Antike Ägypter mumifizierten Tiere königlich

Die alten Ägypter haben Haustiere nicht nur in rauen Mengen, sondern auch äußerst liebevoll mumifiziert. Chemische Analysen ergaben, dass manches Tier so aufwendig präpariert wurde wie ein Pharao.


Mumifizierte Katze: Einbalsamiert wie ein Pharao
National Museums Liverpool

Mumifizierte Katze: Einbalsamiert wie ein Pharao

Im Ägypten der Antike wurden Tiere als Vertreter der Götter verehrt - und millionenfach zu Mumien verarbeitet. Die Menge allein führte Forscher in der Vergangenheit zu der Annahme, dass die Tiere weit weniger sorgsam ins Totenreich geschickt wurden als Menschen, nämlich nur in bloßen Bandagen oder in Harz eingetaucht.

Das aber scheint nun durch eine Studie der University of Bristol zumindest zum Teil widerlegt. Richard Evershed und seine Kollegen hatten einen Ibis, eine Katze und zwei Falken untersucht. Mit Hilfe der Gaschromatographie und anderen Untersuchungsmethoden kamen sie zu dem Schluss, dass die Tierkörper zunächst mit Bandagen umwickelt und dann mit Bienenwachs, tierischen und pflanzlichen Fetten, Ölen und Harzen einbalsamiert wurden. Der Mumifizierungsprozess der Tiere aus der 28. bis 30. Dynastie war ähnlich komplex wie das beim Menschen angewandten Verfahren, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Nature" (Bd. 431, S. 294).

Der griechische Historiker Herodot beschrieb drei Stufen der Mumifizierung, entsprechend der Kosten und des Aufwands. Die oberste Stufe beinhaltete das komplette Ausweiden des Körpers, das Dörren der Organe und das Bandagieren der Leiche. Ob auch Tiere eine solche Behandlung bekamen, ist laut Evershed heute kaum mehr festzustellen. Das Mumifizieren sei von Heimlichtuerei umgeben gewesen und von wenigen ausgebildeten Profis hinter verschlossenen Türen praktiziert worden.

Fest steht, dass die Ägypter nicht bei allen Tieren und nicht zu allen Zeiten den gleichen Aufwand beim Präparieren trieben. So haben Archäologen des Ägyptischen Museums in Kairo, in dem zahlreiche Tiermumien ausgestellt sind, im Inneren einiger Fundstücke nur einzelne Knochen oder sogar Stöcke entdeckt.

Bei den Tiermumien handelt es sich zum Teil um mumifizierte Haustiere, die oft zusammen mit ihren Besitzern begraben wurden. Andere waren als Votiv-Tiere für die Götter gedacht. Die Votiv-Gaben waren bedeutenden Gottheiten gewidmet. So waren Katzenmumien der Katzengöttin Bastet zugedacht und Hunde Anubis, dem Schutzherren der Gräber.



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