Anti-Nobelpreis Warum Spechte keinen Kopfschmerz kennen

Warum kriegen Spechte keine Kopfschmerzen? Warum fliegen Anophelesmücken auf stinkende Füße? Und kann eine Rektalmassage gegen hartnäckigen Schluckauf helfen? Diese Fragen haben Forscher inzwischen beantwortet - und dafür jetzt den "Ig-Nobel-Preis" bekommen.

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Es soll Wissenschaftler geben, die gern lachen. Doch nur wenigen gelingt es, ihre Späße in renommierten Fachmagazinen unterzubringen. Denn es gibt Hürden: eigene Hemmungen etwa, die spaßfreie Prüfung durch Kollegen oder die Angst der Herausgeber um das Renommee ihres Blattes. Wer sie überwindet, hat zu Recht einen Preis verdient. Nicht zuletzt deshalb zählt die Verleihung des Ig-Nobel-Preises, die traditionell unmittelbar der Verleihung der "echten" Nobelpreise folgt, zu den Highlights im Jahreskalender der Wissenschaft.

Das englische Wort "ignoble" bedeutet zwar so viel wie "schändlich" oder "unwürdig", doch wie immer sind die ausgezeichneten Arbeiten in angesehen Fachblättern erschienen. Da wäre etwa die Arbeit des US-Forschers Ivan Schwab, der sich eine ziemlich offensichtliche Frage gestellt hat: Bekommen Spechte bei der Arbeit Kopfschmerz? Die Antwort: Wahrscheinlich nicht. Letzte Sicherheit hätte man zwar erst, wenn ein Specht über seine Befindlichkeit redete. Allerdings besitzt der Vogel eine ganze Reihe von Vorrichtungen, die ihn vor schmerzhaften Folgen seines Tuns schützen, wie Schwab eindrucksvoll belegt.

Elektromagnetischer Teenager-Schreck

Howard Stapleton aus Wales wiederum hat ein Abwehrgerät gegen Jugendliche entwickelt: Das "elektromagnetische Teenager-Schutzmittel" gibt einen nervenden Ton von sich, dessen Frequenz so hoch ist, das nur die Ohren Jugendlicher, nicht aber die von Erwachsenen ihn hören können. Das brachte Stapleton den Friedens-Ig-Nobel-Preis ein.

Der Ernährungspreis ging an Forscher aus Kuwait, die nachgewiesen haben, dass Mistkäfer ihre Mahlzeiten durchaus penibel auswählen. Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Erkenntnis, dass die Malaria verbreitende Anophelesmücke sowohl auf Limburger Käse als auch auf menschliche Füße fliegt.

Eine wahrhaft bahnbrechende Arbeit, die bereits 1990 im "Journal of Internal Medicine" erschienen ist, könnte Opfern eines hartnäckigen Schluckaufs die lang ersehnte Erlösung bringen. Drei Forscher aus den USA und Israel berichten darin von einem Patienten mit entzündeter Bauchspeicheldrüse, dem eine Nasensonde zur künstlichen Ernährung eingeführt worden war.

Der Sieg über den Schluckauf

Dem 60-Jährigen habe das einen nicht enden wollenden Schluckauf beschert. Doch weder die Entfernung der Sonde noch die Behandlung mit Medikamenten oder "mehrere andere Manöver" hätten Besserung gebracht. Dann aber verfielen die Mediziner auf die preiswürdige Idee, die den Schluckauf prompt und nachhaltig verscheucht habe: Eine "digitale rektale Massage", vulgo: den Finger in den Patienten-Po. Die Empfehlung der Mediziner: Mit dieser Methode sollte man einen hartnäckigen Schluckauf stets behandeln, ehe man zu Medikamenten greift.

Die Verleihungszeremonie in der altehrwürdigen Harvard University in Cambridge folgte, wie auch beim "echten" Nobelpreis, strengen Ritualen. So wurden die Gewinner aus dem Publikum wie immer mit Papierfliegern beworfen, während der Havard-Professor und letztjährige Physik-Nobelpreisträger Roy Glauber die Bühne fegte.



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