Ausgegraben

Ausgegraben Das Luxusgrab des keltischen Fürsten

Denis Gliksman/Inrap

Mein Auto, meine Waffe, mein Trinkbecher: Im 5. Jahrhundert vor Christus ließ ein keltischer Fürst sich mit seinen Statussymbolen bestatten. Archäologen fanden sein außergewöhnliches Grab in der nordfranzösischen Gemeinde Lavau.

Es brauchte ganz schön Platz, um den großen Streitwagen des Keltenfürsten für die Ewigkeit zu parken. Gräber mit einem Wagen darin sind zwar aus der Hallstattzeit (etwa 800 bis 450 v. Chr.) häufiger bekannt - mit stolzen 14 Quadratmetern zählt die Grabkammer des Keltenfürsten im französischen Lavau aber zu den größten, die je gefunden wurden. Entsprechend unübersehbar war auch der Erdhügel, den die Hinterbliebenen später über der Kammer aufschaufelten. Sein Durchmesser: 40 Meter.

Feines Geschirr, bemalt mit Gold

So eindrucksvoll der Streitwagen auch gewesen sein mag, die wirklich wertvollen Grabbeigaben fanden die Ausgräber Archäologen des französischen Archäologiedienstes INRAP in einer Ecke der Kammer. Dort hatte man dem Fürsten seine Waffe hingelegt, ein großes Messer in seiner Scheide. Und auch das Trinkgeschirr war dort aufgebaut: ein bronzener Eimer, feine Keramik - und ein großer bronzener Kessel von einem Meter Durchmesser.

Das kostbare Stück ist ein Import. Kunstschmiede aus Griechenland haben es gefertigt und mit Figuren aus ihrer eigenen Mythologie verziert. An den vier Henkeln des Gefäßes prangt jeweils ein Kopf des Gottes Acheloos, des ältesten der griechischen Flussgötter.

In seinem Inneren lag ein weiteres kostbares Importstück, eine verzierte Weinkanne. Auf ihr ist der griechische Gott Dionysos bei einem Festgelage zu sehen, eine typische Szene für griechisch-römisches Trinkgeschirr. Doch dieses Stück ist besonders edel: der Rand und der Fuß der Kanne sind mit Gold bemalt.

Angesagt: Etruskisches Geschirr

Dass dieses fremdländische Edelgeschirr in einem keltischen Fürstengrab landet, ist nicht weiter verwunderlich: Gegen Ende des 6. Jahrhunderts und zu Beginn des 5. Jahrhunderts gelangten viele Waren griechischer Gemeinden in die keltischen Dörfer im Westen des Mittelmeers. Marseille im Süden des heutigen Frankreichs war ein wichtiger Hafen für den regen Handel, von hier aus gelangten die Waren über die Flüsse bis tief ins Landesinnere.

Die Kelten hatten so einiges zu bieten, was in Griechenland und Italien heiß begehrt war: Sklaven, Metalle und Bernstein. Im Tausch brachten die Griechen Luxusgegenstände aus dem Osten zu den keltischen Eliten, die bald die Mode unter den keltischen Fürsten diktierten.

Wer etwas auf sich hielt, servierte seinen Gästen importierten Wein aus griechischem oder etruskischem Geschirr - und ließ sich auch mit diesen Gefäßen begraben. In Bourges und Vix ebenso wie in Heuneburg und Hochdorf fanden Archäologen keltische Fürstengräber, deren Inventar das Tischgeschirr so manch edlen griechischen Haushalts weit in den Schatten stellte.

Nur wo der Fürst von Lavau zu Lebzeiten speiste und trank, weiß man nicht. "Die passende Siedlung zu dem Grab haben wir bislang noch nicht gefunden", bedauert Mahaut Tyrrell von INRAP.

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15 Leserkommentare
Tiananmen 31.03.2015
galens 31.03.2015
galens 31.03.2015
Kamillo 31.03.2015
nemtiemsaf 31.03.2015
Kamillo 31.03.2015
rot 31.03.2015
Layer_8 31.03.2015
festuca 31.03.2015
Endlager 31.03.2015
minsch 31.03.2015
rreniar 31.03.2015
Teile1977 01.04.2015
minsch 01.04.2015
sarkosy 18.08.2015

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