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Antimaterie und Teleportation: US-Luftwaffe forscht an Science-Fiction-Waffen

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Die US-Luftwaffe forscht mit Millionenaufwand an Technologien, die bisher allenfalls vom "Raumschiff Enterprise" bekannt waren: Antimaterie-Waffen sollen gewaltige Energie freisetzen, und selbst die Teleportation wird ernsthaft in Betracht gezogen.

Raumschiff "Enterprise" in Aktion: US-Militärs träumen von Antimaterie-Waffen und Teleportation
DPA

Raumschiff "Enterprise" in Aktion: US-Militärs träumen von Antimaterie-Waffen und Teleportation

"Star Trek"-Fans erschauern wohlig, wenn der eigentlich friedfertige Captain Picard am Ende seiner Geduld ist und "Feuer" ruft. Aus den Torpedorohren der "Enterprise" flitzen rot glühende Kugeln, die Raumschiffe frecher Aliens werden in gewaltigen Explosionen zu Weltraumschrott verarbeitet oder gleich ganz pulverisiert. Der (theoretische) Trick: Antimaterie, wie sie in den "Photonentorpedos" steckt, und normale Materie vernichten sich beim Kontakt gegenseitig in einer gewaltigen Energieentladung. Legt man Einsteins Relativitätstheorie zugrunde, die Masse und Energie in Relation setzt, steckt in einem einzigen Gramm Antimaterie die Sprengkraft von 20 Kilotonnen TNT - sieben Kilotonnen mehr als die Hiroshima-Bombe.

Millionen Dollar für bizarre Forschungsprojekte

Nach getaner Arbeit, meist kurz vor dem Abspann, hebt Picard den Arm, schwenkt die Hand in Richtung unendlicher Weiten und befiehlt "Beschleunigen". Die "Enterprise"-Crew wirft den Warp-Antrieb an, der ebenfalls mit Antimaterie betrieben wird, und rauscht mit mehrfacher Überlichtgeschwindigkeit von dannen.

Nun will sich das US-Militär die potenziell unerschöpfliche Energiequelle nutzbar machen. Wissenschaftler der Air Force forschen mit Millionenaufwand an möglichen Anwendungen von Antimaterie, von Mini-Bomben bis hin zu extrem effizienten Triebwerken. Denn der exotische Stoff ist alles andere als Science Fiction; die Wissenschaft beschäftigt sich schon seit den dreißiger Jahren mit ihm.

Schema eines Antimaterie-Triebwerks aus Edwards' Vortrag: Prototyp angeblich in 15 Jahren möglich
Positronics/ AFRL

Schema eines Antimaterie-Triebwerks aus Edwards' Vortrag: Prototyp angeblich in 15 Jahren möglich

Die US-Luftwaffe lässt an der Eglin Air Force Base in Florida eine Abteilung mit dem bezeichnenden Namen "Revolutionary Munitions" mögliche Lösungen erforschen. Direktor Kenneth Edwards hat im März auf einer Konferenz des Nasa Institute for Advanced Concepts eine Rede über mögliche praktische Anwendungen von Antimaterie gehalten.

23 Space-Shuttle-Tanks in einem Gramm

In Bescheidenheit übte sich Edwards nicht: Sein Vortrag strotzte vor Superlativen und beeindruckenden Zahlen. Die Energiedichte von Antimaterie etwa sei mit 180 Megajoule pro Mikrogramm rund zehn Milliarden Mal höher als die von konventionellen Sprengstoffen. In einem Gramm schlummere so viel Energie wie in 23 randvollen Space-Shuttle-Tanks. Edwards wagte sogar die kühne Behauptung, für zwei Milliarden Dollar innerhalb von 15 Jahren den Prototyp eines Antimaterie-Triebwerks bauen zu können.

Noch wichtiger aber: Bei einem möglichen Waffeneinsatz würden "keine radioaktiven Rückstände" zurückbleiben, heißt es in dem Vortrag. Von einer solchen "sauberen" Massenvernichtungswaffe, die ein Zielgebiet nicht auf Jahrzehnte mit schädlicher Strahlung verseucht, träumen US-Militärs seit Jahrzehnten. Kritiker wenden dagegen ein, dass eben deshalb der reale Einsatz solcher Super-Bomben wesentlich leichter fiele als der von herkömmlichen Atomwaffen.

Noch im Frühjahr, berichtete die US-Zeitung "San Francisco Chronicle", habe sich Edwards' Team bereitwillig zu Interviews bereit erklärt. Wenige Wochen später aber habe das Pentagon den Forschern einen Maulkorb verpasst. Seitdem schweigt die US-Luftwaffe zu ihrer Arbeit an der Antimaterie.

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