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Funde aus Antike: Ermittler präsentieren Tausende gestohlene Artefakte

Antike Schmugglerware: Gestohlen in Süditalien Fotos
AFP

Die Objekte aus der Antike waren in Süditalien gestohlen worden - ein Schmuggler lagerte sie in Genf. Nun hat Italien die Artefakte präsentiert: 45 Kisten voller Relikte im Wert von neun Millionen Euro.

Die italienische Regierung hat einen riesigen Fund kostbarer antiker Gegenstände bekannt gegeben. Italienische und Schweizer Ermittler hätten die in den Siebzigerjahren in Italien gestohlenen Artefakte im Wert von insgesamt neun Millionen Euro im Jahr 2014 entdeckt, erklärte der italienische Kulturminister Dario Franceschini am Dienstag in Rom.

Die Objekte seien in einem vom britischen Antiquitätenschmuggler Robin Symes gemieteten Hafenlager in Genf gefunden worden, sagte Franceschini. Die 45 Kisten "mit Zehntausenden archäologischen Relikten von außergewöhnlichem Wert" seien im Januar nach Rom gebracht worden.

Jetzt wurden die Gegenstände erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Unter den Funden sind bemalte etruskische Sarkophage, ein römischer Sarkophag, Marmorstatuen, Fliesen und andere Gegenstände aus der Zeit vom siebten Jahrhundert vor Christus bis zum zweiten Jahrhundert nach Christus.

Zentrale Figur im illegalen Antiquitätenhandel

Nach Angaben des Staatsanwalts Giancarlo Capaldo wurden die Objekte in den Siebzigerjahren in Ausgrabungsstätten in den italienischen Regionen Sizilien, Apulien, Kampanien und Kalabrien gestohlen. Sie seien dann in den Genfer Freihafen geschmuggelt und dort versteckt worden. Laut Capaldo sollten die Statuen, Fliesen und Sarkophage unter falschen Papieren an Sammler in Japan, Deutschland und anderen Ländern verkauft werden.

Italienische Ermittler fanden die Artefakte, nachdem sie verdächtige Papiere bei einem Kunstschmuggler beschlagnahmt hatten. Mit Schweizer Kollegen machten sie im Jahr 2014 den entscheidenden Fund in dem von Symes gemieteten Lager. Symes ist eine zentrale Figur im illegalen Antiquitätenhandel.

Kulturminister Franceschini sprach von "einem der wichtigsten Funde der vergangenen Jahrzehnte". Er kündigte an, dass die Objekte dorthin zurückgebracht würden, von wo sie gestohlen wurden.

hda/AFP

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.

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