Antikes Schlachtfeld entdeckt: Rache der Römer

Von Ralf-Peter Märtin

2. Teil: Warum der Feldzug gegen die Germanen erfolgreich war

Römer vs. Germanen: Wie Forscher einen Feldzug rekonstruieren Fotos
DPA

Nach dem blutigen Ende der Markomannenkriege kehrte eine mehr als 30 Jahre dauernde Friedhofsruhe ein. Bis die Alamannen, ein größerer germanischer Verband, wieder aufbegehrten. Kaiser Caracalla (211 bis 217) wartete nicht ab, bis sie an der römischen Grenze erschienen, sondern überschritt am 7. August 213 bei Aalen den Limes und stellte die Feinde am Main. Wie Marc Aurel fand er es offenbar völlig normal, in Germanien Krieg zu führen.

20 Jahre später hieß der neue Kaiser Alexander Severus. Die Hiobsbotschaft vom Zusammenbruch der Limesverteidigung erreichte den 25-Jährigen in Antiochia, der Hauptstadt der Provinz Syrien. Man schrieb das Jahr 233, und der Kaiser war gerade von einem Feldzug gegen die Sassaniden zurückgekehrt.

Den Berichten zufolge hatten alamannische Krieger einen groß angelegten Angriff unternommen, das ganze rechtsrheinische Gebiet überrannt und waren tief nach Gallien (Frankreich) und nach Rätien (Süddeutschland) vorgestoßen. Viele der Limeskastelle und der unbefestigten Städte lagen in Schutt und Asche. Der Kaiser schloss eilends Frieden im Nahen Osten und brach zum neuen Kriegsschauplatz auf.

Alexander Severus reiste im Spätwinter 235 in das Feldlager. Die Haltung des Kaisers, nicht gegen die Alamannen zu kämpfen, sondern zu verhandeln und ihnen Gold für Frieden zu bieten, stieß auf entschiedenen Widerspruch. Die Soldaten brannten darauf, den Germanen zu zeigen, dass man die Römer nicht ungestraft herausfordert.

Der Feldzug gegen die Germanen wurde ein Erfolg

Anders als Severus galt Maximinus als ganzer Kerl. Sein Beiname Thrax, der Thraker, wurde ihm erst später vom römischen Senat als Schimpfname zugedacht, um ihn als Barbaren zu schmähen - die Senatoren hielten ihn als Kaiser für ungeeignet. Ob er selber die Fäden zog oder nur die Stunde günstig war: Im März 235 wurde Severus ermordet und Maximinus von den Soldaten zum Kaiser erhoben: als erster Berufssoldat auf dem Thron und erster römischer Herrscher aus dem Ritterstand; bis dahin war das höchste Amt im Staat stets ein Privileg der mächtigen Senatoren gewesen.

Der Feldzug gegen die Germanen wurde ein voller Erfolg. Um den Nachschub zu sichern, ließ Maximinus Thrax eine weitere Brücke über den Rhein schlagen und Straßen anlegen. Dann baute er die niedergebrannten Limeskastelle wieder auf. Schließlich griff er die Alamannen direkt in ihren Siedlungsgebieten an und schlug sie entscheidend. Der Brief, den er wohl 236 an den Senat schickte, strotzt vor Selbstbewusstsein: "Wir können nicht so viele Worte machen, versammelte Väter, wie wir Taten verrichtet haben. Auf einer Strecke von 400 bis 500 Meilen (eine römische Meile entspricht 1480 Metern, Anm. d. Red.) haben wir die Dörfer der Germanen niedergebrannt, die Getreidefelder verheert, die Herden weggeführt, Bewaffnete niedergemacht und eine Schlacht im Sumpf geschlagen. Die Zahl der Gefangenen ist so hoch, dass das Reichsgebiet sie kaum zu fassen vermag."

Wo wurde diese "Schlacht im Sumpf" geschlagen, und welchen Weg nahmen die Römer? Bislang galt eine Lesart als wahrscheinlich, die nur 40 bis 50 Meilen annimmt - und nicht bis zu 500 Meilen. Die Historiker hielten es kaum für möglich, dass sich die Römer im 3. Jahrhundert so weit von ihren Stützpunkten am Rhein weggewagt hätten.

Maximinus Thrax wollte Germanien zur römischen Provinz machen

Das neu entdeckte Schlachtfeld am Harzhorn erzählt eine andere Geschichte. Weshalb sollte man die "Schlacht im Sumpf" nicht in dieser Landschaft vermuten? Die Moore sind erst in der Neuzeit trockengelegt worden.

Den Winter 236/237 verbrachte Maximinus Thrax im heutigen Serbien. Er reorganisierte das Heer für einen abschließenden Feldzug, mit dem er das Germanenproblem ein für alle Mal aus der Welt schaffen wollte. Ganz im Stile Marc Aurels war es für ihn unausweichlich, Germanien zur römischen Provinz zu machen.

Doch bevor der Kaiser losschlagen konnte, verhinderte im Frühjahr 237 ein Angriff der Goten an der unteren Donau den Vorstoß. Im Jahr darauf starb Maximinus Thrax durch die Schwerter seiner germanischen Leibwache.

Wann also wurde die "Schlacht im Sumpf" genau geschlagen? Die Forscher am Harzhorn halten den Herbst 235 für wahrscheinlich. Der "Historia Augusta" zufolge unternahm Maximinus Thrax in jenem Jahr einen Vorstoß weit nach Norden. Die erstaunlichen Überreste retten die Archäologen nun im südlichen Niedersachsen für die Nachwelt.


Gekürzte Fassung aus NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND, Ausgabe 6/2010

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
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1. .
Zwergnase 28.06.2010
Zitat von sysopForscher haben die Spuren einer bisher unbekannten Schlacht entdeckt: Um 235 nach Christus führten die Römer offenbar einen Feldzug in Richtung Elbe - und lieferten sich eine blutiges Gemetzel mit den Germanen. National Geographic über das rätselhafte Gefecht am Harzhorn. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,698690,00.html
Lassen sich da nicht noch Wiedergutmachungen rausschlagen, ein paar Milliönchen für die Hinterbliebenen ?
2. Gladiator
flummiflu 28.06.2010
Zitat von sysopForscher haben die Spuren einer bisher unbekannten Schlacht entdeckt: Um 235 nach Christus führten die Römer offenbar einen Feldzug in Richtung Elbe - und lieferten sich eine blutiges Gemetzel mit den Germanen. National Geographic über das rätselhafte Gefecht am Harzhorn. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,698690,00.html
Der "Gladiator" lässt grüßen, nur das er nicht "der Spanier", sondern "der Thraker" genannt wurde.
3. Man sollte das mal klarmachen...
frank_lloyd_right 28.06.2010
Zitat von ZwergnaseLassen sich da nicht noch Wiedergutmachungen rausschlagen, ein paar Milliönchen für die Hinterbliebenen ?
...auf jeden Fall, Italien als rechtlicher Nachfolger des römischen Imperiums (oder isses die Katholenkirche ?) muß zahlen, denn schon Caesar, 300 Jahre vorher, war ja vor dem Senat wegen Völkermoredes an Germanenstämmen im Gespräch... jetzt muß man nur noch plausible direkte Nachfahren herbeizaubern. "Die Historiker hielten es kaum für möglich, dass sich die Römer im 3. Jahrhundert so weit von ihren Stützpunkten am Rhein weggewagt hätten". Das ist auch wieder typisch. Historiker sind ja auch keine Typen wie römische Legionäre, die mit 30 Kilo Gepäck ebensoviele Kilometer am Tag marschieren und dann ein Feldlager bauen, oder auch mal mehrere Stunden in der ersten bis dritten Schlachtlinie abhängen, um Barbaren abzustechen (das geht echt in die Knochen und den anderen in den Halsbereich oder die Eingeweide). Heute sind wir ja insgesamt eher müde Krieger gewöhnt... ohne Hubschrauber und LKW kommen die nicht weit, und das ist wohl auch ganz gut so.
4. Ein bischen viel Aufwand für Sümpfe und magere Böden
solarfighter 28.06.2010
Da strahlt einen mal wieder die fehlende Bildung des Autors an. Nach der Varusschlacht hatte es noch einige, mehr oder weniger erfolgreiche, Strafexpeditionen ins freie Germanien gegeben. Dieser Feldzug war auch nichts anderes. Bei diesen Feldzügen war es aber nie das Ziel gewesen, den Landstrich dauerhaft zu besetzen. Das freie Germanien wäre von den Römern nicht nur aus landwirtschaftlichen Erwägungen interessant gewesen und bestand mit Nichten nur aus Sümpfen und mageren Böden. (Sonst hätte es auch in der Varus-Zeit und danach eine so massive Truppenpräsenz der Römer gegeben.) Das Problem war einfach, dass Bewohnerstruktur, -mentalität und Gegend einfach nicht für das römische Herrschaftsmodell geeignet waren. Hier konnte man nicht einfach einen Hauptort besetzen oder niederbrennen, um die Bevölkerung zu unterwerfen. Ebenfalls reichte es nicht aus, eine kleine Oberschicht zu kontrollieren. Der Gegner war sehr flexibel und dadurch quasi nicht dauerhaft zu besiegen. Die Römer hatten es daher in Kauf genommen, lieber mit der Niederlage zu leben und eine viel längere Grenze zu befestigen, als es mit einer Eroberung von Germanien notwendig gewesen wäre.
5. ...zogen sie nach Norden.
Rübezahl 28.06.2010
Zitat von sysopForscher haben die Spuren einer bisher unbekannten Schlacht entdeckt: Um 235 nach Christus führten die Römer offenbar einen Feldzug in Richtung Elbe - und lieferten sich eine blutiges Gemetzel mit den Germanen. National Geographic über das rätselhafte Gefecht am Harzhorn. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,698690,00.html
heißt es da nicht schon in einem Lied : Als die Römer frech geworden, zogen sie nach Norden.
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