechend", kommentierte der Anti-Aging-Forscher Arlan Richardson, der an der Studie nicht beteiligt war. Andere Wissenschaftler warnen aber vor voreiligen Schlüssen: Wegen der Dämpfung des Immunsystems sollten gesunde Menschen keinesfalls Rapamycin als Anti-Aging-Mittel einnehmen, erklären die Biochemiker Matt Kaeberlein und Brian Kennedy in einem begleitenden Kommentar in "Nature".

Der Prozess des Alterns gehört zu den großen Rätseln der Medizin. Forscher wissen, dass unter anderem das Erbgut eine Rolle spielt. Wissenschaftler weltweit fahnden nach dem sogenannten Methusalem-Gen. Es sind verschiedene Faktoren und Prozesse bekannt, die das Altern verlangsamen können, etwa Sport oder eine Turbo-Müllabfuhr in den Zellen.

hda/ddp



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