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Antikes Petra: Steinernes Mysterium in der Ödnis

Aus Petra berichtet

Die antike Felsenstadt Petra ist Weltkulturerbe, zieht Millionen Touristen an - und ist kaum erforscht. Wie die Metropole mitten in der Wüste funktioniert hat, ist weitgehend unbekannt. Archäologen versuchen mit neuen Ausgrabungen, die mysteriöse Wüstenstadt zu enträtseln.

Felsenstadt Petra: Die unerforschte Wüstenmetropole Fotos
SPIEGEL ONLINE

Ein solcher Anblick lässt selbst Indiana Jones' Kinnlade herunterklappen. Nach dem ohnehin schon spektakulären Ritt durch den Siq, eine bis zu 200 Meter tiefe und stellenweise nur zwei Meter schmale Schlucht, erhebt sich vor dem Filmhelden eine gigantische, rund 40 Meter hohe und 25 Meter breite Fassade - sie ist direkt in den Berg gehauen. Fassungslos steht der Forscher mit der Peitsche vor dem uralten, monumentalen Gebäude.

Die Szene aus "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug", die 1989 in die Kinos kam, machte die antike Felsenstadt Petra endgültig weltberühmt. Die prachtvolle Fassade gehört zwar, anders als im Film, nicht zu einem Tempel, in dem sich der Heilige Gral verbirgt. Doch sie ist eine der größten und schönsten Bauten in Petra, der mysteriösen Felsenstadt in der Wüste Jordaniens.

Die teils gewaltigen Fassaden sind die größte Attraktion Petras - doch über die Gräber, die sich hinter ihnen verbergen, ist nur wenig bekannt. Seit 1985 gehört Petra zum Weltkulturerbe, jedes Jahr kommen viele tausend Touristen. Fast jedes der über 600 Gräber ist frei zugänglich, Kletterkünste vorausgesetzt. Dennoch ist die Stadt archäologisch weitgehend unerschlossen: Petra ist kein Freilichtmuseum, sie ist größtenteils Terra incognita - selbst für Experten.

Die Metropole war einst die Hauptstadt der Nabatäer. Wie aus dem Nichts kamen die Nomaden ins Ostjordanland, gründeten vor rund 2100 Jahren ein Königreich und beherrschten zwei Jahrhunderte lang große Teile des Handels im Nahen Osten. So reich und mächtig wurde das Wüstenvolk, dass es sogar das Römische Imperium herausforderte. Doch wie sie ihre Toten bestatteten, wie ihre Hauptstadt mit vermutlich mehreren Zehntausend Menschen mitten in der Wüste funktioniert hat - niemand weiß es genau.

Von 628 Gräbern weniger als zehn erforscht

Lucy Wadeson hat an ihrem Arbeitsplatz eine Aussicht, um die sie mancher Vorstand in einer Hochhaus-Chefetage beneiden würde. Das Grab, das sie in den vergangenen Wochen erforscht hat, haben die Nabatäer hoch in die Flanke des Bergs al-Khubta gemeißelt. Zu Füßen der Forscherin liegt das Amphitheater Petras, das wie die Grabfassaden direkt aus dem Felsen gemeißelt wurde, umrandet von zahlreichen Totenstätten.

"In Petra gibt es 628 Fassadengräber", sagt die Archäologin von der University of Oxford. "Aber weniger als zehn sind komplett erforscht." Man weiß kaum etwas über die Bestattungszeremonien, die in ihrem Inneren stattgefunden haben. Offen sind schon so elementare Fragen, ob die Nabatäer Holzsärge oder Steinsarkophage benutzt haben. "Reste haben wir weder von dem einen noch dem anderen gefunden", sagt Wadeson.

Das wird sich in Zukunft wahrscheinlich nicht ändern. Bedeutende Funde erwarten die Forscher nicht mehr: Die weitaus meisten wurden in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach ausgeraubt. "Manchmal haben wir Glück, wenn ein Grab nur teilweise geplündert ist und wir noch einen Teil des Skeletts finden", sagt Wadeson. In der Hoffnung, Schmuck und andere Grabbeigaben zu finden, konzentrierten sich die Raubgräber auf Kopf und Oberkörper der Toten. Deshalb stoßen die Archäologen im unteren Teil der Gräber manchmal noch auf Knochen, einzelne Münzen oder Gefäße.

Wie hat die Wüstenmetropole funktioniert?

Doch über Petra als funktionierende Einheit verraten solche Funde nur wenig. Sicher ist, dass die Stadt in atemberaubend kurzer Zeit entstand. Vor rund 2500 Jahren drangen die Nabatäer aus Arabien ins heutige Jordanien vor - und das war damals die reinste Goldgrube. Zwar war das Land selbst trocken und karg, doch bei Petra kreuzten sich mehrere Handelswege zwischen Ägypten, Syrien, Südarabien und dem Mittelmeer - darunter die uralte Weihrauchstraße. Die Kontrolle über das Gebiet glich einem Lotteriegewinn.

Kaum hatten die Nabatäer ihr Königreich gegründet, erlebte Petra einen ungeheuren Bauboom. Binnen weniger Jahrzehnte entstanden Hunderte Höhlen mit prunkvollen Fassaden und teils gewaltigen Räumen. "Hier muss ein Höllenlärm geherrscht haben", sagt Archäologe Robert Wenning, einer der internationalen Ausgräber in Petra. "Die müssen den ganzen Tag Höhlen aus dem Stein gepickt haben."

Doch die Erforschung der Stadt steckt noch heute in den Anfängen. Über die Gräber wissen die Archäologen wenig, noch weniger wissen sie über die Innenstadt Petras. Sie erstreckte sich einst auf der rund einen Quadratkilometer großen Ebene zwischen den beiden Felsmassiven mit den gewaltigen Nekropolen. Heute stehen hier nur noch wenige größere Gebäude wie der Haupttempel Qasr al-Bint, der Große Tempel und das Temenos-Tor. Von der eigentlichen Stadt und ihren vielen hundert Wohnhäusern ist nichts geblieben außer Steinhaufen und Mauerreste.

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1. Ohja!
Layer_8 31.05.2011
Zitat von sysopDie antike Felsenstadt Petra ist Weltkulturerbe, zieht Millionen Touristen an - und ist kaum erforscht. Wie die Metropole mitten in der Wüste*funktioniert hat, ist weitgehend unbekannt. Archäologen versuchen mit neuen Ausgrabungen, die mysteriöse Wüstenstadt zu enträtseln. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,763998,00.html
ja, mich hats auch mal nach Jordanien verschlagen. Dies Land steht gegenüber Israel als Reiseziel in nichts nach, und mittlerweile sind ja auch die Grenzen offen und man braucht keinen Zweitpass mehr wie früher. Kann man leicht beide Länder auf einmal machen. So groß ist die Gegend dort ja nicht. Achja, ich muss mal wieder hin...
2. Mad'ain Saleh
satissa 31.05.2011
Zitat von sysopDie antike Felsenstadt Petra ist Weltkulturerbe, zieht Millionen Touristen an - und ist kaum erforscht. Wie die Metropole mitten in der Wüste*funktioniert hat, ist weitgehend unbekannt. Archäologen versuchen mit neuen Ausgrabungen, die mysteriöse Wüstenstadt zu enträtseln. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,763998,00.html
liegt in Saudi Arabien und war die zweite Hauptstadt der Nabataeer. Archaeologisch macht es Sinn hier zu suchen, weil diese Stelle weitgehend von Besuchern verschont geblieben ist. Der Unterschied ist schon riesig: Waehrend man sich mit 1000en von Touristen durch den Siq in Petra schiebt, hat man Nad'ain Saleh fast fuer sich alleine. Es darf nun mal nicht jeder nach Saudi Arabien und die wenigen die kommen, sind weniger an Kulturgeschichte und Archaelogie interessiert. Mad'ain Saleh ist seit 2008 Uno Weltkuluturerbe.
3. Antikes Petra
evisu 31.05.2011
Zitat von satissaliegt in Saudi Arabien und war die zweite Hauptstadt der Nabataeer. Archaeologisch macht es Sinn hier zu suchen, weil diese Stelle weitgehend von Besuchern verschont geblieben ist. Der Unterschied ist schon riesig: Waehrend man sich mit 1000en von Touristen durch den Siq in Petra schiebt, hat man Nad'ain Saleh fast fuer sich alleine. Es darf nun mal nicht jeder nach Saudi Arabien und die wenigen die kommen, sind weniger an Kulturgeschichte und Archaelogie interessiert. Mad'ain Saleh ist seit 2008 Uno Weltkuluturerbe.
Madain Saleh war keine Hauptstadt der Nabatäer. Dies war Petra, Madain Saleh war südlicher Ausläufer des Reiches. Nach der römischen Okkupation blieb Petra auch weiter politisches und wirtschaftliches Zentrum. Erst im Laufe der Zeit gelang es Bostra, Petra diese Position streitig zu machen. Es gibt übrigens aktuelle Forschungen in Madain Saleh. Die Franzosen unter M. Mouton und L. Nehme graben seit mehreren Jahren dort.
4. "Absurd, an diesem Ort eine Stadt zu bauen"
Ahnunghaber 31.05.2011
Nach dem Lesen des Artikels - und aus eigenem Eindruck, ich war 1994 in Petra - drängt sich mir ein Vergleich mit dem heutigen Dubai auf. Damals wie heute, ein Volk mit viel Geld und wenig Geschmack möchte an einem dafür ungeeigneten Ort unbedingt zeigen, was der aktuelle Stand der Technik zuwege bringt. Die Architektur in Petra ist monströs, man hat einfach vorhandene hellenistische Stilelemente teilweise um den Faktor 10 vergrößert. Mangels statischer Kenntnisse mußte man sich auf die Fassaden beschränken, welche massiv aus dem Stein gehauen wurden. Zugegeben, es sieht beeindruckend aus. Aber trotzdem ist es dekadent, eine Kopie von schon Vorhandenem. Und Dubai wird es nicht anders ergehen.
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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.


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